Suche nach Munitionsresten

Hessen Mobil öffnet Kampfmittelverdachtspunkte auf B 251

Entwarnung: Keine Munitionsreste aus dem Krieg gefunden
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Entwarnung: Keine Munitionsreste aus dem Krieg gefunden

An der Bundesstraße 251 zwischen Dörnberg und Ehlen sucht Hessen Mobil mit einer Sonde nach Munitionsresten.

Habichtswald – Die Stimmung an der Bundesstraße 251 zwischen Dörnberg und Ehlen ist gelöst. Ein gutes Dutzend Männer steht zusammen und verfolgt mit einer Mischung aus Gelassenheit und Neugier die schabenden Bewegungen der Baggerschaufel. Sie gräbt sich Schicht um Schicht dort in den Boden, wo sich nach Recherchen und Auswertung historischer Luftbilder Kampfmittelverdachtspunkte ergeben haben.

Für die Straßenbaubehörde Hessen Mobil, die für die Erneuerung der B 251 zuständig ist, stehen von den etwa 170 magnetischen Anomalien zwischen beiden Habichtswalder Ortsteilen sechs im besonderen Fokus.

Aktuelle und alte Fotos geben Orientierung: Armin Wittmeier begleitet für Hessen Mobil die Baustellen an der B 251 zwischen Dörnberg und Ehlen. Die obere Karte zeigt die Straße heute und magnetische Anomalien. Anhand des historischen Luftbildes (unten), auf dem der alte Straßenverlauf mit Flak-Stellungen und Bombentrichter (Kreis) auf einem Feld im Süden Dörnbergs zu sehen sind, werden mögliche Gefahrenpunkte analysiert.

In Gefahr wähnt sich an diesem Morgen aber niemand. Und doch nimmt die Aufmerksamkeit der Männer spürbar zu, wenn der ferromagnetische Detektor, mit dem Feuerwerker René Walther die gerade ausgehobene Vertiefung sondiert, akustische Signale von sich gibt. Dann könnte sich etwas im Boden befinden, das dort vielleicht nicht hingehört. Oft habe man Hufeisen, Nägel, Blechdosen, auch Spaten, sagt Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil, so wieder zu Tage befördert. Über hundert Jahre alte Emaille-Schilder eines Seifenproduzenten aus Düsseldorf waren Walthers schönster Fund. Die Sonde schlägt aber auch bei Basaltschotter an, der metallhaltige Einschlüsse hat und auf dem die Fahrbahn ruht.

Mit Sorgfalt und Fingerspitzengefühl: Feuerwerker René Walther von der PD Bohr- und Sondiergesellschaft und ein Mitarbeiter der Bau-Firma Rohde schauen genau hin, was unter der Baggerschaufel zum Vorschein kommt.

Die Sondierung hat einen ernsten Hintergrund. Seit vor einigen Jahren auf der A 3 bei Frankfurt ein Bauarbeiter auf eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg stieß und das mit seinem Leben bezahlte, hat Hessen Mobil die Sicherheitsvorschriften verschärft. Die Straßenbaubehörde holt im Vorfeld jeder Baumaßnahme eine Stellungnahme des Kampfmittelräumdienstes des Landes Hessen ein. Zwischen Dörnberg und Ehlen waren im vergangenen Jahr Fahrbahn und Randbereiche per Oberflächensondierung gescannt worden. Dabei waren jede Menge magnetische Abweichungen registriert worden.

Um die potenziellen Kampfmittelverdachtsflächen weiter eingrenzen zu können, hat Hessen Mobil Maximilian Kißner von der Firma PeTerra mit einer detaillierteren Auswertung beauftragt. Das Büro ist spezialisiert auf die Analyse alter Luftaufnahmen, Schriftquellen und Militärkarten aus dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem amerikanische und britische Aufklärungsflieger hatten vor, während und nach Bombardierungen das Gelände fotografiert. Diese Bilder lagern in Archiven und stellen heute eine essenzielle Informationsquelle dar.

Harmloses Fundstück: Das verbeulte Profil aus Aluminium schlummerte im Boden.

Kißners Recherche ergab, dass sich direkt neben der heutigen Bundesstraße zwei Flak-Stellungen befanden. Zudem waren wenige Meter weiter in Richtung Dörnberg mehrere Deckungsgräben ausgehoben worden. Kißner geht davon aus, dass die Flak-Stellungen der Deutschen der Verteidigung Kassels dienten. Möglicherweise handelte es sich um Horchposten, Soldaten dürften dort mit ihren Scheinwerfern den Himmel nach feindlichen Flugzeugen abgesucht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Soldaten gegen Kriegsende Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenstände vergraben haben, ist nicht gering. Und Munition, so Kißner, die fast 80 Jahre im Boden überdauert hat, habe nichts an ihrer Gefährlichkeit verloren. Im Gegenteil: Mit der Zeit verändere sich das TNT, „es wird instabil, weniger berechenbar“.

Für Armin Wittmeier, der für Hessen Mobil die Baustelle an der B 251 betreut, ging die gestrige Untersuchung geräuschlos vonstatten. Außer einem dicken Drahtseil und einem verbogenen Alu-Profil hatte der Bagger nichts an seiner Schaufel. Dass das nicht immer so ist, erlebte er vor knapp zehn Jahren in Waldeck-Sachsenhausen an der Baustelle für den Radweg von Korbach zum Edersee. An einem Pfeiler lauerte eine zwei Zentner schwere Überraschung im Boden. Dann übernahm der Kampfmittelräumdienst, der die Bombe entschärfte. (Antje Thon)

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