Lukas Mühlbauer (18): „Irgendwo ist immer ein Erfolg“

Schüler aus Habichtswald wurde in Kreistag und Gemeindeparlament gewählt

Chancengleichheit bei Bildung: Das ist Lukas Mühlbauer (SPD) wichtig. Der Schüler wurde bei der Kommunalwahl in den Kreistag und in die Gemeindevertretung Habichtswald gewählt. Für das Gemeindeparlament bekam der 18-Jährige sogar die meisten Stimmen.
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Chancengleichheit bei Bildung: Das ist Lukas Mühlbauer (SPD) wichtig. Der Schüler wurde bei der Kommunalwahl in den Kreistag und in die Gemeindevertretung Habichtswald gewählt. Für das Gemeindeparlament bekam der 18-Jährige sogar die meisten Stimmen.

Sein Opa und die Schule fallen Lukas Mühlbauer am ehesten ein, wenn er nach den Gründen für sein Interesse an Politik gefragt wird. Der Großvater, weil er für die CDU im Kasseler Parlament saß und für ihn ein Vorbild ist. Die Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen, weil er in ihr ein unterstützendes Umfeld findet, in dem er seine Meinung immer habe offen kundtun dürfen.

Habichtswald - Nun ist der junge Dörnberger erstmals bei der Kommunalwahl angetreten und hat den Sprung in gleich zwei Parlamente geschafft. Der 18-jährige Gymnasiast wird künftig nicht nur für die SPD im Kreistag sitzen, sondern auch in der Gemeindevertretung Habichtswalds. In seiner Heimatgemeinde hat er von allen Kandidaten, die sich der Wahl gestellt haben, gleich die meisten Wählerstimmen geholt. Der Opa habe sich für ihn gefreut, auch wenn ihm eine andere Partei vielleicht lieber gewesen wäre, sagt Mühlbauer und lacht.

Mehr als eine Woche nach seinem Wahlerfolg ist die Welle der Glückwünsche abgeebbt. Für den jungen Dörnberger folgen nun die ersten Treffen mit den anderen Fraktionskollegen auf Gemeinde- und Kreistagsebene. Viel Herzblut werde er wohl in seine Arbeit als Gemeindevertreter geben, „da kann ich was für Menschen aus meinem Ort machen. Leute, die ich persönlich kenne.“ Mühlbauer hat für sich Themen gefunden, die ihm dabei besonders wichtig sind. Neben Mobilität, Digitalisierung und umweltpolitischen Fragen geht es dem Schüler, der in wenigen Wochen sein Abitur machen und ab Herbst an der Uni in Göttingen Jura studieren will, vor allem um Bildung und ein stabiles Auftreten gegen rechts.

Kinder und Jugendliche müssten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Chancen auf Bildung haben. „Es geht nicht, dass Schüler aus bildungsferneren Familien beim Lernen benachteiligt sind“, sagt Mühlbauer, der 2017 in die SPD eintrat, weil ihm damals die Große Koalition nicht passte und er gegen sie seine Stimme erheben wollte. Dass es an der Lübcke-Schule mit dem Zugriff auf Tablet-Leihgeräte verhältnismäßig gut laufe, bedeute nicht, dass dies in allen Schulen im Landkreis auch reibungslos funktioniere. Wichtig in diesem Zusammenhang sei, die Schulen endlich ans Glasfaser zu bekommen. Es sei ein Unterschied, ob daheim vielleicht drei Geräte aufs Internet zugreifen oder aber eine Schule, an der viele hundert Schüler unterrichtet werden.

Kompromisslos zeigt sich der Dörnberger, der in seiner Freizeit nicht nur als Schiedsrichter in der Kreisoberliga Fußballspiele leitet und als Atemschutzgeräteträger für die Einsatzabteilung der Feuerwehr selbst während des Unterrichts auf Abruf ist, bei rechtsradikalen Äußerungen. „Ein Problem ist der Alltagsrassismus.“ Wenn jemand sage, er habe nichts gegen Ausländer und dann das Wörtchen „aber“ hinterherschiebe, gehe der Satz schon nicht gut los. Vielleicht sei die Person, die so etwas äußere, tatsächlich ein netter Zeitgenosse, ihre Worte hinterließen aber eine gefährliche Spur. Das sei ein Schwachpunkt im Miteinander, vielleicht ein Schwachpunkt der Sprache. „Ich wünsche mir da mehr Zivilcourage.“

Lukas Mühlbauers Interesse am Gestalten der Gesellschaft keimte nicht erst mit der Kommunalwahl auf. Vor zwei Jahren wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Habichtswald gewählt. Drei Jahre lang war er Kreisschulsprecher, in der zehnten Klasse mischte er in der Landesschülervertretung Hessen mit. Als Kreisschulsprecher bekam er als beratendes Mitglied Einblick in die Gremienarbeit des Kreistags. Dort habe er die Erfahrung gemacht, dass „die Meinung junger Menschen von Interesse ist“.

Für den 18-Jährigen läuft gerade vieles nach Plan. Was er anpackt, gelingt. Dafür hat er eine einfache Erklärung. „Ich habe viele Hobbys.“ Es müsse nicht überall alles wie am Schnürchen klappen, „aber irgendwo ist immer ein Erfolg, und wenn es nur das Gelingen eines neu eingeübten Stückes im Musikverein ist“. Und klar, er kenne auch Misserfolge. Erst kürzlich sei ihm als Schiri der Aufstieg von der Kreisoberliga in die Gruppenliga nicht gelungen.

Mit der Schattenseite seines Engagements wurde er ebenfalls schon konfrontiert. Als er sich mit anderen dafür einsetzte, dass seine Schule den Namen Walter Lübckes trägt, habe es anonyme Stimmen gegeben, die ihm vorwarfen, er rücke sich ins rechte Licht und gefährde so andere Schüler. Mühlbauer reagierte enttäuscht, dachte über die Vorwürfe nach und sprach mit Freunden. Das half. Heute sagt er. „Es muss nicht jeder alles abnicken.“ Aber Kritik sollte aus seiner Sicht nicht anonym und immer konstruktiv sein, dann sei sie gut und bringe die Menschen weiter.

Von Antje Thon

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