Theo Arend verabschiedet sich in den Ruhestand

Der Förster vom Habichtswald geht

 Der Förster Theo Arend (65) vor einer abgestorbenen Buche
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Verabschiedet sich in den Ruhestand: Der Förster Theo Arend (65) hat seinen Beruf mit Leidenschaft ausgefüllt. Das

Nach fast vier Jahrzehnten als Förster und Ansprechpartner für Themen rund um den Habichtswald geht Theo Arend in den Ruhestand. Als Förster sei man Berufsoptimist, sagt er.

Kassel. Gerade ist der aktuelle Waldschadensbericht mit erschreckenden Zahlen veröffentlicht worden. Was bedeutet das für einen Förster, der sich fast vier Jahrzehnte mit viel Leidenschaft für den Habichtswald eingesetzt hat? „Sorgen muss man sich schon machen, aber ich sehe das gar nicht so negativ“, sagt Theo Arend, für den heute offiziell der Ruhestand beginnt.

Ja, auch im Habichtswald gebe es große Lücken durch Stürme und Schädlinge wie den Borkenkäfer. „Wir haben aber schon die Grundlage dafür gelegt, dass sich der Wald verändern und anpassen kann“, sagt der Mann, der früher mit seinem Rauschebart, dem Lodenmantel und dem breiten Hut beim Beruferaten sofort als Förster identifiziert worden wäre. Heute ist der Bart ab, die Begeisterungsfähigkeit für den Wald insgesamt und insbesondere für den heimischen Habichtswald ist geblieben.

Es sei ja richtig, dass viele Baumkronen geschädigt seien und der Waldboden in den tieferen Schichten ausgetrocknet ist. Doch nach der Schneeschmelze hätten jetzt gerade die jüngeren Bäume, die noch relativ flach wurzeln, sehr gute Bedingungen. Die könnten sich langsam auch an längere Trockenphasen gewöhnen. Die Zeit der Fichtenmonokulturen sei ohnehin vorbei. Schon seit Jahren achte man darauf, dass sich ein Mischwald entwickele. Mindestens fünf Baumarten sollten nebeneinanderstehen.

Bergahorn, Esche, Linden, Wildkirschen und Spitzahorn seien Baumarten, die den Wald zunehmend prägen könnten. „Man muss sich doch nur mal die Kyrill-Flächen anschauen, was da alles wächst“, sagt Arend. 14 Jahre nach dem Orkan habe sich jede Menge neues Leben entwickelt. Eine Verjüngung, die dem Wald sehr guttue und die Hessen Forst unterstütze.

Vielfalt hat sich Theo Arend schon als junger Förster auf die Fahnen geschrieben. Er ist in Kassel geboren, in Hofgeismar aufgewachsen, hat in Göttingen Forstwissenschaft studiert, von den Weiten Nordamerikas geträumt und von Mammutbäumen. Als er vor 38 Jahren als Förster anfing, war das sein Traumberuf. So ist es bis heute geblieben. Auch als stellvertretender Leiter des Forstamtes Wolfhagen, das ein Einzugsgebiet von 400 000 Menschen mit der Großstadt Kassel hat.

Die Freude an seinem Beruf hat man bei den Begegnungen mit Theo Arend immer gespürt. Mit großer Geduld und einem an einen Gebirgsbach im Frühling erinnernden Redeschwall hat er Fragen zum Wald beantwortet. Auch die, die man gar nicht gestellt hat. Und er hat den Ärger nicht verborgen, wenn zum Beispiel rücksichtslose Zeitgenossen ihren Müll einfach in den Wald gekippt haben. Oder mitten im heißen Hochsommer trotz Waldbrandwarnung gedankenlos am Lagerfeuer saßen. Kam alles vor. „Das waren aber wirklich nur Ausnahmen“, sagt der 65-Jährige, der zum zweiten Mal verheiratet ist, zwei erwachsene Kinder und vier Enkel hat.

Theo Arend hat sich schon von seinen Kollegen verabschiedet. Einzeln, mit einem Waldspaziergang. Er hat jetzt mehr Zeit für sein Hobby, die Fotografie. Und er würde gern bald mal wieder verreisen. Dem Wald bleibt er übrigens erhalten. Und zwar im deutschen Wanderverband, wo er ehrenamtlich schon länger Naturschutzwart ist. Beim Wandern im Habichtswald könnte man ihn also gelegentlich treffen. Den ehemaligen Förster dürfte man auch ohne Rauschebart erkennen. (Thomas Siemon)

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