Kinderfest als Protestaktion

Eltern in Ehlen wehren sich gegen Schließung des Spielplatzes

Setzen sich für den Erhalt des Spielplatzes am Friedhofsweg in Ehlen ein: (von links) Monika Diekmann, Petra Goldmann und Susanne Dorr.
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Setzen sich für den Erhalt des Spielplatzes am Friedhofsweg in Ehlen ein: (von links) Monika Diekmann, Petra Goldmann und Susanne Dorr.

Von der Schließung des Spielplatzes am Friedhofsweg in Ehlen wurden sie überrascht. Am Mittwoch tagten die Gemeindevertreter, am Morgen stand bereits der Bauzaun, der den Zutritt verwehrt.

Susanne Dorr, Petra Goldmann und Monika Diekmann wollen das nicht hinnehmen. Sie wehren sich gegen die Schließung und wollen weitere Menschen in Habichtswald mobilisieren, die für einen Erhalt des Spielplatzes sind.

Die Frauen sammeln Unterschriften, haben eine Facebook-Gruppe eröffnet und wollen am Samstag, 17 November, ab 13 Uhr auf einer dem Spielplatz gegenüberliegenden Wiese ein Fest feiern, bei dem sie ihren Protest kundtun möchten. „Der Spielplatz wird von Kindern genutzt“, sagt Petra Goldmann. Sie weiß, dass ihre Aussage im Widerspruch steht zu den Angaben aus dem Habichtswalder Rathaus. Doch Goldmann wohnt nur einen Steinwurf entfernt, und so bekomme sie ganz gut mit, wie stark das Gelände frequentiert werde. Gerade aufgrund seiner Naturnähe und wegen des Bachs sei der Spielplatz beliebt, sagen Susanne Dorr und Monika Diekmann. Grundschüler nutzen ihn ebenso wie die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte „Kunterbunt“.

Die Kinder liebten das Spiel an der Warme, ließen dort Schiffchen fahren. Auch sei er unter den Spielplätzen in Ehlen derjenige, auf dem es am Abstand den meisten Schatten gebe. Sein Abenteuercharakter und auch der Pferdehof direkt gegenüber machten den Standort besonders attraktiv.

Wenn die Gemeinde den Spielplatz zur Warme hin mit einem Zaun sichern müsse, solle sie es tun, sagt Susanne Dorr. Dagegen sei nichts einzuwenden. Allerdings kommt den drei Frauen das von der Gemeinde vorgebrachte Argument der Sicherheit fadenscheinig vor. Sie sagen: Wenn der Spielplatz zurückgebaut ist und die Geräte verschwunden sind, dann plätschert die Warme immer noch dahin. Sie wird auf die Kinder weiter anziehend sein, allerdings, so Petra Goldmann, sei die Gemeinde bei Unfällen nicht mehr verantwortlich.

Diekmann, Dorr und Goldmann glauben, dass der Spielplatz aus Kostengründen geschlossen wurde. „Es ist nicht richtig, dass an den Kindern gespart wird“, sagt Dorr. Es gebe einige Bürger, die für neue Geräte spenden würden. Auch hätten Kinder bereits Müll aufgesammelt. Verwahrlost, wie der Spielplatz in den Anträgen der Fraktionen beschrieben wird, ist er für die drei Ehlenerinnen nicht.

Verstimmt sind die Frauen wegen eines anderen Details. So habe es nur wenige Tage vor der Gemeindevertretersitzung am vergangenen Mittwoch in der Kita einen Elternabend gegeben. Dort hätte die Gemeinde der Elternschaft erklären können, weshalb der Spielplatz geschlossen werden soll. Stattdessen seien quasi über Nacht Tatsachen geschaffen worden. Am heutigen Mittwoch wollen sich die Frauen mit Bürgermeister Thomas Raue treffen und über den Spielplatz reden.

Der Zustand des Spielplatzes am Friedhofsweg ist seit vielen Jahren schlecht, sagt Bürgermeister Thomas Raue (SPD). Bei wöchentlichen Kontrollen seien nur ganz selten Kinder angetroffen worden. Raue verteidigte die Entscheidung der Gemeindevertreter in den Ausschüssen, den Spielplatz abzuschaffen. Alle Fraktionen seien sich darin einig, dass der Spielplatz wegkomme. 

Die frei werdende Fläche könne als Ruhezone für Friedhofsbesucher und Spaziergänger genutzt werden. Der in der Nähe befindliche Bolzplatz solle saniert werden, der Sozial-, Kultur- und Tourismusausschuss werde ein Konzept erstellen. 

Gründe, die mit der Lage des Platzes zu tun haben, machten die Nutzung für spielende Kinder gefährlich. So fließt ganz nah die Warme. „Wir müssten das Gelände eigentlich einzäunen“, sagt Raue und nimmt mit seiner Aussage Bezug auf eine entsprechende Norm des TÜV. Erschwerend hinzukomme, dass der Platz im Überschwemmungsgebiet liege. Ein Zaun müsste so platziert werden, dass er sich zehn Meter entfernt vom Gewässer befindet – „dann bleibt keine bespielbare Fläche mehr übrig“. Bei einem Hochwasser müsste der Zaun schnell entfernt werden. 

Wenn nun die Möglichkeit wegfällt, am Friedhofsweg zu spielen, fänden Kinder an vier anderen Stellen in Ehlen Alternativen: an Schwalbenweg, Rennweg, Ederweg und In der Spitze. Drei weitere Spielplätze gibt es in Dörnberg. Alle Fraktionen seien sich einig, dass die frei werdende Fläche nicht neu beplant werden soll. „Vielmehr soll eine Aufwertung des Geländes dahingehend erfolgen, dass insbesondere für Jugendliche ein attraktives Angebot geschaffen werden soll“, so Raue. 

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