„Es ist die richtige Zeit“

Habichtswalds Parlamentschef Hans-Georg Nußbeck sagt nach 20 Jahren Adieu

Hans-Georg Nußbeck läutet zum letzten Mal die Glocke: 20 Jahre lang leitete er das Parlament der Gemeinde Habichtswald.
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Hans-Georg Nußbeck läutet zum letzten Mal die Glocke: 20 Jahre lang leitete er das Parlament der Gemeinde Habichtswald.

Für Hans-Georg Nußbeck war der Donnerstag ein Datum, um das er seine Gedanken schon lange kreisen ließ. 20 Jahre stand er an der Spitze des Habichtswalder Parlaments. Nun ist Schluss.

Habichtswald - Hinter Nußbeck liegen 160 Sitzungen. In all den Jahren hat er es vielleicht drei Mal einem seiner Vertreter überlassen müssen, die Handglocke zu schwingen, um damit für alle hörbar die Parlamentssitzung zu eröffnen. Die glänzende Schelle, auf der neben seinem eigenen Namen nur die seiner beiden Vorgänger Kurt Jordan (1972 bis 1981) und Helmut Klein (1981 bis 2001) eingraviert sind, wird nun an seinen Nachfolger übergehen, der nach der Kommunalwahl in der konstituierenden Sitzung im Frühjahr aus der Mitte des neuen Parlaments bestimmt wird.

Überraschend kommt Nußbecks Rückzug aus dem kommunalpolitischen Ehrenamt nicht. Schon vor anderthalb Jahren hatte er seinen Schritt angekündigt und so betonte der 71-Jährige auch am Donnerstagabend, „es ist die richtige Zeit“. Gerne habe er das Amt ausgefüllt. Nußbeck kam oft als Erster in den Sitzungssaal. Dann legte er die abgewetzte, braune Ledertasche vor sich ab, entnahm ihr die Beschlussunterlagen und die Bimmel, ordnete beides auf dem Tisch und nutzte die Zeit bis zum Sitzungseintritt für Gespräche mit Abgeordneten und Mitgliedern des Gemeindevorstandes. Mit viel Ruhe und Sanftmut tat er dies. Und so manövrierte er auch durch die Tagesordnungen. Sein Stil waren die leisen Töne. Laut wurde er nie.

Da passt es ins Bild, dass er, wie er selbst sagt, Ehrungen und Lobgesänge nicht sonderlich mag. Und doch musste er genau das am Donnerstagabend über sich ergehen lassen. Und er tat dies mit einem Lächeln der tief empfundenen Rührung und räumte ein, doch sehr überwältigt zu sein. Zuvor hatten sich im Saal alle von ihren Plätzen erhoben und Hans-Georg Nußbeck eine Minute lang Beifall geklatscht. Der 71-Jährige nahm Blumen, Fresspakete und Dinge in Empfang, mit denen die Fraktionen und der Gemeindevorstand dem scheidenden Parlamentschef den Abgang versüßen möchten.

„Menschen, wie du einer bist, sind der Grund, weshalb die Demokratie so stabil ist“, gab SPD-Fraktionschef Martin Rosowski dem Dörnberger mit auf den Weg, der für die SPD 36 Jahre im Gemeindeparlament saß. Dr. Anna Kuntzsch, Chefin der WGH-Fraktion, lobte Nußbecks verlässliche, besonnene, sachliche und gerechte Art. Und auch Sascha Rühl, der für die CDU-Fraktion sprach, betonte, allergrößten Respekt vor dem Urgestein der Habichtswalder Kommunalpolitik zu haben.

Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer drückte seine Freude darüber aus, Nußbeck in den ersten Wochen seiner Amtszeit an seiner Seite gehabt zu haben. Er hoffe, auch künftig auf seinen Rat zählen zu können. Nicht nur als Vorsitzender der Gemeindevertretung hat sich der Dörnberger in Habichtswald, wo er mit seiner Frau Ruth seit 1978 lebt, engagiert. Als Vorsitzender des Vereinsrings, in der Feuerwehr, im VdK und im Heimat- und Geschichtsverein mischte Hans-Georg Nußbeck in den vergangenen Jahrzehnten mit. „Du hast eine Menge Spuren hinterlassen“, fasste der Rathauschef zusammen.

Bevor Hans-Georg Nußbeck zusammen mit seiner Frau die Mehrzweckhalle verließ – aus alter Gewohnheit hatte er die Glocke versehentlich wieder in seiner Ledertasche versinken lassen – richtete er noch ein paar Worte an die Runde: Er hoffe, dass nach der Kommunalwahl wieder mehr junge Leute Zugang zum Parlament finden werden. Das würde der Gemeinde guttun.

Von Antje Thon

Umringt von den Fraktionen: Hans-Georg Nußbeck verabschiedet sich nach 36 Jahren aus Habichtswalds Kommunalpolitik.

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