Florian Plettenberg aus Habichtswald war dabei, als in München Panik ausbrach

Abgesperrt: Polizisten sicherten nach dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum das Gelände um den Münchner Hauptbahnhof. Der junge Reporter Florian Plettenberg (28, kleines Foto) erlebte, wie unter den Passanten Panik ausbrach. Fotos: dpa/privat

München. Als am Freitagabend nach dem Amoklauf im Einkaufszentrum das Chaos am Münchner Hauptbahnhof ausbrach, war Florian Plettenberg mittendrin.

Der gebürtige Habichtswalder (Kreis Kassel) macht derzeit ein Volontariat an der Axel Springer Akademie und war mit der S-Bahn von einem Einsatz für Bild zurückgekommen, als sich am Ostportal des Hauptbahnhofes Panik ausbreitete.

„Die Menschen begannen zu schreien, als würden sie in der Achterbahn sitzen, alle rannten umher, schienen sich nur noch in Sicherheit bringen zu wollen, es war völlig krank“, sagt der 28-Jährige, der selbst um sein Leben rannte, einfach der Menge hinterher, Hunderten, vielleicht Tausenden. Plettenberg hatte Todesangst.

Eine halbe Stunde zuvor sei noch alles ruhig gewesen. Nur eines sei ihm aufgefallen: „An den Bahnhofsausgängen hatten sich mehrere Polizisten postiert, und so begann ich mit der Recherche.“ Irgendwann hätten die ersten Hubschrauber am Himmel gekreist, kurz drauf sei die Situation außer Kontrolle gewesen.

Passanten seien auf den nassen Straßen ausgerutscht, hätten in ihrer Panik Jacken und Taschen von sich geworfen, um schneller in Seitenstraßen oder U-Bahnen verschwinden zu können. „Es hörte sich an, als seien Schüsse gefallen, ich dachte, Terroristen stürmen den Bahnhof.“ In einem Hinterhof angekommen, rettete er sich mit sechs Fremden hinter eine Metalltür, wo in einem winzigen Raum bereits zwei weitere Menschen ausharrten. „Wir haben die Tür von innen zugehalten und uns gegenseitig Mut gemacht.“ Zu diesem Zeitpunkt habe keiner von ihnen gewusst, was tatsächlich in München los war. „Es hätte ja alles sein können“, sagt der junge Journalist, der auf der Flucht seinen Rucksack samt Laptop und Handy verloren hatte.

Der kleine Raum, in dem er endlose Minuten verbringen musste, entpuppte sich als Lagerraum eines Hotels. Mit einem geliehenen Telefon verständigte er Redaktion und Familie, dass er in Sicherheit war und verfolgte fortan in der Lobby die Nachrichten. „Raus getraut habe ich mich zunächst nicht, erst viel später, da bin ich noch mal ganz vorsichtig zum Bahnhof gegangen.“ Dort sei es gespenstisch gewesen, offene, aber verlassene Geschäfte, beängstigende Leere. Nach Hause wollte er nun nicht mehr, er übernachtete im Hotel. „Ich würde auch in Zukunft wieder berichten, aber nicht mehr so naiv, denn ich weiß jetzt, dass mir überall etwas passieren kann und man auch als Reporter nicht unverwundbar ist.“

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