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Elbe noch weit entfernt von ökologischer Durchlässigkeit

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Von: Norbert Müller

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Problemfall bei Ippinghausen: Per Staustufe wird die Versorgung der Fischteiche mit Elbewasser sichergestellt, die jedoch für die Tiere in der Elbe eine Barriere darstellt.
Problemfall bei Ippinghausen: Per Staustufe wird die Versorgung der Fischteiche mit Elbewasser sichergestellt, die jedoch für die Tiere in der Elbe eine Barriere darstellt. © Müller, Norbert

Die Elbe soll zwischen Quelle und Mündung von Barrieren befreit werden, damit Fische den Lauf durchwandern können. Bis 2027 müssen die Wehre weg sein.

Naumburg/Ippinghausen – Wie viele Tonnen Beton hier einst kurz vor dem südlichen Ortseingang von Naumburg in die Elbe gegossen wurden, weiß der Himmel. An diesem Wehr, das direkt neben der Landesstraße hinter dichtem Buschwerk verborgen den Bach staut, gibt es für Fische und Kleinlebewesen im Wasser flussaufwärts kein Durchkommen. Der genetische Austausch und die Förderung der Artenvielfalt bleiben auf der Strecke. Genau deswegen hat die Stadt Naumburg diesen Klotz, hinter dem die Elbe gut 1,60 Meter in die Tiefe rauscht, auch im Visier.

EU hat den Rückbau vorgeschrieben

„Alle Wehre, die eine derartige Absturzhöhe haben, sollen zurückgebaut werden“, sagt Naumburgs Hauptamtsleiter Thomas Fingerling. Aber nicht nur die wuchtigen Anlagen sollen auf dem Gebiet der Stadt Naumburg verschwinden, sagt der Mann aus dem Rathaus, auch kleinere Staustufen, die meisten keine 30 Zentimeter hoch und gerne von Leuten vor ihren Gärten angelegt, stehen auf der Liste. Zug um Zug sollen sie weichen, damit die Elbe wieder durchgängiger wird. Vorgegeben ist der Rückbau solcher wasserquerenden Bauwerke in der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die für entsprechende Maßnahmen eine inzwischen bis 2027 verlängerte Frist setzt.

Endstation: Bachaufwärts ist beim Betonwehr nahe dem Naumburger Ortseingang von Elbenberg kommend kein Durchkommen für Fische oder andere in der Elbe beheimateten Lebewesen. Im Hintergrund blickt Naumburgs Hauptamtsleiter Thomas Fingerling auf die Barriere, die beseitigt werden soll.
Endstation: Bachaufwärts ist beim Betonwehr nahe dem Naumburger Ortseingang von Elbenberg kommend kein Durchkommen für Fische oder andere in der Elbe beheimateten Lebewesen. Im Hintergrund blickt Naumburgs Hauptamtsleiter Thomas Fingerling auf die Barriere, die beseitigt werden soll. © Norbert Müller

Zwölf derartige Hindernisse zwischen dem Mühlenholz und dem letzten Wehr hinter Altendorf werde man angehen, sagt Fingerling. Aus dem Jahr 2015 habe die Stadt eine Kostenschätzung, die damals bei 284 000 Euro lag. „Ich vermute, das wird inzwischen an die 400 000 Euro kosten“, so der Verwaltungsmann, der um die üppige Förderquote von gut 90 Prozent weiß.

Wehre haben schon lange keinen Nutzen mehr

Die Staustufen im Stadtgebiet, die meist der Versorgung der Antriebe der örtlichen Mühlen mit Wasser dienten, seien mittlerweile mit einer Ausnahme ohne Nutzen. In Elbenberg wird über das Wehr an der Hardtmühle den benachbarten Fischteichen Elbewasser zugeführt. Ein Abriss des Wehres komme dort nicht in Frage, auch, weil das Bauwerk denkmalgeschützt sei. Fingerling: „Dort ist ein Bypass geplant“, der den Wassertieren die Passage in beide Richtungen ermöglicht. Im vom Regierungspräsidium (RP) genehmigten Plan seien Umgehungen vorgesehen, die „flach ausgebildet sind, keine Treppen“.

Über die Notwendigkeit, in Naumburg die Elbe von Barrieren zu befreien, besteht kein Zweifel. „Wenn wir hier in der Mitte der Strecke nicht für die Durchlässigkeit sorgen, dann kann Wolfhagen machen, was es will, dann kommt trotzdem kein Fisch von der Eder bis Ippinghausen“, sagt Thomas Fingerling, der damit auch darauf hinweist, dass alle Kommunen, durch deren Gelände die Elbe auf ihren 33,7 Kilometern von der Quelle kurz vor der Gemarkungsgrenze bei Ippinghausen bis zur Mündung bei Fritzlar in die Eder fließt, ihren Part zu leisten haben.

Das Ziel: Durchgängigkeit von der Quelle bis zur Nordsee

Im Rathaus der Domstadt erklärt Bürgermeister Hartmut Spogat, dass man die Elbe im Blick habe. Schon 2013 habe man mit dem RP eine Vereinbarung zur Gewässerrenaturierung unterzeichnet. „Wir engagieren uns nach der Konzeption bei verschiedenen Einzelmaßnahmen im Bereich der Eder, aber auch im Naturschutzgebiet Geismar zusätzlich im Nebengerinne der Elbe.“ Spogat weiter: „Vorhandene Flutmulden sowie das Anlegen von sogenannten Kolken dienen der Vernetzung von Eder und Elbe.“ Auch zwischen Geismar und Züschen sei einiges angeschoben.

Im Oberlauf der Elbe, auf Ippinghäuser Gebiet, „haben wir drei Hindernisse, die nicht passierbar sind“ für Fische und Kleinlebewesen. Dabei handele es sich jeweils um Wehre, sagt Stephan Schmidt, der im Wolfhager Rathaus für den Bereich Naturschutz zuständig ist. Oben auf der Prioritätenliste stehe das Wehr an den Fischteichen, ein Konstrukt, das die Elbe anstaut, damit die Teiche mit dem Wasser des Bachs gespeist werden können. Das müsse komplett umgebaut werden.

Wenn er genügend Platz zur Verfügung habe, sagt Schmidt, „baue ich am liebsten Umgehungsgerinne.“ Das sei die günstigste Variante, das Wehr könne dann stehen bleiben. Das große Ziel sei, so Schmidt weiter, „dass mal alles durchgängig ist. Von hier bis zur Nordsee.“ Dass er das noch erleben werde, bezweifele er allerdings stark.

An der Stadt Naumburg soll das Erreichen dieses Ziels nicht scheitern. Als Erstes, sagt Thomas Fingerling, gehe man im kommenden Jahr den Klotz am Ortseingang an.

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