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Firma aus Thüringen setzt Sanierungsarbeiten an der Weidelsburg fort

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Von: Norbert Müller

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Mit dem Meißelhammer am Mauerwerk: Carsten Liesegang von der Firma DeSa bereitet die Mauerkrone des Schalenturms auf die Reparatur vor. Unter dem Beton ist Mauerfüllung feucht.
Mit dem Meißelhammer am Mauerwerk: Carsten Liesegang von der Firma DeSa bereitet die Mauerkrone des Schalenturms auf die Reparatur vor. Unter dem Beton ist Mauerfüllung feucht. © Norbert Müller

Sonne setzt Arbeitern und Material zu. Mörtel muss mit Wasser feucht gehalten werden.

Ippinghausen – Sommer, Sonne – aber bei Steffen Hummitzsch und seinen Mitarbeitern will keine rechte Freude aufkommen. Das Trio aus Thüringen ist, wie eigentlich jedes Jahr, für ein paar Wochen auf der Weidelsburg, um Schäden am Mauerwerk zu beheben. Und dabei können sie eine derart gnadenlos strahlende Sonne nicht gebrauchen.

Wenn der Mörtel, den sie in die Fugen einbauen und auf den Mauerkronen verarbeiten, zu schnell abtrocknet, wird er rissig und die Arbeit war für die Katz. Denn bei dem, was die drei von der Firma DeSa leisten, geht es genau darum: Eintrittspforten für Nässe im Gemäuer zu schließen. Wasser, das übers Jahr einsickert, wird im Winter, wenn es frostig wird zu Eis, das das Gefüge der alten Mauern sprengt. Die Folge sind neue Spalten, durch die noch mehr Wasser und auch Samen eindringen können. Es ist ein dauerhafter Kampf, dem Verfall von Nordhessens größter Burgruine zuvorzukommen.

Das neu aufgebrachte Material muss also unbedingt frei von Schäden bleiben. Und so gehört zur täglichen Beschäftigung, Wasser auf die Burg zu schaffen, damit fein dosiert den Mörtel feucht zu halten, damit dieser langsam und ohne zu reißen, abtrocknet.

10,10 Meter ist die Mauer im Bereich des mittleren Schalenturms hoch, den es zu sanieren gilt, sagt Chef Hummitzsch, und gut 1,50 Meter dick. Seit Ende Juni ist die Truppe hier bereits im Einsatz und hat schon einiges geschafft. „Wir stemmen die zementhaltigen Fugen aus“, sagt Mitarbeiter Carsten Liesegang zum Ablauf, und die Schadstellen im Kronenbereich. Dort haben sie auch die Jahreszahl 1984 gefunden, die ihre Vorgänger bei der letzten Sanierung im Beton hinterlassen haben. Das Material von damals, so Hummitzsch, tauge nichts. Es lasse Wasser, das ins Mauerwerk gesickert ist, nicht mehr raus.

Der Chef und Liesegang zeigen eine Stelle an der Mauerkrone, die sie gerade aufge-stemmt haben. Unter der alten Betonkappe ist das Mauerwerk feucht. „Und das trotz der Hitze der vergangenen Wochen“, sagt Liesegang. „Hier steht von 9 bis 19 Uhr die Sonne drauf.“ Bei der aktuellen Runderneuerung werde nun ein Kalkmörtel eingebaut, der die Verdunstung der Feuchtigkeit nach draußen zulasse.

Ehe aber der neue Mörtel verarbeitet wird, werden die freigelegten Fugen und Fehlstellen, die auf den Einbau von Steinen warten, mit einem Dampfstrahler gereinigt. Dabei fräst man auch gezielt das Wurzelwerk ab. Wenn die Flächen abgetrocknet sind, geht es mit der Kelle und einem Trasskalkmörtel, dem ein Basaltsplitanteil von zehn bis 15 Prozent beigemischt wurde, um die Optik der Originalfugenfüllung zu erreichen, ans Werk.

Engagiert wurde die Firma aus Werther bei Nordhausen vom Burgherrn, Hessen-Forst. Das zuständige Forstamt Wolfhagen kooperiert bei den Arbeiten rund um die Weidelsburg eng mit dem Förderverein zur Erhaltung der Weidelsburg und dem Naturpark Habichtswald. Während das Forstamt für die Gemäuersanierung zuständig sei, kümmere sich der Förderverein um den Ausbau der Burg zum außerschulischen Lernort, sagt dessen Vorsitzender Heinrich Bachmann. Mitarbeiter des Naturparks übernähmen den Grasschnitt auf dem Burggelände und die Müllentsorgung.

In diesem Jahr habe Hessen-Forst für die Sanierung des mittleren Schalenturms in der südlichen Ringmauer 50 000 Euro zur Verfügung gestellt, so Bachmann. Der Burgeigentümer stelle für Sanierungsarbeiten jährlich ein Budget von mindestens 30 000 Euro zur Verfügung. Was im kommenden Jahr auf die Agenda gesetzt wird, ergebe sich während einer gemeinsamen Begehung von Forstamt und dem Ingenieurbüro, das seit Jahren die Sanierungsarbeiten begleitet, Anfang 2023. Voraussichtlich im Sommer und – so ist zu befürchten – wieder bei viel Sonne wird dann der nächste Sanierungsschritt auf der Weidelsburg gegangen.

Info: Wer sich ein Bild von den Sanierungsarbeiten, aber auch von der Weidelsburg allgemein machen möchte, hat dazu am Tag des Denkmals, 11. September, Gelegenheit. Der Förderverein bietet um 11 Uhr und um 14 Uhr jeweils eine kostenlose einstündige Führung an. (Norbert Müller)

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