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Feuerwehr im neuen modernen Stützpunkt in Wolfhagen

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Von: Norbert Müller

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Symbol für den Start am neuen Ort: Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber (rechts) überreichte einen überdimensionalen Schlüssel auch zur Erinnerung an die Einweihung des neuen Stützpunktes an Stadtbrandinspektor Frank Brunst (links) und Wehrführer Lars Wiegand.
Symbol für den Start am neuen Ort: Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber (rechts) überreichte einen überdimensionalen Schlüssel auch zur Erinnerung an die Einweihung des neuen Stützpunktes an Stadtbrandinspektor Frank Brunst (links) und Wehrführer Lars Wiegand. © Norbert Müller

Am Samstag wurde der neue Stützpunkt der Wolfhager Feuerwehr am Ortsausgang Richtung Nothfelden mit vielen Gästen offiziell eingeweiht.

Wolfhagen – Es war ein harmonischer Abschluss. Kein Wort mehr von den hitzigen Debatten der vergangenen Jahre, die sich darum drehten, ob der in die Jahre gekommene Wolfhager Feuerwehrstützpunkt an der Schützeberger Straße ertüchtigt oder ersetzt werden sollte. Die Befürworter eines zeitgemäßen Neubaus setzten sich durch, am Samstag wurde der Neubau für die Feuerwehr einschließlich des Katastrophenschutzlagers des Landkreises nur einen Katzensprung vom alten Standort entfernt eingeweiht.

Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst erinnerte daran, wie er vor 17 Jahren mit Michael Joost vom städtischen Bauamt erste Gespräche über die Zukunft des Stützpunktes geführt hat, an denen bald auch Bürgermeister Reinhard Schaake beteiligt war. Es sei der Blick in die Glaskugel gewesen: Es ging um einen Stützpunkt in der Zukunft, der bei seiner Einweihung auf der Höhe der Zeit sein müsse und bereit für die Anforderungen danach kommender Jahre und Jahrzehnte. So anspruchsvoll die Aufgabe auch gewesen sei, man habe genau das geschafft, waren sich Brunst und all die Laudatoren am Samstag während der Feierstunde in der zur Festhalle umfunktionierten großen Fahrzeuggarage einig.

Viel Betrieb: Nach der offiziellen Feierstunde konnten sich alle Interessierten beim Tag der offenen Tür ein Bild vom neuen Wolfhager Feuerwehrstützpunkt und seinen Fahrzeugen machen.
Viel Betrieb: Nach der offiziellen Feierstunde konnten sich alle Interessierten beim Tag der offenen Tür ein Bild vom neuen Wolfhager Feuerwehrstützpunkt und seinen Fahrzeugen machen. © Müller, Norbert

Und davon überzeugten sich die geladenen Gäste, darunter auch Abordnungen von Wehren aus den benachbarten Altkreisen und weiterer befreundeter Feuerwehren aus Hessen und Thüringen, sowie ab dem Mittag die vielen Besucher des Tags der offenen Tür bei Rundgängen durch den Gebäudekomplex.

Was sie sahen: Angemessen dimensionierte Seminar- und Gruppenräume sowie Werkstätten des Servicezentrums, in dem die drei hauptamtlichen Wolfhager Zeugwarte auch für Wehren außerhalb des Wolfhager Landes kostenpflichtige Services übernehmen und damit deren Ehrenamtliche entlasten. Funkzentrale und Stabsraum, wo bei Großschadenslagen die Entscheider sitzen, wurden ebenso besichtigt, wie die Büros und modernen Umkleiden sowie Sanitärräume.

11,5 Millionen Euro Baukosten

Und auch das integrierte Katastrophenschutzlager des Landkreises wurde inspiziert. Dank seiner modernen Ausstattung kann in Notsituationen auch eine Notverwaltung der Stadt in den Stützpunkt verlegt werden.

Die veranschlagten Kosten wurden zuletzt mit 11,5 Millionen Euro angegeben, eine Million Euro fließen vom Kreis für das Katastrophenschutzlager.

Wo seit dem Umzug die Fahrzeuge der Wolfhager Kernstadtfeuerwehr normalerweise akkurat eingeparkt stehen, drängten sich am Samstagvormittag die geladenen Gäste. Der Anlass war ein besonderer: Der neue Wolfhager Feuerwehrstützpunkt, der als einer der modernsten Nordhessens gilt, wurde rund zweieinhalb Jahre nach dem Start der Arbeiten offiziell eingeweiht.

