Betrag kann nicht für Hilfe von Bekannten genutzt werden

Dörnberger ärgern sich über den Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung

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Würde Entlastungsbetrag gerne für niederschwellige Angebote aus dem Bekanntenkreis nutzen: Jürgen Vogt aus Dörnberg. Annemarie Vogt-Podruh kümmert sich seit 17 Jahren um ihren Mann, der seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt.

Dörnberg. Der 20. Mai 2001 veränderte das Leben von Jürgen Vogt und dessen Frau Annemarie Vogt-Podruh radikal. Der Schlaganfall traf den damals 60-jährigen Dörnberger wie aus dem Nichts.

Seitdem ist Jürgen Vogt halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl und Annemarie Vogt-Podruh, die unter anderem in Folge dieses Schicksalsschlages im Jahr 2004 ihren Job aufgab, kümmert sich um ihren Mann und nutzt hierfür Angebote aus der Pflegeversicherung – unter anderem den Entlastungsbetrag in Höhe von monatlich 125 Euro.

Die 56-Jährige hat diesen Betrag bislang für die Tagesbetreuung des ASB in Baunatal eingesetzt. Der Anbieter holt Jürgen Vogt, dem der Pflegegrad 3 anerkannt wurde, einmal pro Woche am Morgen ab. Der ASB bringt ihn nach Baunatal, wo er mit anderen Pflegebedürftigen den Tag bei Spielen und Unterhaltung verbringt. Für Annemarie Vogt-Podruh ist das der Tag, an dem sie mal durchatmen und eigene Wege erledigen kann.

Bekannte sind günstiger

Jürgen Vogt und seine Frau würden den Entlastungsbetrag viel lieber für niederschwellige Angebote von Nachbarn oder Freunden in Anspruch nehmen. Denn zum einen seien deren Hilfen kostengünstiger. Zum anderen seien sie flexibler in ihren Einsatzzeiten, sagt die 56-jährige Dörnbergerin. Ein weiteres Argument für sie: Die privaten Helfer aus der Nachbarschaft würden auch tatsächlich Unterstützung im Haushalt anbieten und damit Tätigkeiten übernehmen, für die die Pflegedienste gar keine Kapazitäten hätten.

Wie Doris Brandstetter vom Pflegestützpunkt beim Landkreis Kassel nun sagt, könne der Entlastungsbetrag derzeit nicht für Hilfen von Freiwilligen aus dem Bekanntenkreis genutzt werden, lediglich Pflegedienste dürften hierfür herangezogen werden. „Einzelpersonen werden überhaupt nicht anerkannt“, da sie unter anderem keine Vertretungsregelung hätten, sagt die Expertin. Das Land Hessen habe die sogenannte Pflegeunterstüzungsverordnung erst vor wenigen Wochen auf den Weg gebracht. Wie diese unter anderem in Bezug auf den Entlastungsbetrag praktisch umgesetzt werden könne, werde derzeit erarbeitet. Bis das Vertragswerk fertig sei, könne es noch einige Monate dauern.

Verhinderungspflege

Die einzige Möglichkeit für Pflegepersonen ab Pflegegrad 2, auf Hilfen im Bekanntenkreis zurückzugreifen und diese auch abrechnen zu dürfen, sei die Verhinderungspflege. Hierfür steht dem Betroffenen ein jährlicher Betrag in Höhe von 1612 Euro zur Verfügung. Der Versicherte müsse sich hierfür mit seiner Pflegekasse in Verbindung setzen, dieser die Daten der helfenden Person nennen und über die Kasse die Dienstleistungen abrechnen, sagt Brandstetter.

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