Tödlicher Unfall: Lkw-Fahrer nach zweieinhalb Jahren zu Bewährungsstrafe verurteilt

Fahrt endete als Tragödie

ISTHA/Bielefeld. Es war eine Tragödie. Am 31. August 2007 starben auf der Autobahn 2 bei Bielefeld eine schwangere Frau aus Istha und ihr Mann aus Rotenburg-Lispenhausen, weil ein polnischer Lastwagen falsch beladen war. Das Amtsgericht Bielefeld verurteilte den Mann jetzt zu einer einjährigen Bewährungsstrafe.

Lena und Dominik Becker (beide 29 Jahre alt) waren nachmittags an ihrem Wohnort Norden (Ostfriesland) zu einer Familienfeier nach Wolfhagen gestartet. Von unterwegs teilte das aus Rotenburg/ Fulda und Istha stammende junge Ehepaar den Verwandten eine frohe Nachricht mit: Lena Becker war schwanger. Doch das Ehepaar und ihr ungeborenes Kind sollten nie zu Hause ankommen.

Tonnenschwere Fracht

Ihr Ford Focus war um 23.56 Uhr in Fahrtrichtung Bielefeld auf der Autobahn 2 unterwegs, als auf der Gegenfahrbahn ein polnischer Sattelauflieger mit schwerer Fracht ins Schleudern geriet. Der Zug durchbrach die Mittelleitplanken und zerfetzte den Ford. Die junge Familie war auf der Stelle tot. Der polnische Berufskraftfahrer und sein elfjähriger Enkel in der Lkw-Fahrerkabine erlitten leichte Verletzungen und verließen wenige Tage später Bielefelder Krankenhäuser.

Sachverständiger

Erst nach fast zweieinhalb Jahren konnte nun ein Amtsrichter den Fall am Amtsgericht Bielefeld verhandeln: Weil Richterkollegen sich nicht ernsthaft um den Fall bemüht hätten, weil die Staatsanwaltschaft das Verfahren gar auf schriftlichen Weg habe „begraben“ wollen. Richter Eckhard Krämer: „Das ist einfach unsäglich.“

„Das ist einfach unsäglich.“

Eckhard Krämer Amtsrichter

Ein Dekra-Sachverständiger machte nun mit überzeugenden Ausführungen klar, dass dieser Unfall nie hätte passieren dürfen: Die Ladung des Sattelaufliegers war „falsch positioniert“, sagte er. Der Mann aus Polen hatte zunächst in Gent eine 23 Tonnen schwere Stahl-Coil (das ist gewalzter Stahl auf einer Rolle) in einer eigens auf dem Auflieger dafür vorgesehenen Mulde geladen.

Die Ladevorgänge hatte der Fahrer indes nicht genügend kontrolliert. Dafür seien in den Firmen Hilfskräfte zuständig gewesen, und er habe Sprachschwierigkeiten gehabt. Besonders die Stahlrolle war nach Bührens Ansicht um 1,35 Meter zu weit hinten gelagert. Ein Fehler, der tödliche Folgen haben sollte.

Als in Solingen der Auflieger zusätzlich mit 3,7 Tonnen Chemikalien wieder im hinteren Teil beschwert wurde, in Essen überdies sechs Meter lange Alurohre (1,6 Tonnen) hinzukamen, wurde der Sattelauflieger damit zu einer Zeitbombe.

Wie ein Geschoss

Als der Lkw-Fahrer durch plötzlich einsetzenden Starkregen auf der Gefällstrecke des Bielefelder Berges auf der A 2 zu einer starken Bremsung gezwungen wurde, war die Antriebs-Brems-Achse der Zugmaschine zu gering belastet: Der Lkw brach aus und bohrte sich als Geschoss in den Gegenverkehr.

Von Uwe Koch

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