Alternative Bäume sind gefragt

Forstamt Wolfhagen unternimmt Anbauversuche mit Atlaszedern

Junge Atlaszedern auf einer Anbaufläche im Hohen Habichtswald bei Ehlen.
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Wuchsgitter schützen die jungen Atlaszedern vor Verbiss durch Rehwild.

14 Laubbaum-, vier Nadelbaumarten - mehr gibt der heimische Wald nicht her. Der Klimawandel macht einigen von ihnen zu schaffen, und so wird nach Alternativen gesucht. Die Atlaszeder könnte eine sein.

Habichtswald – Der Versuch steckt noch in den Kinderschuhen. Dennoch ist Uwe Zindel mit dem Ergebnis der ersten Jahre sehr zufrieden. Der Leiter des Forstamtes Wolfhagen steht auf einer Fläche, auf der die Bundeswehr noch vor einigen Jahren eine Standortschießanlage betrieb und auf der heute junge Atlaszedern wachsen. In Hessen sind das Areal wenige Kilometer südöstlich von Ehlen und eine weitere Fläche am Isthaberg die einzigen Standorte, auf dem die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen gemeinsam mit Hessen Forst Anbauversuche mit dem Nadelbaum unternimmt, der wie der Name verrät, aus dem Atlasgebirge in Nordafrika stammt.

„Wir brauchen dringend klimatolerante Arten“, sagt Zindel mit Blick auf die gravierenden Veränderungen, die seit einigen Jahren über die Wälder hereinbrechen. Die heimischen Arten schwächeln, besonders stark leiden Buche und Fichte an Trockenstress. Aber auch Esche, Bergahorn, Ulme und Kiefer reagierten mit Auffälligkeiten auf die heißer und trockener werdenden Sommer.

Neben den in Deutschland heimischen Laub- und Nadelbaumarten haben sich mit Douglasie, Großer Küstentanne, Japanlärche und der Roteiche auch Bäume etabliert, die in den Ökosystemen nicht natürlich vorkommen. Sie sind das Ergebnis des forstlichen Versuchswesens, das seit 1880 praktiziert wird. Dabei seien zwei Kriterien wichtig, sagt Zindel: Die Bäume müssen gute Holzeigenschaften besitzen. Und sie dürfen sich gegenüber den heimischen Arten nicht invasiv ausbreiten, sie sollten sich also gut in die heimischen Bestände einfügen.

Genau diese Merkmale erhoffen sich Zindel und die Wissenschaftler von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt für die Atlaszedern, die seit zwei Jahren auf zwei Flächen von zusammen drei Hektar im Hohen Habichtswald und am Isthaberg wachsen. Im Frühjahr dieses Jahres erfolgten ergänzende Pflanzungen.

Eine junge Atlaszeder, die sich in ihren ersten Jahren gut entwickelt hat.

Insgesamt wurden 6000 Sämlinge in den Boden gebracht. Und der sei zumindest auf dem Gelände der ehemaligen Standortschießanlage „extrem schwierig“, sagt der Forstamtsleiter. „Wir haben dort 60 Prozent Steine und nur 40 Prozent Erde.“ Die jungen Zedern müssen sehr viel Wurzelenergie aufbringen, um sich auf dem anspruchsvollen Terrain zu behaupten. Bis jetzt gelinge ihnen das sehr gut. Die Ausfallquote unter den Sämlingen liege bei lediglich fünf Prozent.

Ein Großteil der Jungpflanzen ist umgeben von einem Wuchsgitter, das sie vor Rehwild schützt. Hingegen haben die meisten der wenigen Zedern, die ohne schützende Hülle in den Boden gesetzt wurden, ihren Terminaltrieb bereits eingebüßt. Der hohe Stickstoffgehalt in den Knospen wirkt auf Schalenwild unwiderstehlich. Die Kultur ist zudem unterteilt in schattige und sonnige Bereiche. Die Bäumchen, die sich unter Erlen entwickeln dürfen, machen auf Uwe Zindel einen kräftigeren Eindruck.

Für eine wissenschaftlich fundierte Aussage muss sich der Forstamtschef, der im Jahr 2012 während eines Urlaubs auf Sardinien auf die Atlaszeder aufmerksam geworden ist, noch ein paar Jahre gedulden. Damals war ihm ein Bestand mit 20 bis 30 Jahre alten Bäumen aufgefallen. Als dann wenige Jahre später der klimaresistente Umbau der nordhessischen Wälder immer mehr an Bedeutung gewann, wurde Zindels Idee immer greifbarer. Ende des ersten Dürrejahres 2018 war der Anbauversuch mit Atlaszedern beschlossene Sache.

In den nächsten zwei Jahren ist der Pflegeaufwand am größten. Zwei Mal im Jahr müssen die Nadelbäume von Hand von Bewuchs freigeschnitten werden. Später, wenn sie größer und dichter stehen, muss ausgelichtet werden. (Antje Thon)

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