Er war stellvertretender Bürgermeister

Habichtswald: Neidhard Heinemann hört nach 25 Jahren auf

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Will ab sofort mehr Zeit haben für Familie und Freizeit: Neidhard Heinemann. Der Ehlener hat nach 25 Jahren sein Amt als Erster Beigeordneter in Habichtswald niedergelegt. Die Gemeindevertretersitzungen wird er künftig nur noch von den Besucherplätzen aus verfolgen.

Habichtswald. Es muss dieser harte Schnitt sein, sonst würde er sich wieder verführen lassen. Neidhard Heinemann zieht sich Ende Juni radikal aus der Kommunalpolitik zurück.

Hinter dem 64-Jährigen aus Ehlen liegen dann 33 Jahre politisches Engagement in seiner Heimatgemeinde Habichtswald, davon allein 25 Jahre als stellvertretender Bürgermeister.

Heinemann war noch nie ein Mann halber Sachen. Das war schon so, als eine Entscheidung her musste, ob das Freibad saniert oder neugebaut werden soll. Bei der Kita in Ehlen war es ähnlich. „Man darf nicht am falschen Ende sparen“, sagt der überzeugte Sozialdemokrat, der in dem Moment der SPD beitrat, als Kanzler Helmut Schmidt 1982 einem konstruktiven Misstrauensvotum zum Opfer fiel. Neidhard Heinemann wollte ein neues Erlebnisbad, eine neue Kita und fand für seine Position genügend Mitstreiter.

Viel Geld ist in den vergangenen drei Jahrzehnten in die Infrastruktur von Dörnberg und Ehlen geflossen. Straßen und Kanäle wurden saniert, die Mehrzweckhalle renoviert, das Dorfgemeinschaftshaus bekam einen Anbau und in beiden Ortsteilen wurden Dutzende Häuser für Familien gebaut. „Es ist schön, wenn man den eigenen Wohnort mitgestalten kann“, sagt der Pensionär, der Habichtswald auf einem sehr guten Weg sieht, der aber auch weiß, dass die Nähe zu Kassel den vielen gemeindlichen Bemühungen gehörig in die Karten spielt.

Als Erster Beigeordneter hat er zweieinhalb Jahrzehnte lang die Bürgermeister Wolfgang Aßhauer und Thomas Raue vertreten. Als Mann, der nur in der zweiten Reihe stand, hat er sich dabei nie gefühlt. Im Gegenteil: Bei Wahlen hätten ihm viele Menschen ihr Vertrauen geschenkt und ihn in diese „herausgehobene Position“ gebracht.

Irgendwann hatte er auch mal darüber nachgedacht, selbst als Bürgermeisterkandidat seinen Hut in den Ring zu werfen. Doch zeitlich passte es nicht. „Als Rolf Karwecki aufhörte, war ich zu jung. Und als Wolfgang Aßhauer ging, war ich zu alt“, sagt der Verwaltungsoberrat, der seine berufliche Laufbahn beim Landeswohlfahrtsverband verbrachte. Als Kommunalpolitiker kam er zuletzt an einen Punkt, an dem sich Routine einstellte und Kreisläufe sich wiederholten. „Dann neigt man dazu, die Probleme der Menschen nicht mehr so ernst zu nehmen“, sagt Heinemann selbstkritisch. Als er diese Tendenz bei sich beobachtete und eine gewisse Ermüdung festgestellte, wusste er, dass es Zeit wird, seinen Platz zu räumen.

Andere werden kommen, die sich für ihren Ort einsetzen werden – ein Satz, den der 64-Jährige hin- und herschiebt zwischen Zweifeln und Hoffen. Denn das Interesse an Politik ist nicht mehr so groß wie vor über 30 Jahren, als Heinemann sie als Betätigungsfeld für sich entdeckte. Bei Kommunalwahlen habe es damals mehr Kanidaten als Plätze gegeben. Heute ist das anders, „da muss man auf die Menschen zugehen und bitten, sich aufstellen zu lassen.“

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