An der Warmetalstraße

„Die brettern hier richtig durch“: Anwohner klagen über Raser in Ehlen

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Ärgert sich über Fahrzeuge, die zu schnell fahren: Günter Markert aus Ehlen. Er wohnt auf dem Eckgrundstück zwischen Warmetalstraße und Breslauer Straße und kann täglich das Geschehen vorm Fenster verfolgen.

In Habichtswald-Ehlen sind die Raser unterwegs: Anwohner klagen über viele Autofahrer die mit hohen Geschwindigkeiten durch den Ort fahren.

Ehlen - Von den hohen Geschwindigkeiten, die auf der Warmetalstraße in Ehlen gefahren werden, sind Ingrid und Günter Markert genervt. „Die brettern hier richtig durch“, sagt der 68-Jährige.

Das nahe Ortsschild verleite viele Verkehrsteilnehmer dazu, aus Richtung Zierenberg in den Ort zu rasen und erst spät abzubremsen. Aber auch, wer am linken Straßenrand die Wiesen erblicke und das gelbe Schild, trete das Gaspedal durch, noch bevor er Ehlen in Richtung Zierenberg verlässt.

Im Sommer 2015 hatte sich der Rentner an den Ordnungsbehördenbezirk gewandt und um Tempokontrollen gebeten. Auf seinen Brief folgte ein Gespräch mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes. 

Geschwindigkeitsmessungen nur im Mindestabstand zum Ortsschild von 100 Metern

Der habe ihm erklärt, dass nach einem Erlass bei Geschwindigkeitsmessungen ein Mindestabstand zum Ortsschild von 100 Metern einzuhalten sei. Damit dürften im Bereich der Breslauer Straße und vor seinem Grundstück keine Kontrollen vorgenommen werden. Die Messungen seien schließlich an anderer Stelle an der Warmetalstraße erfolgt. „Das war's.“ Mehr sei seitdem nicht passiert.

Sie fahren in einer Sekunde 14 Meter

Markert war beruflich lange Zeit im Bereich Straßenverkehr tätig und kann die Geschwindigkeit von Fahrzeugen gut abschätzen. „Wenn jemand mit 50 km/h vom Ortsschild aus bis zu unserem Haus fährt, legt er in einer Sekunde 14 Meter zurück“, rechnet er vor. 

Bei diesem Tempo dürften sie erst nach etwa sechs Sekunden das Grundstück erreichen. „Wenn sie nach vier Sekunden vorbei sind, heißt es, dass schneller gefahren wird.“ Wenn es mit den Kontrollen so schwierig sei, könne doch zumindest ein Geschwindigkeitsanzeiger aufgestellt werden, schlägt er vor.

Mütter sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder

Unterstützung für die Forderung der Markerts nach Tempokontrollen gibt es aus der Nachbarschaft. In den vergangenen Jahren haben sich dort zwei junge Familien mit kleinen Kindern niedergelassen. 

Die Mütter sorgen sich um die Sicherheit ihres Nachwuchses. Stefanie Brockmeyer bekommt bei dem Gedanken ein mulmiges Gefühl, wenn ihr Kind eines Tages zu Fuß oder mit dem Rad den Gehweg an der Warmetalstraße benutzen wird. 

Fahrzeuge weichen auf Bürgersteig aus

Der sei sehr schmal und wenn Fahrzeuge vorbeiführen auch sehr gefährlich. Sie selbst meide ihn, nehme lieber den Umweg über die Breslauerstraße in die Ortsmitte.

Laut Markert wichen Fahrzeuge im Begegnungsverkehr oft auf den Bürgersteig aus. „Wenn ich die Rhododendren schneide, habe ich Angst, dass sie mir den Hintern abfahren.“

Fahrer hupen Anwohner an

Probleme haben auch die Nachbarn, deren Grundstück ortseinwärts an das der Markerts angrenzt. Die Frau, die mit ihrer jungen Familie vor einem Jahr dort eingezogen ist, meldete sich im vergangenen Jahr bei der Gemeinde und bat um Tempokontrollen. 

„Wir hätten dafür unsere Einfahrt zur Verfügung gestellt“, sagt sie. Doch wegen der Abstandsregelungen seien keine Messungen erfolgt. Insbesondere in den Morgenstunden zwischen 6 und 8.30 Uhr und am späten Nachmittag bis 18 Uhr sei es schlimm. 

Anwohnerin darf keinen Spiegel für mehr Einblick anbringen

Um auf ihr Grundstück zu gelangen, müsse sie von der Landesstraße aus rückwärts in die Einfahrt einfahren. „Beim Ein- und Ausfahren werde ich regelmäßig angehupt“, sagt sie. Auch Gefahrenbremsungen kämen immer wieder vor. Einen Spiegel, der ihr mehr Einblick in die unübersichtliche Straße geben könnte, dürfe sie auf dem gegenüberliegenden Grundstück aber nicht aufstellen. 

Anzeigetafel wird im Frühjahr aufgestellt

Weniger als zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer fahren auf der Warmetalstraße in Ehlen schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde, fasst Alexander Ashauer, Leiter des Ordnungsbehördenbezirks Habichtswald, die Ergebnisse der Messung zusammen. „Das ist nicht sehr alarmierend.“ 

Die Kontrollen lägen allerdings ein paar Jahre zurück. Aufgrund eines Erlasses habe auch nicht an der von Günter Markert gewünschten Stelle kontrolliert werden dürfen, sondern einige Meter weiter Richtung Ortsmitte. „Der Abstand zum Ortsschild muss mindestens 100 Meter betragen“, sagt Ashauer.

Geschwindigkeitstafel speichert Tempo der Autofahrer

Im Frühjahr soll für zwei bis vier Wochen am Standort die Geschwindigkeitsanzeige der Gemeinde aufgestellt werden. Sie zeigt Autofahrern das Tempo an, mit dem sie unterwegs sind. Zudem speichert das Gerät die Daten. 

Die Technik sei sehr gefragt, weil sich regelmäßig Anwohner meldeten, die meinten, bei ihnen in der Straße werde zu schnell gefahren. „Oft stellt sich heraus, dass es sich dabei um ein subjektives Empfinden handelt“, sagt Ashauer.

Bei vermehrten Tempoverstößen wird es wiederholt Kontrollen geben

Von einer dauerhaften Installation einer Tafel, wie es sie etwa in Wolfhagen an der Hans-Staden-Straße oder in Leckringhausen gibt, hält Ashauer nichts. Die Autofahrer gewöhnten sich daran und der Effekt verpuffe, die Geschwindigkeit zu drosseln.

Sollten die Daten der Anzeigetafel vermehrte Tempoverstöße aufzeigen, werde es zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt Kontrollen an der Warmetalstraße geben.

Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit

Immer wieder kommt es zu Unfällen aufgrund überhöhter Geschwindigkeit. Erst am vergangenen Donnerstag sind drei Teenager in Rotenburg nach einem Autounfall verletzt worden. Grund dafür war vermutlich die nicht angepasste Geschwindigkeit auf der regennassen Fahrbahn.

Auch vor dem Kirchheimer Dreieck prallte ein Wagen wegen vermutlich nicht angepasster Geschwindigkeit gegen die Schutzplanke und geht in Flammen auf. Der 47-jährige Fahrer wurde leicht verletzt.

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