Bauwerk aus dem Jahr 1780

Entdeckung unter der Erpe: Sandsteinbrücke ruht auf Eichenbalken

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Steinbrücke über der Erpe bei Elmarshausen: Das Mauerwerk wurde gereinigt und fit gemacht für die kommenden Jahrzehnte. Bei den Arbeiten wurde ein seltenes Fundament entdeckt, das aus Eichenbalken besteht.

Elmarshausen. Für Hochbaupolier Matthias Kaufmann ist es eine Überraschung: Bei den Arbeiten an der historischen Sandsteinbrücke, die bei Elmarshausen die Erpe überspannt, sind er und sein Kollege Günther Schweitzer auf ein ungewöhnliches Fundament gestoßen.

Das Bauwerk aus dem Jahr 1780 ruht auf Eichenbalken. Normal wäre für Brücken eine Gründung auf Steinen.

Zu sehen ist das hölzerne Fundament allerdings nicht mehr, da die beiden Mitarbeiter der Korbacher Firma Gra-Bak die Brücke bereits auf beiden Seiten mit Betonblöcken stabilisiert haben. Die großen Fahrzeuge würden immer schwerer, sagt Kaufmann. Daher sei es erforderlich, das 234 Jahre alte Bauwerk so zu ertüchtigen, dass es den höheren Lasten standhält.

Mauergeselle Günther Schweitzer glaubt, die Gründe für ein Fundament aus Eichenbalken zu kennen: Die Balken seien deutlich länger als Steine. Dadurch hätten sie eine größere Auflagefläche, was bei dem schlammigen, instabilen Untergrund ein großer Vorteil sei und mehr Stabilität verspreche. Die Balken an beiden Ufern der Erpe sind etwa 40 mal 40 Zentimeter breit und mehrere Meter lang. Maurer Schweitzer nimmt an, dass vier bis fünf dieser Hölzer unter dem alten, abgetreppten Widerlager liegen.

„Es ist erstaunlich, aber die Balken waren völlig intakt und knüppelhart“, sagt Matthias Kaufmann. Das hänge damit zusammen, dass das Eichenholz etwa 25 Zentimeter unter dem Wasserspiegel liege und damit luftdicht abgeschlossen sei. Sobald die Stämme eine längere Zeit der Luft ausgesetzt seien, würden sie zu faulen beginnen. Daher hätten die Mitarbeiter der Korbacher Baufirma die Anbauten an die Bogenbrücke zügig über die Bühne gebracht und die Balken dort belassen, wo sie seit dem Jahr 1780 gute Dienste leisten.

Arbeiten bis Dezember 

Bis Anfang Dezember werde die Sanierung der Sandsteinbrücke noch dauern. Derzeit arbeiten Schweitzer und Kaufmann an der Bewehrung. Demnächst wird der Beton in das Stahlgeflecht gegossen und der Brückentisch fertig gestellt. In den vergangenen Wochen wurden die alten Steinquader gereinigt. Dort, wo das Mauerwerk verschoben war, wurden die Steine herausgenommen und wieder neu aufeinander gesetzt.

Die Arbeiten sind Bestandteil der Erneuerung der Kreisstraße 94 von Wolfhagen nach Elmarshausen. Der Landkreis Kassel investiert in die Sanierung 191.200 Euro.

Von Antje Thon

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