Bad Emstal kauft keine EAM-Anteile: Finanzielles Risiko befürchtet

Bad Emstal. Die Gemeinde Bad Emstal wird sich nicht an der EAM beteiligen. Das hat die Gemeindevertretung am Donnerstagabend im Kursaal in Sand beschlossen.

Während weite Teile der SPD-Fraktion dem Erwerb von Anteilen zustimmten (acht Abgeordnete), lehnten dies vor allem die Fraktionen der Bürgerliste und der Grünen ab (14 Abgeordnete) - zwei Kommunalpolitiker enthielten sich.

Als sehr komplexen, schwer zu verstehenden Sachverhalt bezeichneten einzelne Gemeindevertreter das Vertragswerk für die Beteiligung am Energielieferanten. Daher habe sich der Haupt- und Finanzausschuss auch zu keiner Empfehlung an die Gemeindevertreter in der Lage gesehen, sagte Rainer Hering (SPD). Der Zeitdruck für eine Entscheidung sei enorm hoch, kritisierte Bürgermeister Ralf Pfeiffer, der Transaktionsprozess solle im November abgeschlossen sein. Bei einer Beteiligung an der EAM wäre die Gemeinde über Jahrzehnte an den Versorger gebunden.

Dr. Gustav Witte von der Bürgerliste bemängelte das Fehlen belastbarer Informationen. Es gäbe keine Anhaltspunkte über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens aktuell und in Zukunft. Zwar sei eine Rendite in Höhe von acht Prozent in Aussicht gestellt, sagte Witte, er und seine Fraktion bezweifelten jedoch, dass diese Angabe realistisch sei. Die EAM habe erst begonnen, Kunden zu gewinnen, das koste Geld und habe damit negativen Einfluss auf die Rendite. Zu bedenken sei auch, dass sich die Schutzschirmgemeinde Bad Emstal keine finanziellen Risiken leisten könne. Über den Zustand des Versorgungsnetzes sei nichts bekannt.

Auch Elisabeth Theiß von den Grünen riet von einer Beteiligung der Gemeinde ab. Der Planungshorizont reiche bis ins Jahr 2042, „eine seriöse Unternehmensplanung über einen solch langen Zeitraum ist nicht möglich“, sagte sie. Sie schließe nicht aus, dass es für die Gemeinde mit Nachteilen verbunden sei, wenn sie keine Anteile erwerbe. Allerdings fehlten auch ihr Informationen, um einer Beteiligung guten Herzens zuzustimmen.

Rainer Hering sagte, dass sich die SPD-Fraktion die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, letztlich würden aber die meisten unter den Sozialdemokraten eine Beteiligung befürworten. (ant)

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