Geschichte des Segelfliegens

Betonpfosten mit Seltenheitswert: Relikte des Segelflugsports am Dörnberg könnten Technikdenkmal werden

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Setzen sich für Ausweisung als Technikdenkmal ein: Dr. Udo Schlitzberger (links) und Klaus Fröhlich wollen die Bedeutung der Betonpfeiler, die sich in einem kleinen Wald oberhalb Dörnbergs befinden, einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. In den 1930er-Jahren spielten sie eine Rolle bei den Katapultstarts der Segelflieger. 

Es sind nicht einfach nur Betonpfosten - sondern welche mit Seltenheitswert: Relikte des Segelflugsports am Dörnberg. Die sollen zum Technikdenkmal werden.

Das Segelfliegen am Dörnberg hat eine lange Geschichte. Sie reicht zurück bis ins Jahr 1924. Eine spannende, wenn auch kurze Episode datiert in die Mitte der 1930er-Jahre und hat in einem kleinen Waldstück oberhalb Dörnbergs Spuren hinterlassen.

Dort stehen vier Betonpfosten, deren Höhe von Norden in Richtung Süden abnimmt und die für die Pioniere des Segelfliegens einst eine Rolle spielten. Nun sollen sie als Technikdenkmal herausgestellt werden – das zumindest wünschen sich die Geschichtsinteressierten Klaus Fröhlich aus Dörnberg und Dr. Udo Schlitzberger aus Ehrsten.

Die Pyramidenstümpfe wurden vor etwa 30 Jahren entdeckt

Fröhlich hatte die Pyramidenstümpfe vor etwa 30 Jahren entdeckt. Damals sei ihm gleich klar gewesen, dass es sich bei ihnen um Einrichtungen handeln muss, die etwas mit dem Segelfliegen zu tun haben. Dafür sprachen die Nähe zum Fluggelände am Dörnberg, die lange Geschichte des Sports dort oben – der Dörnberg ist nach der Wasserkuppe in der Rhön der zweitälteste Flugplatz für Segelflieger in Deutschland – und Fröhlichs technisches Verständnis.

Dörnberg: Nach dem Zweiten Weltkrieg als Übungsgelände für Segelflieger entdeckt

„Nach Ende des Ersten Weltkrieges hatten die Siegermächte den Motorflug und den Bau von Flugzeugen in Deutschland verboten“, sagt Fröhlich. Also konzentrierten sich die Sportler aufs Segelfliegen. Auf der Fläche oberhalb des Ortes Dörnberg, die damals weniger bewaldet war, fanden die Piloten gute Voraussetzungen für ihren Sport vor. Mit einer Startrampe in knapp 600 Metern Höhe und einem dahinter in Richtung Dorf tief abfallenden Plateau waren die Flugpioniere zunächst davon überzeugt, ein gutes Übungsgelände entdeckt zu haben.

Betonpfosten waren für den Katapultstart

Für den Katapultstart wurde über Gummibänder, die zu beiden Seiten des Segelflugzeuges von jeweils sechs Männern gezogen wurden, eine Spannung erzeugt. Hierbei waren die Betonpfosten wichtig, vermutlich trugen sie eine Gleitschiene, auf der die Segelflugzeuge gestartet wurden. War die Spannung groß genug, wurde eine Arretierung gelöst, und das Flugzeug wurde auf einer kurzen Bahn beschleunigt, um hinter der Abbruchkante durch die Luft zu segeln. „Der Südwestwind sorgte für ordentlich Auftrieb“, sagt Fröhlich.

Fläche stellte sich als nicht geeignet heraus - Segelflugsport wurde verlegt

Dennoch sollte die an die Pyramidenstümpfe gekoppelte Geschichte des Segelfliegens auf dem Dörnberg ein kurzes Kapitel bleiben. Denn ein Problem hatten die Männer damals nicht berücksichtigt: Die Flugzeuge hatten zu viel Gewicht. Ihre Sinkrate war zu hoch und mit ihr die Gefahr, das Fluggerät unkontrolliert in Kontakt mit dem Gelände zu bringen und eine Bruchlandung zu riskieren. Deshalb verlagerte sich der Sport von dort in Richtung Norden, wo er noch heute von der Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg betrieben wird.

Wunsch: Betonpfosten als Technikdenkmal auszuweisen

Beim Denkmalbeirat des Landkreises Kassel hat Udo Schlitzberger nun die Idee vorgestellt, die Pfosten als Technikdenkmal auszuweisen. Denn: „Eine Vorrichtung dieser Art ist nirgends bekannt“, sagt Schlitzberger. Das Gremium habe positiv auf seinen Vorschlag reagiert. Die Kosten schätzt der ehemalige Landrat des Kreises Kassel als gering ein: ein paar Fichten müssten gefällt werden, und am Eco-Pfad, der an den Pyramidenstümpfen vorbeiführt, müsste eine Tafel mit erklärenden Texten aufgestellt werden.

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