Eigenheime am Rande der Natur

Habichtswalds Parlament gibt Planungen für weitere Wohngebiete in Auftrag

Eine Wiese an der Höllchenstraße in Dörnberg.
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Auf dieser Fläche sollen bis zu drei Eigenheime entstehen. Allerdings nur unmittelbar an der Höllchenstraße und nur in einer Reihe, sozusagen gegenüber den bestehenden Häusern (rechter Bildrand). Die Fläche in der Bildmitte liegt zwar im Geltungsbereich des B-Plans, der nun erstellt wird, sie wird aber nicht bebaut. Im Gegenteil – dort soll sich ein Magerrasen entwickeln.

Diesem Beschluss des Gemeindeparlaments war in Sommer und Herbst des vergangenen Jahres eine hitzige Debatte in Habichtswald vorausgegangen. Im Mittelpunkt die Frage: Soll eine Fläche in attraktiver Ortsrandlage von Dörnberg mit bis zu drei Eigenheimen bebaut werden dürfen oder nicht?

Dörnberg – Im Spannungsfeld zwischen dem zunehmenden Bedarf an Wohnraum einerseits und dem Schutz von Natur sowie der Verhinderung von Flächenversiegelung andererseits tauschten Befürworter und Gegner Argumente aus. Auch der durch neue Häuser verstellte Blick in die Ferne spielte für den einen oder anderen eine Rolle.

Am vergangenen Mittwoch nun hat die Gemeindevertretung, in der die SPD die Stimmenmehrheit hat, die Angelegenheit entschieden und grünes Licht für die Aufstellung eines B-Planes gegeben. Damit ist für bis zu drei Familien der Traum vom Eigenheim an der Höllchenstraße greifbarer geworden. Und auch für die Bereiche „Über der neuen Wiese/Saure Breite“ wurden die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Erstellung eines Bebauungsplanes vom Parlament mit zwölf Ja- und sieben Nein-Stimmen beauftragt.

Im Vorfeld hatte es mit den Trägern öffentlicher Belange einen Scopingtermin gegeben, bei dem mehrere Flächen in Dörnberg bezüglich ihrer Eignung für eine Wohnbebauung betrachtet worden waren. Argumente, die eine Bebauung der Flächen wirklich unmöglich machen, wurden weder für das große Areal oberhalb und unterhalb der Kita, noch für das Gelände an der Höllchenstraße vorgetragen.

Die Wählergemeinschaft Habichtswald (WGH) sieht das anders. Ihrer Meinung nach seien nicht alle Aspekte, die die Naturschutzbehörden beim Regierungspräsidium und beim Landkreis Kassel in Bezug auf die Fläche an der Höllchenstraße benannt hatten, im Scopingbericht aufgeführt. Der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss habe folglich auf Basis falscher Tatsachen seine Empfehlung abgegeben. So hätten die Behörden bei den für eine Bebauung vorgesehenen Flächen eine Priorisierung vorgenommen, bei der die Flurstücke an der Höllchenstraße erst am Listenende auftauchten. Fraktionschefin Dr. Anna Kuntzsch: „UNB und RP sehen die Pläne kritisch.“ Die WGH hatte beantragt, die Entscheidung über die Flächen an Höllchenstraße und „Über der neuen Wiese / Saure Breite“ zurückzustellen. Ihr Antrag wurde am vergangenen Mittwoch abgelehnt.

Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer (SPD) kritisierte WGH-Sprecherin Kuntzsch. Sie habe aus einer E-Mail nur Auszüge und keinesfalls vollständig zitiert. Es sei zwar korrekt, dass die Naturschutzbehörden eine Bebauung an der Höllchenstraße kritisch sehen. Allerdings hätten die Behörden und die Gemeinde Habichtswald einen Kompromiss (Hintergrund) besprochen, der die Errichtung von wenigen Häusern in einreihiger Bebauung unmittelbar an der Straße möglich macht. Gleichzeitig werde eine weitere Bebauung innerhalb des Geltungsbereiches des zu erarbeitenden B-Planes ausgeschlossen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Rosowski erklärte, dass es seine Fraktion für sinnvoll erachte, die genannten Flächen in Dörnberg für eine künftige Bebauung vorzubereiten. „Es handelt sich bei beiden Flächen um Arrondierungsbereiche, die den Ortsrand zum einen harmonisch abrunden und zum anderen, vor allem mit Blick auf die „Saure Breite“, Lücken zwischen bereits bebauten Ortsteilen schließen“, sagt Rosowski. Zusammen hätten die Flächen eine Größenordnung, die angesichts des Bedarfes an Bauland für die Gemeinde angemessen erscheine. Die Bedenken der Naturschutzbehörden an einer Bebauung der Flächen an der Höllchenstraße stimmten nur bedingt. So sorge sich die UNB, dass die Eigentümer die Festsetzungen im B-Plan nicht einhalten und die Natur hinter der einreihigen Bebauung Schaden nehmen könnte. Von Anfang an sei geplant, eine Grünfläche hinter der Bebauung vorzusehen, um so dem Naturschutz Rechnung zu tragen. (Antje Thon)

Mit Heckenriegel und Beweidung den Magerrasen erhalten

Im Vorfeld des Aufstellungsbeschlusses für eine Wohnbebauung auf einer Fläche an der Höllchenstraße in Dörnberg hatte es im vergangenen Sommer einen Scopingtermin mit Trägern öffentlicher Belange gegeben. Ein solches Treffen ist dazu da, die grundsätzlichen Positionen, Möglichkeiten und Bedenken von Behörden auszuloten, noch bevor das eigentliche Bauleitverfahren in Gang gesetzt wird. Für die Fläche an der Höllchenstraße habe die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel Bedenken angemeldet, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Das Problem: In unmittelbarer Nachbarschaft zu der Fläche, die für eine Bebauung vorgesehen ist, entwickle sich seit einigen Jahren Magerrasen. „Und davon haben wir im Landkreis Kassel nicht allzu viele“, sagt Kühlborn.

Die Befürchtung der Fachbehörde bestehe darin, dass das diese Fläche durch den Eintrag von Samen aus Gärten, die dort künftig entstehen könnten, wieder verfälscht werde und an Wert verliere. Deshalb hätten sich die Naturschutzbehörde und die Gemeinde Habichtswald auf einen Kompromiss geeinigt. So soll zum schützenswerten Magerrasen hin in westliche Richtung auf der gesamten Bebauungslänge ein fünf Meter breiter Heckenriegel gepflanzt werden. Der stoppt den Samenflug. In der Hecke würden Vögel brüten, und die Fläche könne als Ausgleichsmaßnahme dienen. Und schließlich soll der Magerrasen einem Schäfer und seinen Vierbeinern zur Pflege überlassen werden. (ant)

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