Henning Meesenburg untersucht Umwelteinflüsse

Messstelle in Zierenberg liefert Daten zum Klimawandel

„Wir kennen hier jeden einzelnen Baum“: Die Beschaffenheit der Bäume und des Bodens wird exakt an die Versuchsanstalt übermittelt.
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„Wir kennen hier jeden einzelnen Baum“: Die Beschaffenheit der Bäume und des Bodens wird exakt an die Versuchsanstalt übermittelt.

Das Klima verändert sich. Die Temperaturen steigen, die Trockenheit nimmt zu, gleichzeitig gibt es mehr Starkregenereignisse.

Zierenberg – Was macht der Klimawandel mit der Natur? Wie wirken Umwelteinflüsse auf den Wald ein? Fragen wie diese sollen durch das forstliche Umweltmonitoring der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) mit Standort in Göttingen beantwortet werden. Hierzu wurde in Zierenberg eine Messstelle eingerichtet, die seit dem Jahr 1989 Daten liefert. Dr. Henning Meesenburg von der NW-FVA gibt einen Einblick in seine Arbeit und erklärt, wie forstliches Monitoring funktioniert.

Gemessen wird an zwei Stationen: auf einer Freifläche (Artikel unten) und direkt im Waldbestand. Die Kombination beider Standorte bezeichnet man als Depositionsmessung. Sowohl mitten im Wald als auch etwas außerhalb zu messen ist wichtig, um herauszufinden, wie viele Schadstoffe tatsächlich in den Wald gelangen, erklärt Meesenburg.

Die Auswirkungen auf die Natur zeigen sich an verschiedenen Faktoren. Dazu zählen der Zustand der Baumkronen, das Baumwachstum, die Bodenbeschaffenheit und -Vegetation sowie der Zustand der Blätter.

Die Kronen werden auf ihre Belaubung und eventuelle Verfärbungen kontrolliert. Um festzustellen, wie hoch, dick und schnell die Bäume wachsen, wurden an einigen Bäumen Messbänder installiert, mit denen kontinuierlich gemessen wird. Die Beschaffenheit des Bodens wird alle 15 Jahre kontrolliert – das genügt laut Meesenburg, da sich der Boden nicht so schnell verändert. Um festzustellen, wie feucht der Boden ist, befinden sich an unterschiedlichen Stellen in der Erde kleine Keramikkörper, die einen Unterdruck erzeugen und so das Wasser raussaugen, sogenannte Saugkerzen. Ist der Boden zu trocken, müssen Bäume und Pflanzen ihre Verdunstung einschränken, können weniger CO2 der Luft entnehmen und somit weniger wachsen. Mit dem sogenannten „Trockenstress“ hatte die Pflanzenwelt bereits in den vergangenen drei Jahren zu kämpfen.

Das aus dem Boden extrahierte Wasser wird chemisch analysiert und zum Beispiel auf seinen Nitratgehalt überprüft. Als Nitrat wird die Verbindung von Stickstoff und Sauerstoff bezeichnet. Zwar ist Stickstoff für den Wald ein wichtiger Nährstoff, zu viel davon führt jedoch zu einer Überdüngung – Bäume bilden weniger Wurzeln aus und der Stickstoff kann als Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen werden. Dass hier im Wald zu viel Stickstoff vorhanden ist, ist an den wuchernden Brennnesseln, die normalerweise in geschlossenen Wäldern nicht vorkommen, zu erkennen.

Auch die Blätter werden chemisch analysiert. „Der Zustand der Blätter sagt viel über den Ernährungszustand der Bäume aus“, sagt Meesenburg.

Aber warum das Ganze? „Der Wald erfüllt viele Funktionen, die geschützt werden müssen“, so Meesenburg. Dazu gehören die Holzernte, Schutz für das Grundwasser, Biodiversität und der Aspekt der Erholung. „Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, was man tun kann, um negative Auswirkungen abzumildern und welche Maßnahmen möglich und nötig sind, um Schäden in Zukunft zu vermeiden“, sagt er.

Folgen des Klimawandels zeigen sich bereits jetzt, zum Beispiel an der Trockenheit der Böden. Auch die Absterberate der Bäume hat sich im Vergleich zum langjährigen Mittel versiebenfacht – sie liegt bei 2,9 Prozent. Die Ergebnisse der Waldzustandsaufnahme aus dem vergangenen Jahr belegen für den hessischen Wald den schlechtesten Vitalitätszustand seit Beginn der Erhebungen. Vergleicht man die Referenzperiode 1961 bis 1990 mit der von 1991 bis 2020, wird deutlich, dass die Klimaveränderung in Hessen bereits zu einer signifikanten Erwärmung geführt hat: Die Jahresmitteltemperatur ist von 8,3 auf 9,3 Grad in den vergangenen 30 Jahren gestiegen. Die bereits jetzt sichtbaren Folgen des Klimawandels werden in den kommenden zehn Jahren weiterhin nachwirken, so Meesenburg. (Liea-Sophie Mollus)

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