Wolfhagens Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber übernahm für den erkrankten Bürgermeister Reinhard Schaake, der per Videoübertragung die Feier verfolgte, die Begrüßung der Gäste und übermittelte auch Grußworte des Verwaltungschefs. Dann unternahm Löber erst mal einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung des Feuerlöschwesens, wobei er darauf zu sprechen kam, dass man in Wolfhagen schon vor Jahren erkannt habe, dass das 1976 errichtete Feuerwehrdomizil nicht mehr zeitgemäß sei, und es „aufgrund der gestiegenen Gefahrenpotenziale und der geänderten und angepassten rechtlichen Rahmenbedingungen erforderlich wurde, hier zu handeln“.

Der Neubau wurde lange debattiert

Kontroverse Diskussionen hätten „den Planungs- und Entscheidungsprozess“ begleitet, bei dem es darum gegangen sei, zwischen finanziellen und rechtlichen Notwendigkeiten abzuwägen und eine zukunftsorientierte bauliche Lösung zu finden. Löbers Fazit: „Ich glaube, hier hat sich im Beschlussweg doch die Vernunft durchgesetzt.“ Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Einsatzkräfte zunehmend mit Gefahrensituationen gerade auch durch den Klimawandel konfrontiert seien.

Stadtbrandinspektor Frank Brunst ließ keine Zweifel daran, dass sich all die Mühen, die Überzeugungsarbeit bei den Entscheidungsträgern, die auch Nerven gekostet hat, sowie die 104 Baubesprechungen letztlich gelohnt haben.

Dass das neue Domizil „viel Geld kostet, ist allen bewusst“, sagte Brunst. „Aber es geht auch darum, die Feuerwehr aufrecht zu erhalten.“ Wenn man junge Leute für die Mitarbeit bei der Wehr begeistern wolle, müsse man ihnen auch etwas bieten. Dazu gehöre eine gute Ausrüstung ebenso wie eine „adäquate Unterkunft“. Nur so könne man es auch schaffen, „oberste Liga zu spielen“ und in der Konkurrenz mit anderen Angeboten und Vereinen um die jungen Leute zu bestehen.

Und auch er gab zu bedenken: „Man muss sich vor Augen führen, was noch auf uns zukommen kann“, beispielsweise ein Blackout. „Wir sind hier komplett notstromversorgt, wir sind jederzeit einsatzfähig.“ Man sei auch vorbereitet, im Stützpunkt ein „Not-Rathaus“ zu betreiben. Und: „Der neue Stützpunkt ist Anlaufpunkt für alle Bürger im Krisenfall.“

„Hier ist etwas Besonderes entstanden“, lobte Regierungspräsident Mark Weinmeister. Und er gratuliere den Menschen in Wolfhagen und Umgebung, „denn am Ende ist all das hier nicht für die Feuerwehr, sondern für die Erhöhung der Sicherheit der Bürger im Wolfhager Land“.

Der Stützpunkt in Wolfhagen habe eine vergleichbar besondere Bedeutung wie Baunatal oder Rotenburg. Und deswegen sei auch eine besondere Unterstützung angemessen. „Am Ende müssen wir Gelder zur Verfügung stellen.“ Was man aber nicht kaufen könne: Menschen. Es brauche aber junge Leute mit der Bereitschaft, zur Feuerwehr zu gehen. „Und da habe ich Sorge.“

Die Feuerwehr lebt vom Ehrenamt

Die teilt auch Erste Kreisbeigeordnete Silke Engler, selbst ehemalige Feuerwehrfrau, wie sie sagte. Man solle die Jungen und Mädchen doch begeistern, dass sie in die Kinder- oder Jugendfeuerwehr gehen und später auch in die Einsatzabteilung. Dort erfahre man Kameradschaft und Zusammenhalt. Der neue Stützpunkt sei „ein Symbol der Zusammenarbeit und des Zusammenhalts“. Und natürlich koste ein solches Projekt viel Geld. Aber jeder Euro hierfür sei gut angelegt.

Davon überzeugten sich im Laufe des Tages dann noch jede Menge Besucher, die an Führungen durchs Haus teilnahmen, sich die einzelnen Bereiche erklären ließen und auch die Gelegenheit nutzten, mal in den großen Fahrzeugen Platz zu nehmen. Vor allem die Kinder und Jugendlichen begeisterten sich für die Technik – ein guter Ansatz für eine erfolgversprechende Nachwuchswerbung.

Pfarrer Martin Jung, Feuerwehrmann in Wolfhagen, bat um Gottes Segen für den Stützpunkt und die Menschen dort und sprach von dem festen Grund, auf dem das neue Haus stehe: Das sei der Teamgeist „und das Wissen, ohne die anderen geht es nicht“. Außerdem die Kameradschaft sowie „der Wunsch und der Wille, Menschen zu helfen“.

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