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Tödlicher Unfall bei Ehlen: Gericht kassiert Urteil - Verhalten nicht „grob rücksichtslos“

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Von: Florian Hagemann

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Tödlicher Unfall: Der Beifahrer dieses Sportwagens starb im August 2020 auf der Straße zwischen Ehlen und Dörnberg. ARCHI
Tödlicher Unfall: Der Beifahrer dieses Sportwagens starb im August 2020 auf der Straße zwischen Ehlen und Dörnberg. © Luisa Weckesser

Nach dem tödlichen Unfall bei Ehlen im August 2020 hat das Landgericht Kassel das Urteil im Berufungsverfahren verkündet. Das Gericht setzte die verhängte Freiheitsstrafe zur Bewährung aus.

Kassel – Nach dem tödlichen Unfall mit einem auffälligen Rennwagen bei Habichtswald-Ehlen im August 2020 hat das Landgericht Kassel das Urteil im Berufungsverfahren verkündet. Demnach erhielt der mittlerweile 44 Jahre alte Angeklagte aus Kassel eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ferner bleibt dem Unfallverursacher die Fahrerlaubnis entzogen, die er nun frühestens nach drei Monaten wiedererlangen kann.

Das Amtsgericht Kassel hatte den Mann im Dezember vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Daraufhin hatte die Verteidigung Berufung eingelegt. Nun milderte das Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Reichhardt die Strafe ab. Unstrittig war dabei unter allen Beteiligten, dass sich der Verurteilte einer fahrlässigen Tötung strafbar gemacht hat, indem er bei einer Art Testfahrt auf der Bundesstraße zwischen Ehlen und Dörnberg mit überhöhter Geschwindigkeit Schlangenlinien gefahren war, die Kontrolle über seinen Alfa Romeo 4C verloren hatte und dann gegen eine Leitplanke gekracht war. Sein Beifahrer wurde dabei tödlich verletzt. Richter Reichhardt verurteilte die Fahrt und das Verhalten des Angeklagten, stellte aber auch fest: „Wir halten es nicht für grob rücksichtslos, was er gemacht hat.“

Tödlicher Unfall bei Habichtswald: Zu wenig Reue beim Angeklagten

Der Verteidiger des 44 Jahre alten Mannes hatte zuvor in seinem Plädoyer an das Gericht appelliert, seinem Mandanten eine Gefängnisstrafe zu ersparen. Sein Mandant sei kein rücksichtsloser Raser, als der er mitunter hingestellt werde. Er habe sich zuvor im Straßenverkehr nichts zuschulden kommen lassen.

Staatsanwältin Golchert war zu einer anderen Einschätzung gekommen. Sie attestierte dem Angeklagten eine Selbstüberschätzung im Straßenverkehr. Ihrer Meinung nach sei der Mann bewusst ein erhöhtes Risiko eingegangen und habe die öffentliche Straße als private Teststrecke missbraucht. Sie richtete den Fokus auch auf die Familie des Opfers. Der Verlust eines Familienvaters könne durch nichts wiedergutgemacht werden. Sie stellte zudem wenig Reue beim Angeklagten fest.

Der hatte sich am letzten Verhandlungstag erstmals während der Berufung mündlich zur Sache eingelassen. Als der Richter vor der Urteilsverkündung erklärte, er habe das letzte Wort, sagte er, es tue ihm wahnsinnig leid: „Wenn ich es könnte, würde ich alles zurückdrehen.“ (Florian Hagemann)

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