Rathauschef hört nach zweiter Amtszeit auf

Thomas Raue kandidiert in Habichtswald nicht erneut für Bürgermeisteramt

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Wird für keine weitere Amtszeit kandidieren: Thomas Raue, Bürgermeister der Gemeinde Habichtswald. Seine Amtszeit endet somit am 31. Januar 2021 nach dann zwölf Jahren.

Bei der nächsten Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Habichtswald, voraussichtlich im September 2020, wird Thomas Raue (SPD) nach zwei Amtsperioden nicht wieder antreten. 

Das bestätigte der Amtsinhaber jetzt auf HNA-Anfrage. Als Grund nannte der 53-Jährige, die vor ihm liegenden Jahre nicht mit dem gleichen Enthusiasmus angehen zu können wie die zurückliegenden.

„Ich bin mir sicher, dass ich das Amt des Bürgermeisters in den nächsten acht Jahren nicht mit der gleichen Kraft und Ausdauer, dem gleichen Engagement und der gleichen Leichtigkeit meistern kann wie die bisherigen mehr als zehn Jahre“, sagte Raue. Das Amt habe Spuren hinterlassen, und die Belastungen würden nicht geringer. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und in den vergangenen Wochen alle Argumente gegeneinander abgewogen.

„Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht herunterschalten kann, und eine dritte Amtszeit nicht lockerer angehen oder gar auslaufen lassen würde“, sagt Raue. Und ein Zurücklehnen komme für ihn nicht in Frage, das wäre gegenüber den Habichtswaldern nicht korrekt. Auf die Gemeinde warteten viele Herausforderungen, die auch künftig voller Energie angegangen werden müssten.

Die SPD-Habichtswald hat Raues Entscheidung mit „tiefem Bedauern“ zur Kenntnis genommen. „Das macht uns traurig“, sagt Ortsvereinsvorsitzender Martin Rosowski. Erst Ende Februar hatten die Mitglieder beschlossen, den Amtsinhaber um eine erneute Kandidatur zu bitten. „Wir respektieren aber die persönliche Entscheidung.“ Eine Findungskommission will dem SPD-Ortsverein bis zum Herbst Kandidat/innen vorschlagen, und die Mitgliederversammlung soll vor Jahresende ihre Wahl treffen. „Das kann auch eine Frau sein“, betont Rosowski.

Ein Job mit zwei Seiten 

„Es gibt Menschen im Ort, die für ein solches Amt in Frage kommen“, sagt Rosowski. Bei der Auswahl wolle man darauf achten, dass die Person die passende berufliche Erfahrung und eine entsprechende Ausbildung mitbringe. Habichtswald sei eine sehr attraktive Kommune, die sich in den vergangenen Jahren positiv verändert habe, in der es aber auch künftig noch Gestaltungsspielraum gäbe, so der SPD-Vorsitzende.

Wie es nach dem Ende seiner Amtszeit am 31. Januar 2021 für Thomas Raue beruflich weitergeht, hat der Edertaler noch nicht entschieden. Fest aber steht: „Ich möchte auch in keiner anderen Kommune Bürgermeister werden.“ Die mehr als zehn Jahre als Rathauschef hätten ihn immer wieder mit zwei verschiedenen Seiten seines Jobs konfrontiert. So habe er einerseits viele Menschen in Habichtswald kennen- und schätzen gelernt. Viele Themen und Projekte seien während seiner Amtszeit angestoßen und für die Gemeinde umgesetzt worden. Auch in den restlichen anderthalb Jahren wolle er noch Ideen verwirklichen. Und schließlich habe er im Rathaus mit einem „tollen Team“ vertrauensvoll gearbeitet.

Doch da sei eben auch eine ganz andere Seite. Diese sei geprägt von Termindichte und zahlreichen Abend- und Wochenendveranstaltungen. Es sei kaum noch möglich, den Akku wieder aufzuladen. „Mir ist bewusst geworden, dass ich dieses Pensum nicht mehr so einfach wegstecke und oft über meine Belastungsgrenzen gehe“, so Raue. Auch seien da viele Entbehrungen gegenüber der Familie. Die Zeit für seine Familie sei sehr gering und das soziale Umfeld im privaten Bereich mittlerweile sehr überschaubar. Freizeit habe er kaum noch.

Auch hätten ihm einige politische Diskussionen zu denken gegeben. Debatten würden oft sehr persönlich geführt, was letztlich auch an ihm zehre. „Ich will nicht verhehlen, dass auch ich nicht immer fehlerfrei bin. Ein Umstand, an dem ich merke, dass ich dünnhäutiger geworden bin, und meine Leichtigkeit verloren geht.“

Wahl voraussichtlich im September 2020

Thomas Raue gewann 2007 die Bürgermeisterwahl in Habichtswald. Seit Anfang 2008 führt der Sozialdemokrat aus Edertal das Rathaus in Dörnberg. Nach seiner Wiederwahl 2013 endet seine Amtszeit am 31. Januar 2021. Zwischen Juli und September 2020 muss die Wahl stattfinden, ein Termin in den Sommerferien ist eher unwahrscheinlich. Die Gemeindevertreter legen den Wahltermin per Votum fest.

In Zierenberg wird ebenfalls mutmaßlich im September 2020 ein Bürgermeister gewählt. Ob Amtsinhaber Stefan Denn (SPD) erneut antreten will, hat er noch nicht entschieden. „Ein halbes Jahr vor der Wahl weiß ich Bescheid“, so Denn.

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