Hessenjäger verteidigen Betrieb

Streit um Schüsse im Habichtswald: Initiative stört sich an Lärm durch Schießstand

Wirbt für die weitere Nutzung des Schießstandes im Habichtswald: Volker Dippel, stellvertretender Vorsitzender der Hessenjäger, verweist auf die eingeschränkten Nutzungszeiten.
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Wirbt für die weitere Nutzung des Schießstandes im Habichtswald: Volker Dippel, stellvertretender Vorsitzender der Hessenjäger, verweist auf die eingeschränkten Nutzungszeiten.

Es gibt Streit um den Schießbetrieb auf dem Schießstand im Habichtswald. Die einen wollen Ruhe, die anderen wollen auf ihre Trainigsstätte nicht verzichten.

Kassel – Seit der Corona-Pandemie zieht es mehr Menschen in die Natur und damit auch in den Wald. Dies beobachten auch die Förster und Jäger im Habichtswald. Wegen der unterschiedlichen Bedürfnisse haben Konflikte zugenommen. Nun hat sich ein Streit um den Lärm durch den regelmäßigen Schießbetrieb auf dem Schießstand des Kasseler Jagdvereins Hessenjäger entsponnen. Dieser besteht seit 60 Jahren unweit des ehemaligen Gasthauses „Zum Silbersee“.

„Es gibt immer mehr Beschwerden, sowohl bei uns als auch auf den Forstämtern, was den Lärm am Schießplatz angeht“, sagt Ingrid Pee von der Initiative Pro Habichtswald. Sicherlich hänge dies auch damit zusammen, dass in Corona-Zeiten mehr Menschen in der Nähe spazieren gingen und dies bemerkten.

Der Naturpark Habichtswald diene der „stillen Erholung“. Deshalb sei nicht zu verstehen, wieso Mensch und Tier der Krach zugemutet werde. Ohnehin sei die Gegend um den Steinbruch Igelsburg durch den regen Lkw-Verkehr der Firma Baureka stark lärmbelastet. Pee verweist auf den zweiten Schießplatz in der Region bei Helsa, den auch die Hessenjäger nutzen könnten.

Forstamtsleiter Uwe Zindel bemüht sich um Ausgleich: Den Verantwortlichen des Jagdvereins und des Forstamtes sei bewusst, „dass auf die Belastung für Menschen, die Erholung im Habichtswald suchen, größtmögliche Rücksicht genommen werden muss“. Diese Rücksicht spiegele sich in den beschränkten Nutzungszeiten des Schießstandes wider, den Hessen-Forst an die Hessenjäger verpachtet hat. Geschossen werden darf nur samstags von 9.30 bis 14 Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr. Darüber hinaus würden Forstmitarbeiter den Schießstand nach Bedarf alle 14 Tage am Montag von 15 bis 17 Uhr für Übungszwecke nutzen.

Blick zurück: Dieses Foto zeigt den ersten Schuss auf der Schießstand-Anlage im Habichtswald im Jahr 1963.

Auch sei die Anfahrt klar geregelt: von der B 251 am Waldausgang Richtung Dörnberg zum ehemaligen Gasthaus Silbersee. Diese Strecke würden auch die Lkw der Firma Baureka nutzen.

Bei der Jagd handele es sich überdies nicht bloß um ein Hobby, sondern sie sei essenziell für den Bestand des Waldes, so Volker Dippel vom Vorstand der Hessenjäger. Andernfalls würden Rehe und Wildschweine, die sich stark vermehrten, den Baumnachwuchs fressen. „Wir haben zu Unrecht den schlechten Ruf als Bambi-Töter“, sagt Dippel.

Forstamtsleiter Zindel stimmt ihm zu: „Im Habichtswald kann ein klimarobuster vielfältiger Mischwald nur mit kräftiger Bejagung der Rehe gelingen.“ Auch wenn es paradox klinge, bleibe das Wild nur gesund, wenn die Population begrenzt werde. Andernfalls komme es zu Futterkonkurrenz und bei Schweinen steige die Gefahr von Seuchen wie der Schweinepest.

Beim Forstamt sei bislang keine offizielle Lärmbeschwerde bekannt. Ohnehin würden immer häufiger Schalldämpfer verwendet. Ohne den Schießstand müssten die Jäger zu deutlich weiter entfernten Schießständen ausweichen, die alle bereits stark frequentiert seien.

Der 1963 eröffnete Schießstand dient vor allem dem Training der 530 Vereinsmitglieder und der Ausbildung von Jungjägern. Die Ansitz- und Bewegungsjagd wird an vier Schießbahnen geübt. „Oberstes Ziel ist es, dass Wild so zu schießen, dass es schnell verendet“, erläutert Dippel. Dies erfordere regelmäßiges Training. „Hier fallen aber keinesfalls Hunderte Schüsse in der Woche.“ (Bastian Ludwig)

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