An der Grundschule Balhorn dürfen Schüler mit entscheiden

Für ihre Mitschüler im Einsatz: Schulleiterin Marcella Jakobi mit den „buddYs“ (von links) Leon Nold, Eileen Rohde, Tim Mones, Hannes Dieling, Larissa Bräutigam und Silas Gersbeck. Sie sind unter anderem in den Pausen unterwegs, um Streits zu schlichten. Foto:  Renner

Balhorn. Gibt es Streit, sind die sogenannten „buddYs" zur Stelle. Außerdem erinnern sie ihre Mitschüler daran, dass sie aufräumen sollen und weisen sie auf Gefahren hin. An der Grundschule in Balhorn läuft seit kurzem das „buddY"-Programm.

Dadurch sollen die Mädchen und Jungen soziale Kompetenzen erlernen, die Strukturen von Demokratie verstehen und den Schulalltag mit gestalten.

„Wir haben immer viel Sozialtraining gemacht, aber eher punktuell“, sagt Schulleiterin Marcella Jakobi. „Wir wollten das mehr strukturieren.“ Deshalb hat Jakobi die Grundschule bei dem Projekt „buddY“ angemeldet. Jakobi und ihre Kollegin Alexandra Rudeloff waren daraufhin bei einem sechstägigen Seminar und haben dort das gelernt, was sie nun an die Schüler weitergeben.

In jeder Pause sind jetzt Schüler aus den Klassen drei und vier als „buddYs“ mit entsprechend bedruckten Westen unterwegs. Wochenlang wurden sie darauf vorbereitet, beispielsweise beim Fußballspielen in der Pause darauf zu achten, dass es keinen Streit gibt. Die Pausen-„buddYs“ dagegen erinnern an die Einhaltung von Regeln. So darf man zu Beispiel nicht die Rutsche hoch klettern, erklärt der neunjährige Tim Mones. Die Aufgaben haben sich die Grundschüler selbst überlegt.

Wie sie die Mitschüler richtig ansprechen und Streit schlichten, haben die „buddYs“ bei der Vorbereitung gelernt. Dennoch haben sie stets ein kleines Büchlein dabei, das jeden Schritt noch einmal erklärt. „Das macht Spaß, ist aber auch anstrengend“, sagt Silas Gersbeck (9).

Hilfe beim Lernen

Ab kommender Woche gibt es dann noch Lern-„buddYs“ an der Schule in Balhorn. Diese Schüler aus den Klassen drei und vier werden dann die Jüngeren beim Lernen unterstützen. Bislang gibt es 18 „buddYs“ an der Schule, hinzu kommen einige weitere, die den Jüngeren gern helfen möchten.

Enstanden sind die Einsatzorte der „buddYs“ aus Schülerbefragungen. Sie wünschten sich Hilfe bei Streits und im Unterricht, hatten die 73 Schüler bei Fragebögen angegeben.

Die Fragen waren der erste Schritt zu mehr Beteiligung der Schüler. So wünschten sich die Mädchen und Jungen auch mehr klassenübergreifende Projekte, am liebsten im Bereich Sport. Deshalb gab es kürzlich eine Sportwoche. „Wir haben den Kindern nichts vorgegeben, sondern gefragt, was sie wollen“, sagt Schulleiterin Marcella Jakobi.

Damit die Schüler immer wieder Wünsche und Anregungen äußern können, gibt es ein Schülerparlament, in dem alle Klassensprecher vertreten sind. Regelmäßig kommen sie mit der Schulleiterin zusammen. Am Donnerstag ging es um die künftigen Klassen-Namen und die eingereichten Vorschläge. Die Entscheidung wird gemeinsam fallen, denn auch dabei dürfen die Schüler mitreden.

Von Julia Renner

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