1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Habichtswald

Auftrieb am Rinderstall: Jungvieh erobert vor vielen Zuschauern den Dörnberg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dorina Binienda-Beer

Kommentare

:Das junge Publikum am Rinderstall
Nah dran am Geschehen: Das junge Publikum am Rinderstall genoss das tierische Spektakel ganz besonders. © Dorina Binienda-Beer

Bis in den Oktober hinein werden die Rinder am Dörnberg die Sommerfrische genießen können. Auch das Publikum genoss das große Spektakel am Rinderstall

Zierenberg – Gegen Konditionsschwäche sind auch vierbeinige Kraftpakete nicht gefeit. Als Else und ihre Gefährtinnen nach anstrengendem Aufstieg ihr Wanderziel unterhalb der Wichtelkirche am Dörnberg endlich erreicht haben, ist die Puste weg.

Ganz gemächlich schieben sich die bisher nur stallgewohnten jungen Rinder aus dem Treibewagen. Werfen noch ein paar prüfende Blicke in Richtung der vielen gut gelaunten Besucher hinter dem Weidetor.

Und trotten schließlich in die Freiheit ihrer Sommerfrische. Die meisten Artgenossinnen reisen unterdessen bequemer an. Sie lassen sich von ihren Landwirten mit Hängern in das mehr als 100 Hektar große Paradies chauffieren.

Szenen wie im Alpenraum des Zierenbergers Viehauftrieb beim alten Rinderstall

Szenen wie im Alpenraum bot am Samstag der Zierenberger Viehauftrieb beim alten Rinderstall. Lange hatten Freunde der landwirtschaftlichen Traditionsveranstaltung auf dieses Ereignis gewartet, das wegen der Pandemie zweimal ohne Publikum über die Bühne, sprich Wiese gehen musste.

Heute strahlt Thomas Rose. Alles wieder wie vor Corona. Der Vorsitzende des Ortsbauernverbandes Zierenberg und damit auch Vorsitzende der Weidegemeinschaft erinnert sich nur mit Grausen an die beiden einsamen Viehauftriebe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Das war so traurig.“

Nun kann die rustikale Sause am und im alten Rinderstall wieder in großer Runde steigen. Gründe zu feiern gibt es genug. Dass die jungen Rinder im frisch ergrünten Sommerquartier bis Oktober ein freies Leben in urwüchsiger Natur werden genießen können.

„Ohne Rinder wäre Urwald“ , sagt Thomas Rose

Dass ihre Heimatbetriebe sich solange nicht ums Füttern und Misten scheren müssen. Dass die Beweidung der Naturschutzflächen hier oben am Dörnberg Verwilderung und Verbuschung Einhalt gebietet.

„Ohne Rinder wäre Urwald“, sagt Thomas Rose. 112 ausschließlich weibliche Tiere aus sechs einheimischen Betrieben werden in den nächsten Monaten knabbern, was das Zeug hält.

Drei gefasste natürliche Quellen helfen gegen den Durst. Vorausgesetzt, es steht kein Dürresommer bevor. Dann müssen die Landwirte Wasser heranfahren – so wie 2018. Auch sonst gibt es für sie einiges zu tun.

500 Arbeitsstunden für Wartung und Reparatur von Tränkestellen und Zäunen

Rund 500 Arbeitsstunden jährlich wenden die Mitglieder des Ortsbauernverbandes für Wartung und Reparatur von Tränkestellen und Zäunen auf, Letztere haben eine Länge von immerhin acht Kilometern.

Außerdem gilt es, Brennnesseln und Disteln zu mähen, teilweise von Hand mit Sensen. Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind hier tabu. So verlangt es die geförderte Bewirtschaftung nach dem Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM).

Davon bekommt das bunte Völkchen aus Fleckvieh, Charolais, Galloway, Limousin, Deutsche Angus und Kreuzungen dieser Rassen naturgemäß nichts mit. Auch nicht, dass Amtstierärztin Dr. Christina Werner vom Veterinäramt Wolfhagen beim Auftrieb nach dem Rechten schaut.

Ordnung muss sein. Nur gesunde Tiere dürfen in den Sommerurlaub

Ordnung muss sein. Nur gesunde Tiere dürfen in den Sommerurlaub. Einchecken ist auch unerlässlich: mithilfe der Identifizierungsmarke im Ohr. Rose führt über die angemeldeten Ankömmlinge akribisch Buch.

In den kommenden zwei Wochen, weiß er, müssen sich die Urlauberinnen erst mal kennenlernen. Danach wird eine das Sagen haben. Und augenzwinkernd berichtet er auch: „Manchen Landwirt überkommt ein bisschen Abschiedsschmerz.“

Else und ihre Stallschwestern haben andere Sorgen. Auch bei Rindern gibt es Muskelkater. (Dorina Binienda-Beer)

Auch interessant

Kommentare