Fische können bald leichter wandern

Gemeinde Habichtswald entfernt Wehre in der Warme

Machen die Warme für Fische wieder durchlässig: Habichtswalds Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer (von links), Bauleiter und Baggerfahrer Gerhard Heiße von der Firma Beisheim, Bauamtsleiter Manfred Zenker, Landschaftsplaner der Firma Wagu, Daniel Floride und Bauarbeiter Manfred Roll.
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Machen die Warme für Fische wieder durchlässig: Habichtswalds Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer (von links), Bauleiter und Baggerfahrer Gerhard Heiße von der Firma Beisheim, Bauamtsleiter Manfred Zenker, Landschaftsplaner der Firma Wagu, Daniel Floride und Bauarbeiter Manfred Roll.

Von den ersten Gesprächen im Jahr 2015 bis zur Anfahrt des Baggers an das Ufer der Warme bei Ehlen gingen sechs Jahre ins Land. Der Bach soll auf dem Gebiet der Gemeinde Habichtswald für Wasserbewohner wieder passierbarer werden.

Habichtswald - In den kommenden Wochen werden fünf Querbauwerke beseitigt – drei größere Abstürze und Wehre sowie zwei kleinere Hindernisse. Die Arbeiten sind eingebunden in ein größeres und zeitlich langfristiges Projekt, innerhalb dessen die schon jetzt naturnahe Warme noch mehr von ihrem ursprünglichen Charakter zurückbekommen soll. Störende Bauwerke werden beseitigt. Der Bach ist Bestandteil des Natura 2000 Schutzgebietsnetzes und ab Ehlen bis zur Mündung in die Diemel zusammen mit den beidseitigen jeweils zehn Meter breiten Uferstreifen Flora-Fauna-Habitat (FFH). Ziel ist es, bis zum Jahr 2027 sämtliche Barrieren, die den Aufstieg von Bachforellen, Groppen, Äschen und Bachneunaugen verhindern, in dem 33 Kilometer langen Bach zu entfernen.

Diese Zeitschiene gilt nicht nur für die Warme, sondern hessenweit für alle oberirdischen Gewässer, und ist eingepasst, in die Europäische Wasserrahmenrichtlinie für den Schutz und die Bewirtschaftung von Gewässern. Dass dieser Zeitplan sehr ambitioniert ist, weiß Herbert Welteke nur zu gut. Welteke ist Mitarbeiter in der Abteilung Umwelt- und Arbeitsschutz beim RP Kassel und zuständig für oberirdische Gewässer. Problematisch werde die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie dort, wo Wasserkraftanlagen in Betrieb sind. Denn für die Energiegewinnung würden bestimmte Wassermengen benötigt. An der Stelle müsse der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz gelöst werden. Und das beanspruche Zeit.

Ein weiterer Zeitfresser beim Abbau von Querbauwerken sind oftmals die Gespräche mit den Grundstückseigentümern. Zwar befindet sich das Gewässer selbst im Eigentum der Kommune, die angrenzenden Grundstücke, für die mit den privaten Eigentümern im Zuge der Arbeiten ein Betretungsrecht vereinbart werden muss, verlange aber Geduld, sagt Habichtswalds Bauamtsleiter Manfred Zenker.

Finanziert wird das Naturschutzprojekt vom RP Kassel. Die Gemeinde Habichtswald tritt als Partnerin auf, die auch die Planung der Arbeiten beauftragt hat. Die fünf Bauwerke, die nun entfernt werden, befinden sich südlich von Ehlen (ehemalige Fischteiche), nahe dem Friedhof, an der Unterquerung der Bundesstraße, in den Warmewiesen und schließlich am Wehr, das einst zur Habichtssteiner Mühle gehörte.

Das Wehr oberhalb der Mühle ist das größte Hindernis. Dennoch werde nur ein kleiner Teil des Bauwerkes entfernt, sagt Landschaftsplaner Daniel Floride vom Büro Wagu. Beseitigt werde eine Nase aus Beton, die den Bach derzeit ans Ufer drängt, und ein Absatz. Insgesamt müsse eine Höhe von anderthalb Metern auf eine längere Strecke verteilt werden. Das geschehe, indem alle drei bis vier Meter Natursteine und Kies in den Bach eingebaut werden. So entstehe eine Art Rampe, wodurch die Fließgeschwindigkeit des Wassers reduziert werden könne, sagt Bauleiter Gerhard Heiße von der Firma Beisheim.

Davon profitieren nicht nur Fische und Neunaugen. Das sei auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz, so Floride. Denn der Lauf der Warme verlängert sich und damit verliert das Wasser an Kraft, wodurch Druck von den Ufersäumen genommen wird.

Wasserkraftwerke sind kaum passierbar

Ab wann sich der Erfolg messen lässt, der mit dem Abbau von Wanderbarrieren in Bächen einhergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, sagt Herbert Welteke vom RP Kassel. Ein Fließgewässer sollte für Wasserbewohner sowohl bachaufwärts als auch -abwärts passierbar sein. Wasserkraftanlagen, von denen es an der Warme ab Zierenberg in Richtung Diemel einige gibt, müssen von Fischen umwandert werden können und die Rechen sollten eine bestimmte Breite besitzen.

Leider sei die Passierbarkeit einiger Wasserkraftwerke an der Warme bestenfalls bedingt bis gar nicht möglich oder nur bei Hochwasser. Betroffen sind die Neue Mühle, Sägewerk Liese, Campingplatz und eine Rampe bei Zierenberg, Wasserkraftwerke bei Laar, Hohenborn, Niedermeiser und Zwergen. Insofern, sagt Welteke, beziehe sich die Durchgängigkeit der Warme vorerst nur auf einzelne Abschnitte. Sind diese Segmente sehr klein, etwa zwischen den Anlagen in Laar und Hohenborn, hat das negative Auswirkungen auf die Population dort.

(Antje Thon)

Machen es Forellen, Groppen und Neunaugen schwer, bachaufwärts zu ihren Laichplätzen zu wandern: Querbauwerke wie dieses Wehr oberhalb der Habichtssteiner Mühle. Die Betonnase (Bildmitte) wird abgetrennt und der Absturz darüber entfernt. Natursteine und Kies werden eingebaut und sorgen für weniger Gefälle in der Warme.

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