Vor 20 Jahren Flüchtlingskind aufgenommen - Noch heute Kontakt

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Erinnerung an erlebnisreiche Tage mit Messeret: Mitte der 1990er- Jahre kam das Mädchen als Flüchtling aus Äthiopien zu Lothar und Irene Velten nach Dörnberg. Fünf Jahre lebte die junge Afrikanerin in der Familie, zu der auch Tochter Carmen Velten gehört. Die Veltens halten ein Foto von einer Familienfeier in den Händen, Messeret ist die Zweite von links.

Dörnberg. Mit gemischten Gefühlen verfolgt die Familie Velten aus Dörnberg derzeit die Flüchtlingssituation. Zum einen ist da die Anteilnahme am Leid der Menschen, die auf ihrer Flucht so ziemlich alles aus ihrem bisherigen Leben hinter sich lassen mussten.

Dann schwingt die Sorge vor fremdenfeindlichen Übergriffen mit, die es in Deutschland in den vergangenen Wochen wiederholt gegeben hat. Und schließlich erinnert sie sich an die Zeit mit Messeret, die Mitte der 1990er-Jahre als eines von 1000 Kindern aus Äthiopien nach Deutschland kam und bei den Veltens in Dörnberg einzog.

„Das Mädchen kam ohne Papiere an“, sagt Lothar Velten. Daher konnten sie sein Alter nicht genau bestimmen und schätzten es auf zwölf, 13 Jahre. Der Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien hatte eine neue Eskalationstufe erreicht, die Eltern wollten ihre Kinder in ein sicheres Land bringen - selbst zu dem Preis, dass der Kontakt zu ihnen womöglich abreißen könnte.

Neues Zuhause gefunden 

Messeret und ihr Bruder kamen in das Kinderheim Kleiner Holzweg in Kassel. Dort arbeitete Irene Velten. Sie spürte, dass sich das Mädchen dort nicht wohlfühlte und sich immer mehr zurückzog. „Also haben wir es bei uns aufgenommen“, sagt sie. Ihre Tochter Carmen hatte sich eine eigene Wohnung gesucht, somit war Platz.

Messeret blieb fünf Jahre, sie lernte Deutsch, besuchte die Schule in Zierenberg und fand bei den Veltens ein neues Zuhause. Heute lebt die mittlerweile 35-jährige Frau, die den Beruf der Zahntechnikerin erlernt hat, in München. Mit ihrer Dörnberger Familie steht sie in losem Kontakt. Sie telefonieren und einmal im Jahr kommt Messeret zu Besuch, bringt ihre kleine Tochter mit, für die die Veltens so etwas wie Großeltern sind.

Gemeinsam kochen 

„Wir haben das damals nicht bewusst gemacht, es ergab sich einfach so“, antwortet Lothar Velten auf die Frage, warum sie das Flüchtlingsmädchen zu sich genommen haben. Als praktizierende Christen sei es für sie ein Gebot der Nächstenliebe gewesen, sagt der Theologe. Auch zu den anderen etwa 20 Flüchtlingen, die vor über 20 Jahren in einem Haus an der Zierenberger Straße in Dörnberg eine Bleibe gefunden hatten, unterhielt die Familie Velten intensive Kontakte.

Oft kochten sie gemeinsam, feierten, saßen zusammen und erzählten sich gegenseitig aus ihren Leben. Die Asylbewerber seien damals nicht gefangen gewesen in einer Rolle der Bedürftigen. „Wenn sie kochten, waren sie selbstbewusst und hatten das Gefühl, uns etwas zurückgeben zu können“, meint der Theologe, für den die Aufnahme Messerets und der anderen Flüchtlinge in Dörnberg ein gelungenes Beispiel von Integration ist.

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