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Fünfköpfige Familie schwer verletzt – Geldstrafe für 24-jährigen Landwirt

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Von: Thomas Stier

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Zwei Fahrzeuge kollidierten am 3. Februar 2021 nahe Gut Bodenhausen: Dabei waren sechs Personen zum Teil schwer verletzt worden, darunter drei Kinder. Der 24-jährige Unfallverursacher aus Wolfhagen wurde gestern vor dem Amtsgericht Kassel zu einer Geldstrafe verurteilt und muss für vier Monate seinen Führerschein abgeben. Archiv
Zwei Fahrzeuge kollidierten am 3. Februar 2021 nahe Gut Bodenhausen: Dabei waren sechs Personen zum Teil schwer verletzt worden, darunter drei Kinder. Der 24-jährige Unfallverursacher aus Wolfhagen wurde gestern vor dem Amtsgericht Kassel zu einer Geldstrafe verurteilt und muss für vier Monate seinen Führerschein abgeben. Archiv © Hessennews/TV

Ein junger Mann überfährt ein Stoppschild und kracht in den Audi einer Familie. Das Amtsgericht in Kassel verurteilt ihn zu einer Geldstrafe – zu wenig, meint der Staatsanwalt.

Kassel – Geldstrafe und vier Monate Fahrverbot lautet das Urteil für einen 24-Jährigen. Im vergangenen Jahr überfuhr er ein Stoppschild und stieß mit einem anderen Wagen zusammen. Die Insassen, drei kleine Kinder und die Eltern, wurden teils schwer verletzt.

Mit mindestens 86 Stundenkilometer hat vor einem Jahr ein heute 24-jähriger Mann das Stoppschild einer Landesstraßen-Kreuzung nahe des Gutes Bodenhausen bei Habichtswald überfahren und ist dabei mit dem Audi einer fünfköpfigen Familie zusammengestoßen. Die darin sitzenden drei kleinen Kinder und ihre Eltern wurden dabei schwer verletzt.

Mann zu Geldstrafe verurteilt: Opfer bricht vor Gericht in Tränen aus

Gestern wurde dem Landwirt aus Wolfhagen vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht. Richter Leyhe verurteilte den geständigen Angeklagten zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen à 40 Euro. Außerdem verfügte er einen viermonatigen Führerscheinentzug. Die bei dem Unfall schwer verletzte Mutter der drei Kinder brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und suchte im Gerichtssaal Trost bei einer Begleiterin.

Amtsrichter Leyhe sprach den jungen Mann der Gefährdung des Straßenverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Mit seiner rücksichtslosen Fahrt habe er sich über das absolute Haltegebot durch ein übergroßes Stoppschild hinweggesetzt.

Dabei habe er kurz vor dem Kreuzungsbereich sogar noch beschleunigt, um vor einem anderen Pkw auf der vorfahrtsberechtigten Landesstraße die Kreuzung überqueren zu können. Dies hatte der Angeklagte in seiner geständigen Einlassung eingeräumt. Allerdings habe er den Wagen der Familie nicht gesehen.

Unfall bei Habichtswald (Kreis Kassel): Geschwindigkeit zwischen 86 und 90 Stundenkilometern

Der Unfall hatte sich gegen 18.40 Uhr am 3. Februar 2021 auf der für zahlreiche Zusammenstöße berüchtigten Kreuzung ereignet. Es war dämmrig, die Straße war feucht. Ein Dekra-Gutachter, der gestern vor Gericht aussagte, hatte errechnet, dass der Skoda Fabia des Angeklagten beim Aufprall auf den anderen Wagen eine Geschwindigkeit zwischen 86 und 90 Stundenkilometer draufgehabt hatte.

Das Auto des 26 und 24 Jahre alten Ehepaar sei mit einem Tempo zwischen 74 und 78 km/h unterwegs gewesen.

Durch die Wucht des Aufpralls war der Audi der Familie auf ein Feld geschleudert worden, der Wagen des Angeklagten war im Graben gelandet. Vier der schwer verletzten Insassen, darunter die ein, drei und fünf Jahre alten Kinder, mussten von der Feuerwehr aus dem Autowrack herausgeschnitten werden.

Familie leidet immer noch unter den Folgen des Unfalls bei Kassel

Die Folgen für die Familie wirken bis heute fort. Das fünfjährige Kind hatte wegen gebrochener Oberschenkel monatelang im Rollstuhl gesessen. Die Frau hatte einen Beckenbruch erlitten, der sie bis heute behindert und der vermutlich noch einmal operiert werden muss.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 50 Euro und ein 18-monatiges Fahrverbot gefordert, weil sich der junge Mann als ungeeignet für das Führen eines Kraftfahrzeuges erwiesen habe. Die Verteidigung sah das anders: Sie forderte 130 Tagessätze à 40 Euro und den Verzicht auf einen Führerscheinentzug.

Folgenschwerer Unfall im Kreis Kassel landet vor Gericht: Angeklagter entschuldigt sich

Das Urteil von Richter Leyhe bewegte sich genau in der Mitte zwischen diesen beiden Anträgen. Um seinem Beruf nachgehen zu können, sei dem Angeklagten aber das Fahren mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen erlaubt.

Allerdings, so der Richter mahnend, sei damit nicht gemeint, dass der Angeklagte nun – wie geschehen– mit dem Traktor zum Einkaufen fahre. Der Mann hatte sich bei den Unfallopfern entschuldigt, was diese aber nicht angenommen hatten. (Thomas Stier)

Immer wieder kommt es an der Kreuzung zu teils schweren Unfällen. Etwa ein halbes Jahr nach dem vor Gericht behandelten Unfall wurden bei einem ähnlichen Unfall ebenfalls fünf Menschen verletzt. Immer wieder wird eine Ampelanlage für die Kreuzung gefordert.

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