Das Ende der Heißmangel

Habichtswald: Heißmangel schließt nach 65 Jahren 

Petra Hannig (von links), Gundi Seegel und Irene Marker glätten hier körbeweise Wäsche.
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Heißer Arbeitsplatz an vielen Donnerstagen: Die Mangel in Ehlen wurde im Juli geschlossen. Für die Kommune war es ein Zuschussgeschäft. Aber auch gesetzliche Vorgaben zwangen die Gemeinde zu diesem Schritt. Petra Hannig (von links), Gundi Seegel und Irene Marker glätteten hier körbeweise Wäsche.

Anfang Juli war plötzlich Schluss. Für viele in Habichtswald kam die Schließung der Heißmangel überraschend. Dabei hatten sich Probleme schon vor einigen Jahren schleichend angedeutet. Die hatten nichts mit der beherzten Arbeit der vier beschäftigten Frauen zu tun, sondern mit der betrieblichen Organisation und den Kosten.

Ehlen -Denn bei der Heißmangel im Dorfgemeinschaftshaus Ehlen handelt es sich um einen kommunalen Betrieb. Und den dürfe es nach Aussagen von Habichtswalds stellvertretenden Bürgermeisterin Birgit Bechtel (SPD) nur geben, wenn er einer gewerblichen Mangel in der Nähe keine Konkurrenz bereitet.

Doch schon im Nachbarort Zierenberg wird ebenfalls Wäsche bei hohen Temperaturen in Form gebracht, „zum Glück hat es von dort nie Beschwerden gegeben“.

Der zweite Grund, der die Schließung nun unumgänglich macht, seien die Finanzen. Jedes Jahr habe die Kommune um die 5000 Euro in den Betrieb buttern müssen. „Die Mangel unterliegt dem Umsatzsteuergesetz“, sagt Bechtel. Und so hatten die wenigen Einkünfte auch noch versteuert werden müssen.

Mit dem Beschluss des Haushalts Anfang dieses Jahres war nach 65 Jahren das Aus der wohl letzten kommunalen Heißmangel im Kreis Kassel besiegelt worden.

Die zahlreichen Kunden, die mitunter sogar aus Kassel und Wolfhagen mit ihren Wäschekörben zu den Frauen um Petra Hannig kamen, müssen nun auf den Service verzichten.

Sie brachten frisch gewaschene und zerknitterte Tischdecken, Bettwäsche, Handtücher, T-Shirts und bekamen sie glatt zurück. Abgerechnet wurde nach Minuten, für die Minute waren 90 Cent zu zahlen.

Vor allem ältere Menschen und berufstätige Frauen nutzten die Mangel

Vor allem ältere Menschen und berufstätige Frauen hätten die Mangel für sich genutzt, sagt Hannigs Kollegin Gundi Seegel, die erst vor einem Jahr zum Team stieß. Jeden Donnerstag von 10 bis 13 Uhr standen die Frauen, zu denen auch Irene Marker und Uschi Daniel zählten, in dem kleinen Raum des Dorfgemeinschaftshauses.

Wenn es viel zu tun gab, gingen die Frauen erst, wenn die letzte Wäschewanne fertig war. Dann war es deutlich nach 13 Uhr. Ihr Service war gefragt.

Die Walze erreichte schnell Temperaturen von bis zu 200 Grad, der Raum erhitzte sich rasch auf 40 Grad. Mitunter musste die Wäsche befeuchtet werden, um die Falten glatt ziehen zu können. „Dann beschlugen im Winter die Fenster“, sagt Hannig, die den Job 21 Jahre lang mit viel Enthusiasmus erledigte.

Es gab Tage, da lief den Manglerinnen der Schweiß in Strömen. „Da hilft nur viel trinken“, sagt Irene Marker. Hin und wieder sei es auch vorgekommen, dass Kunden die Frauen mit Eis, Kaffee und Kuchen versorgt hätten, sagt Hannig.

Mangel war nie kaputt

Die Heißmangel, die in mehr als sechzig Jahrzehnten nicht einmal ernsthaft kaputt ging, musste von vier Personen gleichzeitig bedient werden. Zwei schoben möglichst synchron die Wäschestücke in die Walze. Und zwei nahmen die faltenfreien Tischdecken und Laken auf der gegenüberliegenden Seite der Maschine in Empfang, um sie akkurat zusammenzulegen.

„Bei ovalen und runden Tischdecken musste man sehr aufpassen und gucken, wie die Naht läuft“, meint Hannig. Von Verbrennungen sei keine der Frauen verschont geblieben. Entweder verbrannten sie sich an der Metallplatte, an der die heiße Wäsche die Walze verlässt oder sie kamen in Kontakt mit Reißverschlüssen aus wärmeleitendem Metall.

So ganz hat die Gemeinde das Kapitel Heißmangel noch nicht ad acta gelegt. Möglicherweise könne der Service über eine ehrenamtliche Gemeinschaft weiter bestehen, regt Birgit Bechtel an. Petra Hannig, von der ihre Kollegin Gundi Seegel sagt, dass „sie die Seele der Mangel“ ist, wäre bereit, ein entsprechendes Engagement zu unterstützen.

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