Lokalpolitiker und Ehrenämtler 

Ein Streiter für die Demokratie aus Dörnberg feiert seinen 70. Geburtstag 

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Feiert seinen 70. Geburtstag: Hans-Georg Nußbeck, Vorsitzender der Gemeindevertretung Habichtswald und Aktivposten in zahlreichen Vereinen, hier mit Hessenfahne, Parlamentsschelle und Hund Bruno. 

Hans-Georg Nußbeck feiert seien 70. Geburtstag. Der langjährige Vorsitzende der Dörnberger Gemeindevertretung kann auf einen bewegte Karriere zurückblicken. 

Zudem engagiert er sich in zahlreichen Vereinen.  Hans-Georg Nußbeck steht nicht gern im Mittelpunkt. Doch um das Scheinwerferlicht, das in den nächsten Tagen auf ihn fallen wird, wird er nicht herumkommen. Der langjährige Vorsitzende der Gemeindevertretung Habichtswald feiert seinen 70. Geburtstag. Da wird der Dörnberger die eine oder andere Hand schütteln müssen und reichlich Glückwünsche entgegennehmen. Gefeiert wird am Samstag – dann hat auch Ehefrau Ruth Geburtstag –  „im kleinen Rahmen“, wie er betont.

In Habichtswald, wo er seit 1978 lebt, und in den Nachbargemeinden kennt man Hans-Georg Nußbeck als jahrzehntelanges Feuerwehrmitglied, als zweiten Vorsitzenden im VdK, als überzeugten Sozialdemokraten und Mitglied des DGB-Ortskartells Dörnberg. Darüber hinaus mischt er beim FSV Dörnberg mit und ist derzeit Chef des Vereinsrings. Und Hans-Georg Nußbeck ist mit Leib und Seele Kommunalpolitiker. Wenn im Frühjahr 2021 die Legislatur endet, wird er 20 Jahre lang Chef des Gemeindeparlaments und 36 Jahre Mitglied der Gemeindevertretung gewesen sein. Spätestens dann will er kürzertreten, den Rücken frei haben.

„Ich möchte nicht, dass die Leute irgendwann sagen, jetzt fängt er schon an, mit dem Kopf zu wackeln, und ein bisschen Hintern klebt auch an seinem Sessel“, sagt der 70-Jährige mit selbstironischem Lächeln. Und so hält es der Habichtswalder für denkbar, seinen Stuhl schon zu einem früheren Zeitpunkt zu räumen. 

Dörnbergs Ex- Wehrführer gesteht, dass ihm mit zunehmenden Alter die Luft ausgeht und die Tage zunehmen, an denen er sich wünscht, keine Verpflichtungen zu haben und viel lieber mit Frau und Hündchen Bruno im Wohnmobil auf Tour gehen würde. „Und irgendwann kommen dann auch jüngere Leute, die den Job einfach besser machen“, sagt Nußbeck, der 1980 seinen Job im Hessischen Justizvollzugsdienst antrat, davon die längste Zeit in leitender Funktion im offenen Strafvollzug in Kassel. Um das Amt des Parlamentschefs hat sich der Dörnberger nie bemüht, „ich wurde gefragt, ob ich es machen will“. Nußbeck wollte. 

Heute ist er stolz darauf, dass es während seiner Tätigkeit kaum einmal zu einem Streit gekommen ist, weder mit den Anhängern anderer Fraktionen, noch mit denen der eigenen Partei. „Wenn die Sitzung vorbei ist, muss man die politische Schiene verlassen und zur persönlichen Ebene zurückkehren. Das kann nicht jeder“, sagt der Jubilar, der in Bielefeld geboren wurde, in Kassel aufwuchs und Vater von zwei Kinder ist.

Es ist die Möglichkeit, die Gesellschaft mitgestalten zu können, die ihn am politischen Ehrenamt reizt. Für ihn ist die Kommunalpolitik die Wiege der Demokratie – „alles müsste von unten nach oben gehen“. 

Doch die Realität ist in Nußbecks Augen eine andere, er sieht den Umgang mit der Demokratie kritisch. „Wieso muss die Entscheidung eines gewählten Parlaments noch einmal von einer Verwaltung abgesegnet werden?“ Ganz speziell geht es dem 70-Jährigen bei dieser Frage darum, warum ein von der Gemeindevertretung verabschiedeter Haushalt Kommunalaufsicht oder Regierungspräsidium passieren muss, ehe die in ihm veranschlagten Ausgaben auch getätigt werden dürfen. „Das erzeugt das Bild, als wenn die Kommunalpolitiker da unten ein bisschen dämlich wären.“

Vielleicht, so Nußbeck, trägt diese Haltung und der Umgang mit kommunalen Parlamenten mit dazu bei, dass es immer schwieriger wird, Leute für ein politisches Ehrenamt zu finden.

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