Forscher interessieren sich für die Natur am Wattenberg und Hundsberg

Traumhafte Aussicht: Vom Gipfel des 496 Meter hohen Hundsberges fällt der Blick auf den 20 Meter höheren Nachbarn, den Wattenberg, der seit 26 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. Revierförster Uwe Huber kümmert sich um das Naturwaldreservat und achtet darauf, dass es vom Menschen unberührt bleibt. Fotos: Thon

Oelshausen. Das Wolfhager Land ist vor allem geprägt von seiner hügeligen Landschaft. In einer Serie wollen wir einzelne und besonders charakteristische Berge und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region vorstellen. Heute widmen wir uns dem Hundsberg und dem Wattenberg bei Oelshausen.

Es ist ein erhebendes Gefühl. Nach einem kurzen, knackigen Aufstieg lädt der kahle Basaltgipfel des Hundsbergs ein, einen Moment lang zu verweilen. Auf der anderen Seite des Tales bringt die Morgensonne an den Hängen des Wattenbergs das frühe Herbstlaub zum Leuchten. Träge fliegen Insekten von Blüte zu Blüte. Ihr Summen und Vogelgezwitscher sind die einzigen Geräusche, die zu hören sind auf dem Felsplateau, dessen südwestliche Kante fast senkrecht in die Tiefe fällt.

Basaltschlucht: Am Hundsberg ragen schroffe Felsformationen vom Boden auf.

Hundsberg und Wattenberg, die dicht an Oelshausen heranrücken, sind für Forstleute aus wissenschaftlicher Sicht ganz spannende Reviere. Der eine lässt sich ohne den anderen gar nicht betrachten. Der Wattenberg ist das einzige Naturwaldreservat innerhalb des Habichtswaldes, die nächsten befinden sich im Reinhardswald, am Meißner und im Kellerwald. „Seit 26 Jahren wird das Gebiet sich selbst überlassen“, sagt Revierförster Uwe Huber. Und während der 42 Hektar große Bannwald unbewirtschaftet bleibt, dient der etwas kleinere Nutzwald am Hundsberg (34 Hektar) als Vergleichsfläche. Wissenschaftler untersuchen, wie sich die geregelte Forstwirtschaft auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt. „Interessanterweise ist die Artenvielfalt auf den bewirtschafteten Flächen größer“, sagt Huber, der sich über diese Erkenntnis besonders freut, weil sie belegt, dass forstwirtschaftliche Eingriffe für die Natur nicht zwangsläufig von Nachteil sind. Zusammen hänge dies mit dem variablen Lichtangebot im Wirtschaftswald und der damit verbundenen Ausprägung unterschiedlicher Kleinstlebensräume. Dagegen tummelten sich im Totalreservat vermehrt die selteneren Arten und die Spezialisten. In zwei Jahren werden die Forscher wieder durch die Naturräume an Wattenberg und Hundsberg streifen und sich einen Überblick verschaffen über Fauna und Flora.

700 Kubikmeter Holz

Schon jetzt lässt sich aber sagen, dass zahlreiche Fledermausarten im Naturwaldreservat heimisch sind. So geht das Große Mausohr am Wattenberg jagen. Optimale Bedingungen finden auch Bechsteinfledermaus und Zwergfledermaus vor. Für Erntemaschinen ist der Wattenberg tabu. Ganz generell dürfen Menschen das Gebiet nicht betreten. Folglich gibt es am Wattenberg auch keine Wanderwege. Stürzt ein Baum um, bleibt er liegen. Wirft ein Sturm ganze Bestände um, dann wird das so hingenommen. Der Vergleich der Lebensräume spiegelt sich auch in Zahlen wider. So wachsen am Wattenberg auf einer Fläche von einem Hektar durchschnittlich 700 Kubikmeter Buchenholz – auf der gleichen Fläche am Hundsberg sind es gerade mal 250 Kubikmeter Holz.

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