Gegen Brandgefahr wappnen

Hessen Forst will Löschwasserreserve im Habichtswald nutzen und Biotop erhalten

Attraktive Brutstätte für den Uhu: Die Basaltsteinwände oberhalb des Südteiches im stillgelegten Steinbruch Silbersee im Hohen Habichtswald. Würde das Gelände angefüllt, würde der Vogel das Quartier verlassen.
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Attraktive Brutstätte für den Uhu: Die Basaltsteinwände oberhalb des Südteiches im stillgelegten Steinbruch Silbersee im Hohen Habichtswald. Würde das Gelände angefüllt, würde der Vogel das Quartier verlassen.

Hessen Forst möchte im stillgelegten Steinbruch Silbersee bei Dörnberg zwei Ziele miteinander verbinden: den Erhalt wichtiger Biotope und die Nutzung einer Löschwasserreserve.

Habichtswald - Mit zunehmender Trockenheit steigt insbesondere im Frühjahr und Sommer das Risiko für Waldbrände. Das Forstamt Wolfhagen bereitet sich derzeit auf die Gefahrenlage vor und würde im Hohen Habichtswald gern einen Teich als Löschwasserreserve nutzen, der durch den Abbau von Basalt entstanden ist.

Der ehemalige Steinbruch Silbersee der Firma Menke, an dessen Rand sich das fragliche Gewässer befindet, werde bereits seit etlichen Jahren wieder aufgefüllt, sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel. Die Arbeiten erfolgen auf Grundlage eines zugelassenen Abschlussbetriebsplanes, der auch aus Gründen der Verkehrssicherheit eine Verfüllung des sogenannten Südteiches vorsieht. Dieser Plan müsste allerdings geändert werden, wenn das Gewässer künftig dem Brandschutz dienen soll, sagt Zindel.

Der für die Verfüllung zuständige Betreiber, die Menke Umwelt Service GmbH, steht dem Vorhaben von Hessen Forst offen gegenüber. Das bestätigte jetzt deren Geschäftsführer Stefan Entrup. Allerdings sind im Vorfeld noch einige wichtige Fragen zu klären, ehe die Firma mit Sitz in Hannover beim Regierungspräsidium Kassel einen Änderungsantrag stellen kann. So müsse der Plan Aussicht auf Erfolg haben, auch gehe es um Haftungsfragen. „Es darf keine Situation entstehen, bei der es zu einer Gefährdung von Waldbesuchern kommt“, sagt Entrup. So führt derzeit nahe der Abbruchkante ein Wanderweg entlang. Ein Zaun verhindert ein Betreten des Geländes. Forstamtsleiter Uwe Zindel schlägt vor, den Wanderweg um wenige Meter in sicheres Terrain zu verlegen.

Ziel der Rekultivierung des alten Tagebaus ist der Erhalt von Biotopen, die erst durch den Eingriff in die Natur entstanden sind. Nach Angaben Zindels ist der Steinbruch ein überaus attraktiver Lebensraum für Amphibien. Aber auch der seltene Uhu brütet dort. Würden die Arbeiten ohne Änderung fortgesetzt, würde auch das Gelände im Bereich des Teiches aufgefüllt und um etwa 25 Meter in die Höhe wachsen. Der Uhu würde seine Brutstätte in den derzeit noch hoch aufragenden Basaltsteilwänden aufgeben.

Der Südteich im Steinbruch Silbersee erhält sein Wasser aus den südlich in Richtung Herkules befindlichen Gesteinsschichten, die aus Basalt und Kasseler Meeressand bestehen. Würde das Gelände samt Teich mit Aushub aufgefüllt und im Anschluss als ein Biotop für Amphibien gestaltet, würde das Gewässer seine Funktion als Löschwasserreservoir verlieren – unter anderem auch deshalb, weil der Zulauf dann reduziert wäre.

Neben dem Südteich könnte zumindest in der Theorie der Vorrat an Wasser aus dem Sichelbachreservoir genutzt werden, sagt Zindel. Das aber hätte Auswirkungen auf die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe, und das wolle ja auch niemand. Andere alte und kleinere Feuerlöschteiche seien mit den Jahren verschlammt, keine tragbare Alternative und ausschließlich geeignet als Amphibienquartier.

Der Südteich habe in seiner gegenwärtigen Situation das Potenzial für ein Musterbiotop. Für seltene Amphibien wie Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke und Kammmolch wäre das Terrain ideal. Neben einem Tiefwasserbereich könnte eine sonnenseitige Flachwasserzone mit Geröllumfassung modelliert werden. Von den 18 hessischen Lurcharten sind 13 in ihrem Bestand bedroht oder auf der Vorwarnliste, darunter Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte und Laubfrosch.

Im Falle einer weiteren Verfüllung des Südteiches wäre der Betreiber verpflichtet, Wanderteiche anzulegen, in die die Amphibien zwischenzeitlich umgesiedelt werden müssten. Später müssten diese Zwischenlösungen wieder verfüllt und die Lurche zurück in den Südteich gebracht werden. „Aus Sicht von Hessen Forst und der Naturschutzbehörden ist das keine optimale Lösung“, sagt der Forstamtsleiter, der mit seinen Plänen im engen Austausch mit dem Betreiber, der Menke Umwelt Service GmbH, steht.

Der Brandschutz in Wäldern habe laut Zindel in den vergangenen Jahren bedingt durch die klimatischen Veränderungen an Relevanz gewonnen. Fehlende Niederschläge hätten wiederholt zu trockenen Wäldern geführt – vor allem im März und April, wenn das Gras unter den Bäumen noch verdorrt ist, aber auch im August sei die Gefahr groß. Mehrfach wurden vom Deutschen Wetterdienst höhere Waldbrandgefahrenstufen für den Landkreis Kassel ausgerufen.

Der Hohe Habichtswald mit seinem hohen Anteil an abgestorbenen Fichten berge ein gesteigertes Risiko für Brände. Und auch aufgrund der Ausdehnung der Wälder sei es wichtig, eine Reserve zu haben, aus der Wasser entweder aus der Luft entnommen oder vor Ort in Tanklöschfahrzeuge gepumpt werden kann. Da der Hubschrauber mit dem befüllten Behältnis nicht über bewohntes Gebiet fliegen dürfe, müsse sich Entnahmestelle im Wald befinden. Gerade mit Blick auf den Klimawandel genössen Erhalt und Schutz der Wälder oberste Priorität.

Wasser für 6000 Tanklöschfahrzeuge

Im Südteich befinden sich im Durchschnitt etwa 30 000 Kubikmeter Wasser, also 30 Millionen Liter. Im Vergleich dazu fasst eine Löschwasserzisterne, die für bestimmte Gebäudekomplexe vorgehalten werden muss, 30 Kubikmeter. In das größte Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr passen fünf Kubikmeter Wasser.

Der Forstamtsleiter hofft, dass sich die Beteiligten bald einig werden, der Änderungsantrag zum Betriebsplan gestellt wird und eine Genehmigung vom RP Kassel noch in diesem Jahr erfolgt. (Antje Thon)

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