Klage in Ehlen über Schäden auf Feldern

Fehlende Zäune an A44 verhindern Jagd auf Wildschweine

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Wird auch als Schwarzwild bezeichnet: Das Wildschwein ist auf fast allen Kontinenten verbreitet. Der borstige Paarhufer ist ein genügsamer Allesfresser und gilt als äußerst anpassungsfähiges Tier. In Ehlen klagt die Jagdgenossenschaft nun darüber, dass Wildschweine Schäden auf Feldern von Bauern hinterlassen. Doch das Jagen der Tiere ist an der A44 momentan zu gefährlich. Weil Schutzzäune fehlen, könnte es passieren, dass die Tiere auf die Autobahn flüchten - dabei könnte es zu Unfällen kommen.

Ehlen. Landwirte, die die Flächen um Ehlen bewirtschaften, klagen über zu viele Wildschweine. Weil Schutzzäune fehlen, kann keine Jagd auf die Tiere gemacht werden. Sie könnten sonst auf die A44 laufen.

Artikel aktualisiert um 15.08 Uhr - Die Tiere sorgen nicht nur für Ausfälle bei Mais und Weizen, die Schäden gehen auch richtig ins Geld.

Die Zahl der Wildschweine habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, die Jagdpächter kämen mit ihren Abschüssen nicht hinterher, sagt Johannes Gerhold von der Jagdgenossenschaft, in der sich die Landbesitzer zusammengeschlossen haben.

Die Jagdgenossenschaft hatte aus diesem Anlass jetzt zu einem Gespräch geladen. Neben Landwirten und Jagdpächtern kamen auch Vertreter von Hessen Forst, Hessen Mobil, dem Naturschutzbund und der Gemeinde Habichtswald.

Aus Sicherheitsgründen keine Bewegungsjagden an A44

Alle gemeinsam kreisten sie das Problem ein. Und das besteht zum einen in der hohen Wilddichte im Habichtswald und im Schutzgebiet Seilerberg des Naturschutzbundes. Zum anderen kann das Schwarzwild nicht effektiv genug bejagt werden, sagt Uwe Zindel, Leiter des für den Habichtswald zuständigen Forstamtes Wolfhagen. Wegen der großen Nähe zur A44 würden sich aus Sicherheitsgründen Bewegungsjagden verbieten, bei denen üblicherweise zahlreiche Tiere erlegt werden. Denn es fehlen Wildschutzzäune, die ein mögliches Ausweichen des Schwarzwildes auf die Autobahn verhindern.

Zwischen der Anschlussstelle Zierenberg und dem Parkplatz Hundsberg hatte eine Firma mit der Installation eines Zaunes begonnen, allerdings stehen noch restliche Arbeiten aus. Weil das Zaun-Problem noch nicht geklärt sei, habe eine Bewegungsjagd für den Bereich Habichtswald wieder abgesagt werden müssen, sagt Zindel.

Bald drei Wildschutzzäune an A44

Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil, kündigte an, dass zwischen der Anschlussstelle Zierenberg und Schauenburg-Hoof insgesamt drei Wildschutzzäune errichtet werden. Zu Beginn der großen Jagden im Herbst, so die Planungen, sollen die Arbeiten erledigt sein.

„Für den Ausgang des Gespräches hätte ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht“, sagt Johannes Gerhold, der grundsätzlich aber zufrieden ist mit dem Austausch. So habe es vonseiten des Naturschutzbundes das Zugeständnis gegeben, an den Rändern des Schutzgebietes wechselnde Tiere erlegen zu dürfen. Gleichzeitig bedauert er, dass es vorerst keine revierübergreifende Bewegungsjagd geben wird, die die Bestände drastisch reduzieren würde. Doch er könne nachvollziehen, dass eine massive Bejagung derzeit aus Gründen der Sicherheit nicht zu verantworten ist.

Weil der letzte Winter für die Wildschweine recht hart war und die Trockenheit der vergangenen Monate die Population auf natürlichem Wege dezimiert habe, habe sich die Situation in diesem Jahr etwas entspannt. Doch Gerhold, der selbst Landwirt ist, weiß, dass das ihm und seinen Kollegen bestenfalls eine Verschnaufpause beschert. In den vergangenen beiden Jahren hätten die Wildschäden jeweils über 10.000 Euro gelegen. Der Jagdpächter könne nur bis 5000 Euro zur Kasse gebeten werden, für die Differenz müsse die Jagdgenossenschaft aufkommen.

Was ist eine Bewegungsjagd?

Zu Bewegungsjagden gehören mehrere spezifische Arten von Jagd. Zu den Merkmalen einer Bewegungsjagd gehören, dass mehrere Treiber und/oder Schützen mit Hunden zusammen jagen. In der Regel sind mindestens vier Personen beteiligt. Die grundsätzliche Idee: Das Wild wird durch Hunde oder Menschen (in dem Fall Treiber) dazu gebracht, sich zu bewegen und aus dem Versteck zu kommen. Häufig wird das Wild dann direkt auf den Stand des Jägers getrieben, dem es so leichter fällt, ein Tier zu treffen.

Einen Artikel über eine Bewegungsjagd im Bereich des Forstamtes Wolfhagen haben wir in einem separaten Artikel für Sie.

Das Video stammt nicht von hna.de, sondern von der externen Video-Plattform Glomex.

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