Kuriose Straßennamen

Der Krüppelweg in Ehlen soll umbenannt werden

Der Name Krüppelweg in Ehlen wird bald Geschichte sein: Die Straße soll umbenannt werden. Der Heimat- und Geschichtsverein hat bereits einen Vorschlag gemacht.
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Der Name Krüppelweg in Ehlen wird bald Geschichte sein: Die Straße soll umbenannt werden. Der Heimat- und Geschichtsverein hat bereits einen Vorschlag gemacht.

Was hat es eigentlich mit Straßennamen auf sich? Woher kommen sie und was verbirgt sich hinter dem Namen. In einer Serie wollen wir einige Straßennamen näher beleuchten.

Ehlen – Der Straßenname Krüppelweg in Ehlen ist bald Geschichte. Was heute diskriminierend ist, war früher ein ganz normaler Name. Als Krüppel wurden Menschen mit Behinderungen bezeichnet. So gab es zum Beispiel auch Krüppel-Heime. Heute undenkbar. Und auch in Ehlen soll sich das ändern. Die Gemeindevertreter haben das bereits beschlossen und sind damit einem Antrag der Wählerliste gefolgt.

Die Corona-Pandemie hat das Vorhaben des Heimat- und Geschichtsvereins Habichtswald sowie der Anwohner, Vorschläge zu erarbeiten, ausgebremst. Allerdings hatte der Heimat- und Geschichtsverein bereits vor ein paar Jahren noch durch den mittlerweile verstorbenen Heinrich Heinemann die Straßenbezeichnung Lindenweg vorgeschlagen.

Im Hof des Klosters war wohl früher mal eine Herberge für beeinträchtige Menschen

„Weil dieser ganze Bereich etwas mit Linden zu tun hat“, erklärte Hans-Georg Nußbeck auf Nachfrage. Nußbecks Frau Ruth ist Vorsitzende des Geschichtsvereins, er selbst ist Schriftführer und war 36 Jahre politisch in der SPD aktiv.

In Ehlen muss man im Zusammenhang mit dem Krüppelweg auch die Straße Weißer Weg nennen, erklärte Hans-Georg Nußbeck. Beide Wege führen zum Hasunger Kloster und es könnte sein, dass die heute im Ortskern gelegene Anlage früher wohl mal ein Hof des Klosters Hasungen war und dort vielleicht mal ein Hospital oder eine Herberge für Menschen war, die körperlich beeinträchtigt waren.

„Krüppel“ war damals ganz normal

Jetzt wird am Fuße des Krüppelweges fleißig gebaut. Eine Wohnanlage mit Tagespflege und Praxisräumen entsteht dort. Die Kommunale Versorgungskasse Kassel baut dieses Gebäude. Der Heimat- und Geschichtsverein wird ganz sicher auch weiterhin die Namensgebung im Blick behalten, damit sich niemand diskriminiert fühlt.

Das Wort Krüppel fand sich wertneutral bis ins 20. Jahrhundert in Begriffen wie Krüppelheim, Vollkrüppelheim, Krüppelheilanstalt, Krüppelfürsorge und Krüppelfürsorgegesetz.

Noch bis in die Zeit des Nationalsozialismus, in der das Wort „Versehrter“ an die Stelle von „Krüppel“ für einen durch Unfall, Verletzung oder Verwundung Körperbehinderten trat, widmeten sich Organisationen, Zeitschriften und Kongresse der Bekämpfung des Krüppeltums und der Krüppelfürsorge.

Den längsten Straßennamen gibt es in Niederbayern

Das Wort „Krüppel“ wird auch als Schimpfwort verstanden, weil es nicht nur eine körperliche oder geistige Behinderung feststellte, sondern einem missliebigen Menschen mittels dieser Beleidigung eine solche Behinderung zuspricht.

Übrigens sind die häufigsten Straßennamen in Deutschland Hauptstraße, Schulstraße und Gartenstraße. Und den längsten Straßennamen gibt es in Niederbayern. In Dingolfing gibt’s die „Bischöflich-Geistlicher-Rat-Josef-Zinnbauer-Straße“. (Monika Wüllner)

Kuriose Namen in Städten und Dörfern

Es gibt sie, die ganz normalen Straßennamen, die jeder kennt. Aber es gibt eben auch kuriose oder außergewöhnliche Straßennamen, von denen man nicht auf Anhieb weiß, was dahinter steckt. Haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, solche ungewöhnlichen Straßennamen in ihren Wohnorten? Dann schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an: wolfhagen@hna.de. Wir greifen Ihre Ideen auf und berichten dann darüber. 

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