Gülle-Pläne der EU stinken den Bauern

+

Wolfhager Land. Zwei neue EU-Verordnungen für die Ausbringung und die Lagerung von Gülle in Deutschland bereiten den Landwirten im Altkreis Wolfhagen Sorgen.

„Gerade kleine Höfe sind durch die Änderungen gefährdet“, fürchtet der Bauernverband. Die erste geplante Änderung betrifft die Düngeverordnung. Um die Nitratbelastung durch Dünger im Grundwasser zu senken, soll der Zeitraum für die Ausbringung von Gülle verkürzt werden.

Auf Ackerland dürfte ab dem 1. Oktober, auf Grünland ab dem 15. Oktober bis jeweils zum 31. Januar keine Gülle mehr ausgebracht werden. Bisher war vier Wochen länger Zeit. „Und das war schon eng“, sagt der Sprecher des Kreisbauernverbandes, Johannes Gerhold, der selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb in Zierenberg führt. „Diese Regelung setzt uns unglaublich unter Druck.“ Die Gülle müsste Tag und Nacht gefahren werden, und wer es nicht schafft, könne keine Tiere mehr aufstallen. „Die stehen sonst in der Gülle.“

Zudem passe diese Regelung nicht zum Klimawandel, der für verlängerte Wachstums- und Vegetationsperioden stehe. Die hohe Nitratbelastung sei in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta mit hohem Viehbestand gemessen worden. Das Problem dort werde durch sandige Böden verschärft. „Wir haben hier andere Böden und eine viel geringere Viehdichte. Trotzdem soll die Regelung allen übergestülpt werden. Das ist ungerecht.“ Weiterhin müssten die Jauchegruben künftig mit Leckage-Erkennungssystem und doppelten Wänden ausgestattet sein, erklärt Gerhold.

Dies erfordere eine hohe Investition. In der Region seien viele Betriebe betroffen, deren Zukunft ohne einen Hofnachfolger ungewiss sei. Solche Anlagen würden aber über 20 Jahre abgeschrieben. Der Bauernverband spricht sich entschieden gegen die Verordnungen aus, die bereits 2016 in Kraft treten könnten.

Hintergrund:

Die geplanten Gesetzesverschärfungen zum Bereich Gülle werden von der EU als Beitrag zum Gewässerschutz verlangt. Bei den vergangenen Messungen der Wasserqualität habe Deutschland nur Werte von Gewässern in den Kreisen Vechta und Cloppenburg mit der schlechtesten Qualität nach Brüssel geleitet, sagt der Bauernverband. Das hätte zur Folge gehabt, dass Deutschland innerhalb der EU die zweitschlechteste Wasserqualität vorzuweisen habe. Nur das Ergebnis von Malta war schlechter.

Gerhold ist sich sicher: „Hätte man ein anderes Messstellennetzwerk verwendet, hätte Deutschland wesentlich besser abgeschnitten.“ (khi/ewa)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.