Angebot im Ehlener Sportstudio "Physio"

Ein Leben für den Tanz: Renate Crössmann-Irle gibt mit 71 Jahren Ballettunterricht

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Drehen und Haltung: Renate Crössmann-Irle gibt klare Anweisungen an ihre Schülerinnen.

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Doch nicht alle Rentner und Pensionäre ziehen sich aufs Altenteil zurück. Viele sind aktiv, bringen sich ein, übernehmen ehrenamtliche Aufgaben. Sie gehören noch lange nicht zum alten Eisen. In einer Serie stellen wir ältere Menschen vor, die mitten im Leben stehen.

Ehlen. „Drehen, drehen und Attitude“, schallt es durch den Gymnastiksaal des Sportstudios „Physio“ in Ehlen. Zehn Mädchen in dunkelblauen Kleidchen drehen sich graziös zu den Klängen des „Blumenwalzers“ von Peter Tschaikowsky. Ballettlehrerin Renate Crössmann-Irle gibt den Takt an, ruft Anweisungen in die Runde, korrigiert die Haltung der Schülerinnen und springt auch mal für eine fehlende Partnerin ein.

Man sieht der kleinen sportlichen Frau mit den kurzen grauen Haaren ihre 71 Jahre nicht an. „Obwohl ich eigentlich schon Rentnerin bin, kann ich ohne Arbeit nicht leben“, sagt Renate Crössman-Irle. Sie liebt den Unterricht mit den Kindern. Die Mädchen haben Spaß an Bewegung, viel Fantasie und sind kreativ. Es ist ihre Aufgabe als Lehrerin, dies im Ballettunterricht zu fördern. Und ganz nebenbei lernen die Kinder Disziplin und Ruhe. Es bereitet ihr große Freude, junge Talente zu entdecken und ihnen die Ästhetik des Balletttanzes nahezubringen. Die Arbeit mit den Kindern bedeutet ihr sehr viel, denn dadurch bleibt sie selber auch jung und fit. Sie sagte sofort zu, als der Besitzer des Sportstudios „Physio“ in Ehlen sie um die Leitung eines Ballettkurses für Kinder (ab vier Jahren) bat.

Für die Kinder ist Renate Crössman-Irle nicht nur Lehrerin, sondern auch ein bisschen Mutti oder Oma. Zu Beginn jeder Unterrichtsstunde muss sie hier ein Kleidchen zurechtrücken, dort eine Haarklemme anbringen und sich tänzerische Einzelleistungen anschauen. Dabei lobt sie die Kinder, gibt aber auch kritische Anmerkungen. Kindern, die zu spät kommen, wirft sie einen strafenden Blick zu und ermahnt alle, in den nächsten Stunden nicht zu fehlen. Für sie ist das Erziehung zur Disziplin.

Wenn die Kinder Renate Crössmann-Irle fragen, was sie beachten müssen, um eine erfolgreiche Balletttänzerin zu werden, erhalten sie stets dieselbe Antwort: „Jeden Tag fleißig üben und durchhalten.“

Sie selber träumte schon als Kind davon, Tänzerin zu werden. Und ihr Traum wurde wahr. Nach der Ausbildung zur Tänzerin stand sie in verschiedenen Theatern erfolgreich auf der Bühne. 1976 verschlug es sie nach Kassel. Danach ging es Schlag auf Schlag: Ausbildung zur Tanzpädagogin, Besitzerin von mehreren Tanzschulen und Mutter mit 37 Jahren. Ihr Alltag sei über Jahre hinweg recht turbulent gewesen, meint sie.

Nun, mit über 70, hat sie ein bisschen das Tempo aus ihrem Alltag genommen. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. Ballett nimmt einen großen Teil ihres Lebens ein. Jahrelang tanzte sie selber, genoss es, auf der Bühne zu stehen. Nun gibt sie ihre Erfahrung an Jüngere weiter.

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