Angst vor Verlust wertvoller Natur

Baupläne für Dörnberg: Aus der Bürgerschaft formiert sich Protest

Sylvia Röper (links) und Susanne Heyne auf den Flächen an Höllchenstraße und Blumensteinstraße in Dörnberg.
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Wollen Bürgerbegehren in Gang setzen, um die Bebauung von Flächen an Höllchenstraße und Blumensteinstraße in Dörnberg zu verhindern: Sylvia Röper (links) und Susanne Heyne. 

Gegen eine mögliche Bebauung von Außenbereichen im Südwesten Dörnbergs formiert sich Widerspruch. Konkret geht es um eine kleinere Fläche an der Höllchenstraße und ein deutlich größeres Areal an der Blumensteiner Straße. Mehrere Bürger Dörnbergs haben sich zusammengetan.

Sie sammeln für ein Bürgerbegehren Unterschriften, etwa 300 haben sie nach Angaben von Susanne Heyne und Sylvia Röper bereits zusammen.

Im Dezember vergangenen Jahres hatten sich Habichtswalds Gemeindevertreter auf fünf Gebiete innehalb Dörnbergs verständigt, für die die Gemeinde die Baulandentwicklung vorangtreiben möge – darunter auch die oben genannten, für die zudem seitens der Eigentümer Verkaufsbereitschaft oder Bauinteresse vorliegt.

Baugebiete führen zu Verlust von Naturraum

Doch für Röper und Heyne wäre es „eine ganz unglückliche Nummer“, auf diesen Flächen Träume vom Eigenheim wahr werden zu lassen. Im Gegensatz zu anderen Mitstreitern fahren sie eine rigorose Linie: Sie sind ganz grundsätzlich gegen eine weitere Bebauung Dörnbergs.

Im gesamten Landkreis Kassel gebe es extrem viele Baugebiete, „das müssen wir doch nicht mitmachen“, sagt Heyne und führt Argumente wie die zunehmende Versiegelung von Flächen, den Verlust von wertvollem Naturraum und Freitzeitgebieten an.

Das müssen wir doch nicht mitmachen

Susanne Heyne

Seit vielen Jahren würden in Ehlen und Dörnberg im Wechsel Baugebiete geschaffen. Gleichzeitig gebe es in Habichtswald reichlich Leerstand. Wer nach Dörnberg wolle, könne doch die vorhandenen Angebote nutzen.

„Müssen wir denn wirklich attraktiv sein für junge Familien?“, fragt Röper. Menschen, die sich in Dörnberg niederlassen wollten, sollten das Dorf so akzeptieren wie es ist, sagt die Lehrerin, die erst vor wenigen Jahren Ehlen verlassen und in Dörnberg eine Immobilie gekauft hat.

Einige der Initiatoren der Unterschriftenaktion wohnen wie Sylvia Röper und Renate Rietze in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden Flächen, deren Bebauungsmöglichkeiten derzeit von der Kommune geprüft werden.

Ziel der Dörnbergerinnen ist es, Schönheit der Natur zu erhalten

Bei Christoph Zimmer, der zusammen mit Rietze gar die Bürgerinitiative „Rettet die Natur am Südwestrand von Dörnberg! Keine Bebauung an der Rohrberg-, Höllchen- und oberen Blumensteinerstraße“ gebildet hat und in Stuttgart lebt – sind es die Eltern, die im Umfeld wohnen. „Klar kann man uns Eigeninteresse vorwerfen“, sagt Röper.

„Würde ich in Ehlen wohnen, wüsste ich vielleicht nichts von den Bestrebungen der Gemeinde“, so die Dörnbergerin, deren Ziel es ist, die Schönheit der Natur vor ihrer Haustür zu erhalten. „Ich wohne nicht auf der Ecke, bin aber wie viele andere ebenfalls gegen die Bebauung“, sagt Susanne Heyne. Sie habe 62 Personen um deren Unterschrift gebeten – 60 hätten unterzeichnet.

Müssen wir denn wirklich attraktiv sein für junge Familien?

Sylvia Röber

Die Frauen sehen darin eine breite Zustimmung für ihr Anliegen, die Außenbereiche des Dorfes nicht anzutasten.

Neben der Flächenverschwendung führt Zimmer von der Bürgerinitiative weitere Argumente an. Wer in dem Gebiet bauen würde, sei aufgrund der Entfernung zur Ortsmitte auf ein Auto angewiesen.

