„Böllerverbot auch nach der Pandemie“

Hundetrainer aus Habichtswald wünscht sich ein Umdenken an Silvester

Hundetrainer Arne Winkler aus Ehlen mit Münsterländer Toni.
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Hundetrainer Arne Winkler aus Ehlen mit Münsterländer Toni.

Der Verkauf von Böllern und Raketen an Silvester ist erneut wegen der Pandemie verboten, um nicht zusätzlich die Krankenhäuser mit Notfällen zu belasten.

Habichtswald – Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es zum Jahreswechsel dennoch nicht ruhig bleiben wird. In manchen Haushalten schlummern noch Artikel aus den vergangenen Jahren, und mit illegalen sogenannten Polenböllern ist erfahrungsgemäß jedes Jahr zu rechnen.

Hundetrainer Arne Winkler aus Habichtswald macht sich Sorgen um die Lärm-Belastung für Wild- und Heimtiere. Er bietet heute eine Onlineveranstaltung mit Tipps für Hundebesitzer an.

Herr Winkler, die Corona-Pandemie könnte jetzt bereits zum zweiten Mal dafür sorgen, dass Böllern im großen Stil ausfällt. Das freut Sie sicher, oder?
Prinzipiell freue ich mich über jedes Silvester, an dem weniger Tiere in Panik geraten und sterben. Allerdings würde ich mich wesentlich mehr freuen, wenn der Grund dafür nicht eine Pandemie, sondern das allgemeine Verständnis für die unverhältnismäßig großen Nachteile dieses Brauchs und ein damit einhergehendes freiwilliges Umdenken in der Bevölkerung wäre. Wie gesagt, es gibt ja auch noch andere Tiere, die leiden.
Sie kämpfen seit Jahren für die Abschaffung des Silvesterfeuerwerks, um Tiere, insbesondere Hunde, zu schützen. Wo liegen die Gefahren?
Das ist vielleicht ein bisschen drastisch ausgedrückt. Es geht mir nicht um Verbote. Viel mehr bemühe ich mich seit Jahren, Menschen über die massiven negativen Auswirkungen von Feuerwerken aufzuklären und dadurch zum Umdenken zu bewegen. Als Hundetrainer liegt mein Schwerpunkt berufsbedingt natürlich bei Hunden, was aber nicht bedeutet, dass andere Haustiere und besonders auch Nutz- und Wildtiere nicht auch erheblich unter den Auswirkungen leiden.
Explosionen und Feuer lösen bei allen Säugetieren Urängste aus, die das lebensnotwendige Fluchtverhalten triggern. Das ist bei uns Menschen auch der Fall. Jeder, der unerwartet eine Explosion wahrnimmt, wird instinktiv die Flucht ergreifen. Der einzige Grund, der uns Menschen ermöglicht, Silvester angstfrei zu ertragen und nicht panisch vor Bäume oder Autos zu rennen, sind unsere assoziativen Fähigkeiten. Wir wissen, dass es ein Brauch ist, von dem keine direkte Gefahr ausgeht. Tiere verfügen nicht über diese assoziativen Fähigkeiten. Das heißt, dass für ein Tier jeder Knall den Ernstfall bedeutet und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Fluchtverhalten aktiviert. Durch die Häufung und Dauer von Explosionen an Silvester gibt es keinen sicheren Zufluchtsort mehr, was dann zu blinder Panik führt. Das ist auch der Grund, warum so viele Hunde an Silvester entlaufen.
Können Sie eine Zahl nennen, wie viele Hunde pro Silvester entlaufen?
Die Facebook-Präsenz AG Silvesterhunde führt jedes Jahr Statistik über die Anzahl von Hunden, die zum Jahreswechsel aufgrund von Feuerwerk entlaufen. 2017/2018 zählte die AG 658 entlaufene Hunde, von denen 65 tot aufgefunden wurden. 2018/2019 zählte die AG 1238 entlaufene Hunde, von denen 48 tot gefunden wurden und nur 790 am 4. Januar wieder zurück bei ihren Haltern waren.
Was können Hundehalter tun, um ihre Vierbeiner beim Silvesterfeuerwerk zu schützen?
Halter sollten ihre Hunde so gut wie möglich vor den panikauslösenden Explosionen schützen und ihnen tröstend zur Seite stehen. Mindestens Rollläden und Fenster schließen, den ruhigsten Bereich im Haus oder in der Wohnung aufsuchen und den Hund auf keinen Fall alleine lassen. Man kann auch zur böllerintensiven Zeit in einem entlegenen Gebiet spazieren gehen. Bitte dabei den Hund nie von der Leine lassen, da die Möglichkeit, dass es doch mal knallt, sehr groß ist. Das gilt auch an den Tagen vor und nach Silvester.
Gibt es böllerfreie Orte, an die Hundehalter über Silvester fliehen können?
Es gibt mittlerweile einige Reiseanbieter, die sich darauf spezialisiert haben, Hundehaltern und ihren Vierbeinern ruhige Destinationen anzubieten. Wer deswegen nicht gleich verreisen möchte, findet aber auch in unserer Region abgelegene Orte, die den Hunden helfen können. Auf dem Dörnberg und in großen Teilen des Habichtswalds ist es ruhiger, solange man dem Herkules nicht zu nahe kommt. Einer der böllerfreisten Orte ist übrigens die Autobahn. Wer einen sehr geräuschempfindlichen Hund hat, kann sich mit ihm um 23.30 Uhr ins Auto setzen und einmal nach Paderborn und zurück fahren. (Bea Ricken)

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