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Der älteste Teil der Ehlener Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert

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Von: Maike Lorenz

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Marianne Winzig und Egon Jordan auf der Empore der Kirche in Ehlen.
Marianne Winzig und Egon Jordan auf der Empore der Kirche in Ehlen. Im Hintergrund ist die Kanzel zu sehen, die auch schon in der Vorgängerkirche hing. © Maike Lorenz

Die Kirchen sind der Mittelpunkt eines Ortes. Wir stellen einige Gotteshäuser im Landkreis und ihre Geschichten in einer Serie vor. Heute besuchen wir die Kirche in Ehlen.

Habichtswald – „Wir haben in Ehlen eine ziemlich schlichte Kirche“, sagt Kirchenvorsteher Egon Jordan. Wie es für den klassizistischen Baustil typisch ist, gibt es hier weder aufwendige Wandmalereien noch bunte Fenster. Wer in der nüchternen Kirche nichts Außergewöhnliches vermutet, wird allerdings getäuscht. Denn in der Wand links neben der Orgel befindet sich eine unauffällige, verriegelte Holztür.

Der dahinterliegende Gang ist nur etwa 1,20 Meter hoch und schmal. Gebückt gelangt man durch ihn in den Turm der Kirche. Dieser sei bereits wesentlich älter als das Kirchengebäude, sagt Egon Jordan. „Nach Meinung von Fachleuten handelt es sich um einen Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert. Die heutige Kirche ist erst 1817/18 gebaut worden.“ Küsterin Marianne Winzig (78) sagt, „Früher haben sich die Menschen in diesem Turm vor Angreifern in Sicherheit gebracht“.

Egon Jordan im Turm der Kirche Ehlen.
Egon Jordan im Turm der Kirche Ehlen: Ein Durchgang verbindet diesen mit dem Kirchenschiff. © Maike Lorenz

Kirche wurde offenbar im Dreißigjährigen Krieg beschädigt

Betrachtet man den Kirchturm von außen, ist erkennbar, dass das Gestein des oberen Turmteiles unregelmäßiger aussieht als das Gestein des unteren Teiles. Egon Jordan erklärt: „Der obere Turmteil wurde 1657 abgenommen und anders wieder aufgebaut. Um Arbeit zu sparen, wurden für den Wiederaufbau unbehauene Steine genommen.“

Im Inneren des Turms windet sich über mehrere Etagen eine Holztreppe bis unter das Turmdach. Eine der Glocken, die dort hängt, stammt noch aus dem Jahr 1578. „Auf der Glocke stehen die Namen wichtiger Persönlichkeiten aus der Zeit“, sagt Egon Jordan. „Im Ersten Weltkrieg wurden viele Glocken eingeschmolzen, aber diese konnte man glücklicherweise retten.“

Die Kirche Ehlen von Außen.
Von Außen ist erkennbar, dass für den oberen Turmteil unbehauene Steine verwendet wurden. © Maike Lorenz

Die erste Ehlener Kirche ist nun ein Wohnhaus

Der 76-Jährige beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit der Geschichte der Kirche. Insgesamt habe es in Ehlen bisher mindestens drei Kirchen gegeben, berichtet er. Die erste Ehlener Kirche wurde etwa 100 Meter entfernt von der heutigen Kirche gebaut. Jordan erzählt, bereits im Jahr 1074 ist diese Kirche in einer Stiftungsurkunde des Klosters Hasungen erwähnt worden. Später wurde das Gebäude der ehemaligen Kirche als Scheune genutzt. Heute dient das älteste noch erhaltene Gebäude in Habichtswald als Wohnhaus.

Die vermutlich zweite Kirche haben die Ehlener dann schließlich an den Wehrturm angebaut. „Wann das gewesen ist, weiß man nicht“, sagt Egon Jordan. Sicher ist, dass die heutige Kirche nun auf den Grundmauern der Vorgängerkirche steht. „Einige Steine und die Kanzel der alten Kirche sind für die neue Kirche wiederverwendet worden. Auch manche der eingebauten Balken sind schon sehr alt. Teilweise sieht man, dass die noch per Hand gehauen sind“, sagt Egon Jordan.

Darüber hinaus befinden sich auf der Empore des Kirchenschiffs noch Bankreihen, die ursprünglich aus der alten Kirche stammen. Küsterin Marianne Winzig (78) deutet auf die Rückenlehnen: „Hier sind noch eingravierte Inschriften zu erkennen. Weil die Bänke aber nicht in der gleichen Reihenfolge wie in der alten Kirche stehen, ist der Schriftzug nicht vollständig lesbar.“

Eine Kapsel in der Kirchturm enthält fünf Dokumente

Von besonderem Wert ist die Kirche für Heimatforscher wie Jordan zudem deshalb, weil die Einwohner Ehlens seit 1768 fünf Dokumente hinterlegt haben, die die Geschichte Ehlens dokumentieren. „Früher gab es keinen Computer, da war dies ein sicherer Ort für die Aufbewahrung“, erklärt Marianne Winzig. Eines der fünf Dokumente gibt auch Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus. Egon Jordan sagt: „Wenn man das Dokument aus dem Jahr 1933 liest, dann wundert man sich, wie sehr die damalige Regierung in den Himmel gelobt worden ist.“

Auf die Zukunft des Kirchengebäudes blickt Marianne Winzig teils mit Sorge. „Wir haben Probleme mit Rissen in den Wänden.“ Momentan werde geprüft, ob und wie etwas dagegen unternommen werden muss, sagt die Küsterin.

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