Belastungsprobe für Anwohner

Bauarbeiten an Ortsdurchfahrt in Dörnberg: Autofahrer ignorieren Verbote

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Die Baustelle wird ignoriert: Immer wieder kommt es vor, dass Fahrzeuge die aufgerissene Wolfhager Straße in Dörnberg befahren.

Warum Verkehrsschilder aufstellen, wenn sie von vielen Autofahrern ignoriert werden? Diese Frage drängt sich in Dörnberg auf.

Dort wird seit Monaten die Ortsdurchfahrt erneuert. Der Verkehr wird über Zierenberg umgeleitet, für Lastwagenfahrer führt die Strecke über das Hohe Gras oder Breuna und ist noch länger. Die Einsicht für die zusätzlichen Kilometer ist längst nicht bei allen vorhanden.

„Am Montag vor einer Woche sind hier 1000 Fahrzeuge vorbeigekommen“, sagt Sascha Schmidt, der zusammen mit seiner Frau am Breiten Weg in Dörnberg einen Bauernhof mit Laden und Postfiliale führt. Mithilfe der auf ihrem Grundstück installierten Kamera haben sie einen Überblick über den Verkehr, der bis zum Dienstagmorgen verbotenerweise vor ihrem Hof entlang rollte. Eigentlich darf der Wirtschaftsweg neben Radfahrern, land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen während der Bauphase lediglich von Linienbussen und Rettungsfahrzeugen benutzt werden.

Doch die Realität am gestrigen Morgen gegen 8 Uhr ist eine andere: Immer wieder biegen Autos kurz vor dem Sperrschild von der B 251 auf die Wegscheide ab und folgen der Straße, die in den Wirtschaftsweg übergeht und einige hundert Meter weiter zum Breiten Weg wird. Fahrzeuge begegnen einander, weichen auf den vom Regen durchtränkten und vom Verkehr längst durchpflügten Seitenstreifen aus.

Rücken dem alten Straßenbelag zu Leibe: Josef Marticek (links) und Dacan Mitic von der Firma Strassinger bearbeiten die Straße mit dem Stemmhammer.

„Im Prinzip stören mich die Fahrzeuge nicht. Das Problem ist die Geschwindigkeit“, sagt Schmidt. Da seien Fahrer dabei, die hätten sicher 80 km/h auf dem Tacho. Verärgert ist er auch über die Aggressivität, mit der einige unterwegs seien. „Die Leute beschimpfen einen, wenn ich mit meinem Schlepper auf dem Weg fahre.“

Ähnliche Erfahrungen macht am Dienstagmorgen eine Spaziergängerin, die auf dem Feldweg ihren Hund ausführt. Von hinten rauscht recht zügig ein Kleinwagen heran, am Steuer eine Frau. Die Passantin stellt sich dem Auto in den Weg, stoppt es und erklärt, dass der Wirtschaftsweg für Autos gesperrt ist. Die Frau reagiert entrüstet und setzt ihre Fahrt fort.

Doch die Dreistigkeit kennt noch eine Steigerung. Mehrfach am Tag komme es vor, dass Fahrzeuge mitten in die Baustelle hineinfahren, sagt Dacan Mitic von der Firma Strassinger, die derzeit den alten Straßenbelag auf der Bundesstraße aufbricht. Es dauert am Dienstagmorgen kaum fünf Minuten, bis tatsächlich ein Fahrzeug eines regionalen Handwerksbetriebs die aufgerissene Wolfhager Straße befährt. „Wenn die das machen, machen sie es auf eigene Gefahr“, sagt Mitic und zuckt die Schultern. Er hat aufgehört, sich über die Ignoranz der Autofahrer zu ärgern.

Busse und Rettungsfahrzeuge dürfen fahren. Auch Radfahrer sowie land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge dürfen den Feldweg nutzen. Für Autos aber ist er tabu. Viele ignorieren das Verbot.

Mit der gleichen Einstellung erledigen die beiden Mitarbeiter der Firma Verkehrstechnik Klein aus Nordhausen ihren Job, die am Dienstagvormittag im Auftrag von Hessen Mobil die Baustellenbeschilderung optimieren. Der raue Ton, Beschimpfungen – sind Alltag im Job. „Das geht links rein und rechts raus.“

Mit den zusätzlichen Schildern wird sich zumindest für Landwirt Sascha Schmidt die Situation verbessern. Denn das Verkehrszeichen, das am Breiten Weg auf Höhe der Straße Hinterm Siegen aufgestellt ist, hat nun auch auf seine Bitte hin einen Zusatz bekommen. Und der besagt, dass die Durchfahrt erst ab dem Friedhof verboten ist. Damit sind der Hofladen mit Postfiliale und der Friedhof wieder offiziell aus Richtung Dörnberg erreichbar.

Die Arbeiten am aktuellen Bauabschnitt sollen bis zum 17. Oktober laufen. Mit einer Freigabe der Ortsdurchfahrt Dörnberg wird für Ende Oktober gerechnet.

Das sagt das Ordnungsamt

Bei Kontrollen hätten er und seine Kollegen bereits einige Ordnungswidrigkeiten festgestellt, sagt Alexander Ashauer, Leiter des Ordnungsbehördenbezirkes Habichtswald. Allein er habe in der vergangenen Woche 40 Verstöße registriert und Bußgeldverfahren eingeleitet. Wer das Schild „Durchfahrt verboten“ ignoriert, muss mit einem Bußgeld von 25 Euro rechnen. Ashauer kündigte weitere Kontrollen an.

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