Wegen Corona-Pandemie kein Fest am Dörnberg

Einsamer Auftrieb auf die Weide

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Lecker, Frühstück: Wanderer, die ihr Picknick am Hohen Dörnberg genießen, müssen mit tierischem Besuch rechnen. 

Einsam und leise sind die Rinder auf ihre Sommerweide am Dörnberg gezogen. Wegen der Corona-Pandemie gab es keinen feierlichen Almauftrieb. Deshalb rechnet man auch noch gar nicht mit den neugierigen Rindern auf der Weide. 

Zierenberg – Wenn die Sonne den Hohen Dörnberg in herrliches Morgenlicht hüllt, dann scheint die Welt in Ordnung zu Füßen der Helfensteine. Nur eine Picknickdecke, frischer Kaffee aus der Thermoskanne und vielleicht noch ein paar Stullen können den Tagesstart nun noch perfekt machen, in einem Naturidyll, in dem einen nichts zu stören vermag. Wären da nicht die Rinder der heimischen Bauern, die plötzlich mit fröhlichem Muhen über die saftigen Wiesen getrabt kommen und neugierig schauen, was die Frühstückstafel mitten in ihrem Sommerquartier zu bieten hat.

Wirklich rechnen tut man derzeit noch nicht mit ihnen, haben sie schließlich heimlich, still und leise ihre Weide bezogen, ohne großes Tamm-Tamm wie in den sonstigen Jahren, wenn Ortsbauerverbandschef Thomas Rose sie am alten Kuhstall unweit der Wichtelkirche registriert und rauf auf die saftigen Wiesen schickt.

Corona hat auch diesem alljährlichen Ereignis einen Strich durch die Rechnung gemacht, erstmals mussten die sieben Zierenberger Landwirte jetzt mit ihren Viehtransportern Schlange stehen, ohne dabei von unzähligen Besuchern beobachtet zu werden. Während es den 130 Tieren ziemlich schnuppe war, vermissten die örtlichen Bauern den Trubel schon ein wenig mehr. „War ein echt trauriger Auftrieb in diesem Jahr, die Stimmung ohne gemütliches Beisammensein war einfach eine andere“, bedauert Rose. Die Hauptsache aber, so der Oberelsunger, sei, dass es den Rindern gut geht auf der Dörnbergweide und sie sich freuen über ihre neugewonnene Freiheit auf den über 100 Hektar Rasenfläche, deren Bodenbeschaffenheit Rose allerdings schon jetzt Sorge bereitet: „Wie schon in den letzten trockenen Jahren fehlt uns der Regen.“

Die tierischen Ausflügler scheint das nicht zu stören, Hauptsache die Monate im tristen Winterquartier liegen hinter, fünf Monate an einem der schönsten Fleckchen unserer Region vor ihnen. Während Fleckvieh, Charolais, Galloway, Limousin, Deutsche Angus und Kollegen es sich im Sommerparadies gut gehen lassen, haben deren Besitzer unten im Warmestädtchen nun weniger Arbeit im Stall und können sich ganz auf die Felder konzentrieren. Um den Weidedienst auf dem Berg kommen sie dennoch nicht herum, 500 Arbeitsstunden investieren sie pro Jahr für Wartung und Reparatur der Tränkestellen und des etwa acht Kilometer langen Zaunes.

Rose und ist froh, dass die Tiere nun ihr Sommerquartier bezogen haben und glücklich vereint mit Spaziergängern und Segelfliegern die schönsten Monate des Jahres auf dem Dörnberg verbringen können. Angst brauche übrigens niemand zu haben, auch wenn die Vierbeiner hier und da auch mal Interesse an einem Picknick zeigen sollten. „Die wollen nur spielen“, sagt Rose lachend. „Im Ernst: Auf dem Dörnberg weiden nur weibliche Tiere und kastrierte Bullen.“ Die seien in der Regel friedlich, ganz so wie die Stimmung, wenn die Sonne den Hohen Dörnberg in herrliches Morgenlicht hüllt.

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