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Emstaler Volksbühne feiert erfolgreiche Premiere

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Von: Ursula Neubauer

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Der Brandner Kasper (Lothar Neumann, links) bekommt Besuch vom Tod (Marika Bayer). Bühnenbild vom Haus des Brandners, rechts neben der Balhorner Kirche.
Der Brandner Kasper (Lothar Neumann, links) bekommt Besuch vom Tod (Marika Bayer). Bühnenbild vom Haus des Brandners, rechts neben der Balhorner Kirche. © Neubauer, Ursula

Kann man den Tod bzw. Gott überlisten und wie viel ist ein Leben wert? Das sind die essentiellen Fragen, die in dem Theaterstück „Der Brandner Kasper guckt ins Paradies“ (Original von Franz von Kobell aus dem Jahr 1871) aufgeworfen werden.

Balhorn – Dramaturg Michael Sommer reduzierte das Original auf fünf Personen und übertrug es in den Balhorner bzw. nordhessischen Dialekt. Nach sechs Jahren zeigte die Emstaler Volksbühne am Wochenende eine erneute Premiere des Theaterstücks vor der Balhorner Kirche.

Der Brandner, souverän gespielt von Lothar Neumann als alter, aber gewiefter Sturkopf, trickst den Tod mit Kirschgeist und beim Kartenspiel aus und ringt ihm weitere 15 Lebensjahre ab. Marika Bayer überzeugt in der Rolle des Schnitters mit menschlichen Schwächen und Frust über die geringe Anerkennung von oben und unten. Doch der Schwindel fliegt auf, als die Liesel, Dagmar Rißeler als resolute und mitfühlende Nachbarin, vor der Himmelspforte steht und alles erzählt.

Die himmlische Verwaltung ist entsetzt über die Schlamperei der unsachgemäße Bearbeitung durch den Tod. Manfred Altmann als Wachtengel und Wieland Beinert als Pförtner Petrus sehen zwar aus wie Engel, können aber, was Autorität und Kompetenz betrifft, mit jedem Bürovorsteher auf der Erde mithalten.

Die Zuschauer amüsieren sich köstlich, denn die göttliche Bürokratie scheint nicht anders zu funktionieren als die weltliche. In einer weiteren Rolle glänzte Jürgen Kleinhans als aufbegehrender Sohn, der nicht mehr nach der Pfeife seines Vaters tanzen möchte. Wesentlich zur Erheiterung trägt auch der nordhessische Dialekt bei, auch wenn er abgeschwächt wurde, damit die Zuschauer alles verstehen. Wörter, wie „ahler Knispel“ (alter Mann) und „Wat witte denn?“ (was willst du denn) kennt nicht mehr jeder.

Obwohl das Publikum oft herzhaft schmunzeln oder lachen muss, enthält das Stück einige ernste und traurige Szenen. Als der Brandner von der Nachbarin Liesel erfährt, dass seine beiden Söhne im Krieg gefallen sind, bröckelt seine harte Schale und er fragt mit brüchiger Stimme: „Wer macht denn so was?“ Und die Zuschauer halten den Atem an. Angesichts der politischen Lage in der Ukraine ist die Frage aktueller als je zuvor.

Wer bestimmt über Tod und Leben? Laut Liesel nur Gott und den könne man nicht betrügen, denn jedes Ding „hot sine Ziet“!

Das muss auch der Brandner Kasper am Ende erfahren, wenn auch über Umwegen. Vertraglich hätte er noch ein paar Lebensjahre. Doch er fragt sich inzwischen, was das Leben wert ist, wenn alle lieben Menschen um einen herum gestorben sind. Als alter Sturkopf muss er aber erst überzeugt werden und darf einen Blick ins Paradies werfen, wo alle seine Liebsten auf ihn warten. So entscheidet er sich für den Himmel, aber nicht ohne seine Destille! Viel Beifall für eine zweistündige rundherum gelungene Vorstellung der Volksbühne Bad Emstal. (Ursula Neubauer)

Vor dem Eingang zur Balhorner Kirche, die zum Eingang ins Paradies wurde, warten der Wachtengel (Manfred Altmann) und Petrus (Wieland Beinert) auf den überfälligen Brandner Kasper (Lothar Neumann).
Vor dem Eingang zur Balhorner Kirche, die zum Eingang ins Paradies wurde, warten der Wachtengel (Manfred Altmann) und Petrus (Wieland Beinert) auf den überfälligen Brandner Kasper (Lothar Neumann). © Ursula Neubauer

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