Songs in ungewöhnlichen Arrangements mit Wolfgang Niedecken und Co.

Geige als dritte Stimme

Hingebungsvoll: Rosenstolz-Geigerin Anne de Wolff war mit Stimme und Instrumenten ebenbürtige Partnerin von Wolfgang Niedecken bei den Songs aus Köln, Berlin, New York und Jottweißwo im Kulturzelt. Foto: Norbert Müller

Wolfhagen. Was man manchmal vergisst, wenn BAP bei großen Konzerten abrockt: Wolfgang Niedecken ist ein Geschichtenerzähler. In Worten und mit Tönen. Das zeigte er schon mit seinem Bob-Dylan-Programm im Kulturzelt und jetzt - ganz anders - mit den „Songs aus Köln, Berlin, New York und Jottweißwo“. Die Mehrzahl der Lieder, die Niedecken im vollbesetzten Zelt präsentierte, sind zwar seit dem BAP-Album „Radio Pandora“ gut im Ohr, klingen aber unplugged und mit ungewöhnlicher Instrumentierung - Geige, Mandoline, Akkordeon, Congas, Bongos - erfrischend nah und neu.

Die Geschichten hat Niedecken in der Kölner Nachbarschaft und in der ganzen Welt entdeckt, selbst erlebt oder sich zu Eigen gemacht. Heimatliebe und Fernweh treffen sich, inhaltlich und musikalisch, und gehen eine überraschend stimmige Allianz ein. Dazu tragen maßgeblich die Mitmusiker bei: Anne de Wolff, die auch mit Niedecken singt, lässt ihre Violine zur dritten Stimme werden und dominiert mit ihrer Ausdrucksstärke so manchen Song. Und Rhani Krija ist ein überaus versierter und präziser Percussionist, der mit den Einflüssen traditioneller marokkanischer Musik ebenso wie mit Jazzelementen leichthändig spielt. So bereichert entstehen akustisch überraschende Arrangements, und vor allem Niedeckens Sehnsuchtslieder gewinnen Tiefe.

Natürlich gehören auch die heiteren Songs zu einem solchen Programm aus BAP-Klassikern und -Raritäten und dazwischen gestreuten höchst eigenwilligen Coverversionen (zum Beispiel von Leonard Cohen). Dennoch: Die Stärke des Konzerts lag in Schwermut und Schwere. Anrührender und dramatischer als in dieser Dreier-Formation hat man Niedeckens Botschaft von den Kindersoldaten Nord-Ugandas wohl noch nicht gehört. Das „Noh Gulu“ dieses Kulturzelt-Abends klingt lange nach.

Von Cornelia Lehmann

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