Die Firma Brandschutztechnik Müller entwickelt Mess- und Wartungstechnik und stattet Feuerwehren aus

Aus der Garage in die weite Welt

Die nächste Generation steht bereit: Nadine Müller wird den Familienbetrieb von ihren Eltern übernehmen. Neben dem Zierenberger Feuerwehrstützpunkt wurde 2008 die neue Produktionshalle errichtet. Foto:  Norbert Müller

Zierenberg. So manche Tüftler-Karriere hat in einer kleinen Garage begonnen. Steve Jobs’ Auto-Unterstand war Keimzelle des heutigen Computerriesen Apple. Auch die Firma Brandschutztechnik Müller startete in einer Garage – in Zierenberg. Dort entwickelte Herbert Müller 1980 seine erste Pulversaugmaschine zur Wartung von Feuerlöschern.

Eigene Ideen

Landmaschinenmechanikermeister Müller war bis zur Gründung seiner Firma angestellter Feuerlöschprüfer. „Die damaligen Verfahren“, erzählt seine Tochter Nadine, „schienen ihm zu kompliziert“. Er hat dann seine eigenen Ideen umgesetzt, wie man bei einem Löscher das Pulver absaugt, reinigt und anschließend das Gerät wieder befüllt.

Der Zierenberger bekam die Chance auf einer Fachmesse seine Entwicklung zu präsentieren. „Einen Quadratmeter Fläche hatte er zur Verfügung“, erzählt die Tochter. Mehr brauchte er aber offensichtlich nicht, um die Fachwelt zu überzeugen. Mit einem größeren Auftrag im Gepäck trat er die Heimreise an. „Da fing unsere Geschichte an“, so Nadine Müller, Diplom-Grafikdesignerin, die einmal den Familienbetrieb übernehmen wird und zurzeit vor allem den Marketingbereich betreut.

Mutter Ingrid ist heute wie in den Anfangsjahren vor allem für die Verwaltung zuständig. Der 66-jährige Herbert Müller ist der Entwickler, die Kreativabteilung. Inzwischen beschäftigt die Firma an ihren Standorten in Zierenberg und im thüringischen Günthersleben bei Gotha 65 Menschen.

„Weltweit gibt es nur fünf Hersteller, die solche Prüfgeräte bauen und vertreiben.“

Drei Säulen tragen die Firma: Da ist zunächst die Fertigung von Pulversaugmaschinen, Wasser-/Schaumsystemen, Kohlensäure-Füllanlagen, Prüf- und Servicegeräten, Zubehör und Werkzeugen, kurz Feuerlöschtechnik, bei dem die Zierenberger auch international ganz vorn mitspielen. Laut Nadine Müller beliefert man Kunden in 85 Ländern. „Weltweit“, sagt sie, „gibt es nur fünf Hersteller, die solche Prüfgeräte bauen und vertreiben“.

1982 bekam Müller die Handelsvertretung für Magirus-Feuerwehrfahrzeuge und baut seitdem ganz nach dem Wunsch der Kundschaft Feuerwehrautos – auch auf den Fahrgestellen anderer Hersteller. Der Aufbau ist aus Müllers Fertigung, ebenso die Lagermodule. Die Einzelteile für die Beladung kann der eigene Feuerwehrfachhandel liefern, die dritte Säule der Firma. „Wir haben 12 000 Artikel im Programm“, sagt Nadine Müller, „vom Uniformknopf bis zur Drehleiter“. Rund neun Millionen Euro Umsatz macht die GmbH im Schnitt pro Jahr. Allein von den selbstentwickelten Pulversaugmaschinen „haben wir bis heute 11 800 gebaut und ausgeliefert“.

Die Firma wuchs über die Jahre stetig. In Zierenberg wurde das Stammhaus in der Nähe des Bahnhofs zu klein. Neben dem Feuerwehrstützpunkt wurde neu gebaut. Hier befinden sich Verwaltung, Ideenschmiede und Produktion, an der Bahn ist der Großhandel untergebracht.

Jede Menge Feuerwehrleute

Vom neuen Standort profitiert auch die örtliche Feuerwehr. Von den 45 Mitarbeitern in Zierenberg ist nahezu jeder ausgebildeter Brandschützer. Bei Alarm sind die Zierenberger Firmenangehörigen als Erste am Stützpunkt.

„Natürlich stellen wir unsere Mitarbeiter für Feuerwehreinsätze frei“, sagt die 39-jährige Chefin in spe. Die zweifache Mutter, verheiratet mit einem Berufsfeuerwehrmann, gehört selbst der Aktiven-Abteilung an, ist als Atemschutzträgerin ausgebildet, hat den Lkw-Führerschein. Und von der Zugehörigkeit der Mitarbeiter zur jeweiligen Heimatfeuerwehr profitiert auch wieder die Firma: „Unsere Leute wissen genau, um was es geht.“ Das beste Beispiel ist Chefentwickler Herbert Müller. Als er in seiner Garage die Firma gründete, war er auch aktiver Feuerwehrmann.

Von Norbert Müller

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