Müllvermeidung

Kai Kuntze aus Ehlen stellt Strohhalme aus Rapsstroh her

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Strohhalme aus Rapsstroh von Kai Kuntze Ehlen.

Die Tage der Plastikstrohhalme sind gezählt. Die EU will die Trinkhalme verbieten und so den Plastikmüll zu reduzieren. Da kommt die Idee von Kai Kuntze aus Ehlen gerade recht. 

Der 30-Jährige aus Ehlen stellt Trinkhalme aus Rapsstroh her – er nennt sie schlicht Natural Straws und vertreibt sie übers Internet.

Der erste Gedanke zu den Öko-Halmen kam ihm bei einem Spaziergang mit seinem Hund. Das war im August 2015. Kuntze lief an einem abgeernteten Rapsfeld entlang und betrachtete sich die stehengelassenen kurzen Stoppeln genauer. Er schnitt einige Halme ab, befreite das Stroh zuhause mit einer Bürste vom Innenmark. Schließlich erwärmte er Bienenwachs und tauchte die Halme ein. Kuntze war mit den Prototypen zufrieden.

In den folgenden Jahren perfektionierte er Produkt, Fertigung und Verpackung. Der gelernte Mechatroniker entwickelte eine Spannvorrichtung, mit deren Hilfe er mehrere Halme gleichzeitig in das Wachsbad tauchen kann. Inzwischen kann er 100 Halme pro Stunde herstellen und verpacken. 

Kuntze weiß, dass das immer noch zu wenige sind, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Derzeit tüftelt er an einer Variante, mit der das Stroh einfacher und schneller von seinem Innenleben befreit werden kann. Den Rohstoff selbst bezieht er über zwei Landwirte in Dörnberg und Zierenberg.

Anmeldung beim Patentamt in München 

Auch wenn der Habichtswalder noch nicht alle Aufgaben erledigt hat, um in die ganz große Produktion einsteigen zu können, hat er seine Natural Straws beim Patentamt in München angemeldet und einen Gebrauchsmusterschutz erworben. Er selbst ist hundertprozentig von den Trinkhilfen überzeugt. Auch die Resonanz erster Anwender sei positiv. 

„Es entsteht kein Müll, der die Umwelt belastet“, sagt der zweifache Familienvater, der schon immer eine Leidenschaft fürs Tüfteln hatte und dem obendrein die Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Die gewachsten Halme könnten nach dem Gebrauch gereinigt und so garantiert zehn Mal wiederverwendet werden.

Vor ihm haben schon andere Alternativen zu Plastikhalmen angeboten, diese bestanden aus Weizenstroh. Doch das Produkt überzeugte Kai Kuntze nicht. „Es ist zu dünn, es ist instabil, und das Getränk schmeckt nach Stroh. In Bars, in denen Cocktails getrunken werden, ist das eher schlecht.“

All diese Probleme haben seine Raps-Trinkhalme nicht. Kuntze fertigte im ersten Jahr 1000 Strohhalme. Im Jahr 2016 stellte er 5000 Stück her, ein Jahr später waren es 10 000. Sie alle seien mehr oder weniger vergriffen. In diesem Jahr hat er um die 20 000 Halme geerntet. 

Bars in Lübeck, Kiel und Kassel als Kunden

Er beliefert mit seinem Produkt zwei Bars in Lübeck und Kiel, daneben werden sie Bioläden in Kassel angeboten, im Naturparkzentrum Habichtswald, im Café am Markt in Zierenberg und im Internet.

In diesem Jahr hat der 30-Jährige, der als Instandhalter im Achsenwerk von Mercedes arbeitet, die Herstellung, die in seiner Freizeit stattfindet, allerdings drosseln müssen. Neben dem aktuellen Hausbau bleibt nur wenig Luft für sein Hobby. Im kommenden Jahr will er dann wieder stärker ins Geschäft einsteigen und sich nach einem Investor umsehen, mit dessen Hilfe er Produktion und Vertrieb noch größer aufziehen kann.

Kai Kuntze bietet die Raps-Strohhalme in zwei Varianten an. Im Zehnerpack stecken sie in einer Tüte aus Papier und Biokunststoff. Sie kosten 3,80 Euro. Daneben hat er noch eine Geschenkvariante entwickelt. 

Hierfür stellt er Holzklötzchen her, steckt in diese ein Reagenzglas mit fünf Strohhalmen und verschließt es mit einem Korken. Dass nicht nur das Produkt, sondern auch die Verpackung nachhaltig ist und kein Müll entsteht, der die Umwelt belastet, ist für Kuntze wesentlich. 

Die Reagenzgläser lassen sich als Blumenvasen weiterverwenden, sie können auch als Aufbewahrung für Gewürze genutzt werden. Der Holzklotz lässt sich CO2-neutral verbrennen. Die aufwendige Verpackung, die er sich ebenfalls selbst ausgedacht hat, hat ihren Preis. Acht Euro müssen dafür gezahlt werden. Bestellt werden kann über facebook@natural-straws. 

In die große Produktion will der 30-Jährige in diesem Jahr zwar nicht einsteigen, kleinere Mengen jedoch könne er liefern. Interessenten können sich per Mail unter info@natural-straws.com bei ihm melden.

Selbstversuch in Kassel: Kann man beim Einkauf auf Plastikmüll verzichten? Unsere Autorin hat es ausprobiert.

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