Beide Flächen zählten nicht zum Vorranggebiet für Siedlungsentwicklung

Bushaltestelle, Enkaufsmarkt und Schule seien zwischen 0,7 und 1,7 Kilometer entfernt. Zudem seien bis zu 60 Höhenmeter zu überwinden. Nach Angaben Zimmes zählten beide Flächen nicht zum Vorranggebiet für Siedlungsentwicklung.

Das Gelände befinde sich in der Nähe Naturschutzgebites und sei sehr exponiert. Dort sei es oft sehr windig, weshalb beide Wiesen von zahlreichen Vogelarten frequentiert werde.

Wie seine Mitstreiterinnen Heyne und Röper befürchtet auch er wegen erwartbarer Einbrüche bei der Bevölkerungsentwicklung eine Zunahme an Leerständen für die Zukunft.

Um bis zu vier Prozent könnte die Bevölkerungszahl im Landkreis Kassel in den kommenden Jahren zurückgehen, sagt Zimmer und stützt sich dabei unter anderem auf Angaben des Zweckverbandes Raum Kassel. Aus diesem Grund plädiert er bei der Erschließung zusätzlicher Flächen für die Wohnbebauung für eine ressourcenschonende Innenentwicklung.

Die Unterschriftenlisten liegen unter anderem aus im Frischmarkt Domrich und in der Arztpraxis Degen. Kontakt zur Bürgerinitiative: Christoph Zimmer, christoph_zimmer_2020@posteo.de und Renate Rietze, Renate.Rietze@t-online. de

Menschen haben das Recht, sich ein Haus zu bauen

Manfred Zenker, Bauamtsleiter

Habichtswalds Bauamtsleiter Manfred Zenker verwundert über frühen Protest von Vorhabensgegnern

Das Bauamt der Gemeinde Habichtswald prüft neben den Flächen an Höllchenstraße und Blumensteiner Straße noch drei weitere Bereiche für eine mögliche Bebauung innerhalb Dörnbergs. Bei ihnen handelt es sich um Flächen an der Straße Saure Breite, zwischen Kuhnen und Blumensteiner Straße sowie an Schöne Aussicht und Herkulesstraße.

Doch ehe es da ins Detail gehe, werde es einen Scoping-Termin geben, bei dem alle Träger öffentlicher Belange und damit alle Entscheider in den Dialog treten und vorab eine Stellungnahme abgeben, sagt Bauamtsleiter Manfred Zenker.

Es werde geschaut, ob unter Gesichtspunkten wie Naturschutz, Eingriff ins Ortsbild, Infrastruktur und weiteren eine Bebauung überhaupt möglich oder von vornherein ausgeschlossen ist. Das Ganze soll noch vor der Parlamentssitzung im September über die Bühne gehen.

Entscheidung steht noch nicht fest

Bei allem Verständnis für die Wahrung von Bürgerrechten ist Zenker verwundert darüber, dass bereits jetzt, wo weder feststehe, ob und wo gebaut werden könne, Bürger vorpreschen und mobil machen. „Das kann ich nicht verstehen. Vielleicht entscheidet die Gemeindevertretung ja, dass wir gar nichts machen.“ Denn die, so Zenker, müsse ja erstmal einen Aufstellungsbeschluss fassen, damit überhaupt ein Bauleitverfahren für eine der Flächen eingeleitet werden kann.

Das Ganze werde dann öffentlich ausgelegt. Dann hätten die Bürger vier Wochen Zeit, ihre Anregungen und Einwände zu den Plänen vorzutragen. Daran im Anschluss müsse das Parlament einen Abwägungsbeschluss fassen, in dem es der Frage nachgeht, ob die Anregungen und Bedenken begründet sind. An der Stelle könne das Verfahren gestoppt werden.

Gemeinde führt Interessentenliste

Oder die Gemeinde findet innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen Gegenargumente. Erst dann könne mit dem Satzungsbeschluss Baurecht geschaffen werden. Mit den Grundstückseigentümern, die im Übrigen die Kosten des Verfahrens zu tragen haben, werde in der Folge ein städtebaulicher Vertrag geschlossen.

Die Gemeinde führt eine Liste, in der an die 170 Personen und Paare Interesse für einen Bauplatz in Habichtswald angemeldet hätten. Diese Liste werde derzeit noch einmal auf ihre Aktualität hin überprüft. „Die Menschen haben das Recht, sich ein Haus zu bauen“, sagt der Bauamtsleiter.

Auf der Fläche an der Höllchenstraße ließen sich maximal zwei Häuser errichten und an der Blumensteiner Straße wäre Platz für maximal zehn Eigenheime.

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