Autofahrer werden angepöbelt

Ärger um Baustelle in Dörnberg: Anwohner sauer über Verkehr in Wohngebiet

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Vor der Baustelle auf der B 251 in Dörnberg wird der Verkehr umgeleitet. Doch statt über Zierenberg, Ehrsten und Weimar weiter in Richtung Kassel zu fahren, wählen Ortskundige den Weg durchs Wohngebiet. Manfred Zenker (links), Bauamtsleiter der Gemeinde Habichtswald und Alexander Ashauer, Leiter des Ordnungsbehördenbezirks, können den Ärger der Anwohner verstehen, die Situation aber nicht ändern.

Die Bundesstraße 251 in Dörnberg wird saniert. Durch die gesperrte Straße verlagert sich der Verkehr in ein Wohngebiet. Dort mehrt sich der Protest, Anwohner beschweren sich bei der Gemeinde.

Im Wohngebiet oberhalb der B 251 in Dörnberg herrscht große Unzufriedenheit. Grund dafür sind Autofahrer, die die weiträumige Umleitung für die gesperrte Ortsdurchfahrt ignorieren, sich durch die schmalen Straßen der Siedlung schlängeln und ihren Weg suchen. Der Unmut habe bereits ein solches Maß erreicht, dass Privatpersonen eigenmächtig auswärtige Autos anhielten und deren Fahrer anpöbelten, schreibt uns ein Anwohner.

Der Ärger kommt auch bei der Gemeindeverwaltung an. Jeden Tag werde das Rathaus mit Beschwerden konfrontiert. „Bei mir sind es täglich zwei bis drei. Es sind aber deutlich mehr, die verteilen sich auf das ganze Haus“, sagt Bauamtsleiter Manfred Zenker und betont, dass es sich bei den Sanierungsarbeiten der Bundesstraße in erster Linie um ein Projekt von Hessen Mobil handeln würde. Dennoch habe die Gemeinde reagiert, um das höhere Verkehrsaufkommen im Wohngebiet zu entzerren.

Die innerörtliche Beschilderung wurde nach den Beschwerden angepasst, Schilder wurden versetzt. Am vergangenen Freitag wurde eine veränderte Verkehrsführung festgelegt, sagt der Leiter der Ordnungsbehördenbezirks, Alexander Ashauer. Diejenigen, die auf der B 251 aus Richtung Kassel in den Ort fahren, nutzen die Straßen An der Esche, Trift, Horstweg, weiter geht es über die nun neue Einbahnstraße Im Lichtebusch und die Grüne Aue. Für die entgegengesetzte Richtung wird der Winkelweg zur Einbahnstraße in Richtung Horstweg. Somit sei in diesem Bereich mit Ausnahme der Anwohner kein Begegnungsverkehr mehr möglich, sagt Ashauer.

Ansonsten ist das gesamte Wohngebiet für Anlieger freigegeben. „Und das lässt sich nicht überprüfen“, sagt Zenker. Bei einer Kontrolle müsste jeder Autofahrer danach gefragt werden, wo er hinwolle „und dann müssten wir das kontrollieren, indem wir hinterherfahren.“ Das sei nicht leistbar.

Grundsätzlich sind nicht nur die dort wohnenden Menschen Anlieger, sondern auch alle, die zu Metzger, Friseur, Tankstelle, Osteopathen oder zum Wandern ans Höllchen wollen. „Alternativ müssten wir eine Vollsperrung ausweisen, dann käme aber niemand mehr durch“, schildert Ashauer die Konsequenzen.

Der Anwohner, der sich an die HNA gewandt hat, beklagt, dass eben viele kein Anliegen im Wohngebiet hätten und die Straßen als willkommene, kurze Umfahrung der Baustelle nutzten. Hunderte von Fahrzeugen rollten durch das Wohngebiet. Die Straßen seien für die Fahrzeugbelastung nicht ausgelegt, viele Fahrer würden zu schnell fahren. Anfragen bei der Gemeinde, dort häufiger zu kontrollieren, würden mit der Begründung abgewiegelt, zu wenig Personal zu haben. „Dann muss man eben mal Überstunden machen“, so der vierfache Vater, der mit dem einsetzenden Schulbeginn nun auch Angst um seine Kinder hat.

Das Ordnungsamt nehme durchaus Kontrollen vor, sagt Alexander Ashauer. Drei Mal habe seine Behörde bereits die Geschwindigkeiten überprüft. Mit zehn Prozent hätten sich die Überschreitungen der Fahrer im Rahmen gehalten.

Auch künftig würden er und seine Kollegen den Verkehr überwachen. „Wenn ich die Ruhe im Wohngebiet gewohnt bin, dann ist die jetzige Situation eine Umstellung“, sagt Manfred Zenker. Allerdings handele es sich um ein Problem von absehbarer Dauer. Die Anlieger an der Wolfhager Straße (B 251) hätten das Verkehrsaufkommen den ganzen Tag.

Das sagt Hessen Mobil zur Situation

Bei dem Bauvorhaben handelt es sich aus Sicht von Hessen Mobil um ein Gemeinschaftsprojekt mit der Gemeinde Habichtswald, die die Gelegenheit nutzt und die Infrastruktur entlang der Straße nachbessert. „Wie haben eine Umleitung ausgeschildert“, sagt Horst Sinemus von Hessen Mobil. „Wenn aber Leute ortskundig sind und anders fahren, können wir das nicht verhindern.“ Es gebe für den Ort kein Durchfahrtverbot. Es sei bei fast jeder Baustelle so, dass es Verkehrsteilnehmer gibt, die Alternativen zur offiziellen Umleitung nutzten. „Dass die nun, wie jetzt in Dörnberg, durch ein reines Wohngebiet geht, ist aber eher die Ausnahme“, so Sinemus. Die Arbeiten an der B 251 haben Mitte Juli begonnen und dauern bis zum 18. Oktober an. Gebaut wird in drei Bauabschnitten. Die Umleitung für Lkw ist während der gesamten Zeit dieselbe, die für Autos passt sich an den jeweiligen Bauabschnitt an.

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