Licht und Schatten in Szene gesetzt

Lightpainter in Dörnberg: Akzente in tiefschwarzer Finsternis

Mit ausgebreiteten Flügeln: Die Thiels haben unter anderem einen zwischen Lichtsternen knienden Engel geschaffen, der in der rot illuminierten Dörnberger Kirche eine gute Portion Mystik verbreitet.
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Mit ausgebreiteten Flügeln: Die Thiels haben unter anderem einen zwischen Lichtsternen knienden Engel geschaffen, der in der rot illuminierten Dörnberger Kirche eine gute Portion Mystik verbreitet.

Sie zaubern leuchtende Motive in die dunkelste Nacht: Steffi und Christian Thiel sind Lightpainter und in der Kirche in Dörnberg am Werk.

Dörnberg – Im Normalfall ist es gerade mal der Bruchteil einer Sekunde, den Fotografen zur Belichtung eines Fotos benötigen. Bei Steffi und Christian Thiel kann das durchaus etwas mehr Zeit sein, vor allem dann, wenn sie mal wieder mit ihren Kameras zu einem spannenden Fotostreifzug in die Nacht aufbrechen. Die Dörnberger haben es dabei nicht etwa auf das fotografische Festhalten der tiefschwarzen Finsternis abgesehen, sondern vielmehr auf das, was sie in diese hineinmalen – mit Licht.

Die Thiels sind sogenannte Lightpainter, also Lichtmaler, die diese besondere fotografische Technik aus der Langzeitbelichtung nutzen, um bei Dunkelheit im Freien oder in abgedunkelten Räumen durch die Bewegung unterschiedlichster Lichtquellen atemberaubende Bilder zu kreieren. Er mit seiner geliebten Spiegelreflexkamera, sie mit der Systemkamera, gehen meist als Team ans Werk, allein nämlich sind Lichtbilder kaum zu realisieren, und das nicht nur, weil Christian Thiel seit einem Motorradunfall vor vielen Jahren im Rollstuhl sitzt. „Einer muss die Kamera dauerhaft im Blick haben und dem Malenden Anweisungen geben“, sagt er und berichtet stolz vom jüngsten Projekt, für das sie die Kirche ihres Heimatortes in nie dagewesener Form inszenieren und auf Fotos festhalten durften.

„Das war eine ganz besondere Herausforderung“, erinnert sich Thiel und beginnt mit der Sonne um die Wette zu strahlen, während er über die vielen Abende vor wenigen Wochen erzählt, als er und seine Frau das Gotteshaus in eine magisch anmutende Lichtbühne verwandelt haben.

Im Gepäck jede Menge Taschenlampen, LED-Lichter und allerhand Requisiten mehr, ging es da ans Umsetzen des Konzeptes, das sie zuvor in liebevoller Kleinarbeit entwickelt hatten. Licht und Schatten werden da zu Verbündeten, wenn das alte Gemäuer in den unterschiedlichsten Farben erstrahlt, Lichtorbs um den Altar zu schweben scheinen und es sich rot-glühende Kugeln auf den alten Holzbänken gemütlich machen. „Unser Ziel war es, die Kirche in einem neuen, völlig anderen Licht als gewohnt darzustellen“, berichtet der Autodidakt, der dafür auf Belichtungszeiten zwischen sechs und fast sieben Minuten setzte. „Das Schwierigste ist, dass man während des Malens nicht sieht, wie gut und genau die angedachten Figuren geworden sind, aber Steffi hat ein Wahnsinnshändchen für ihre Malkunst.“

Da scheint er nicht zu übertreiben, denn die Ergebnisse sprechen für sich. Steffi, die als Heil- und Erziehungspflegerin arbeitet, hat ein Auge für Details, was vor allem ein Bild beweist, das zu ihren Favoriten aus der Kirchenserie zählt und einen knienden „Kreuz“-Ritter mit Flügeln zeigt. Kleine Risse im Boden wurden mit einer kleinen Taschenlampe gezaubert, wie auch die feinen Nuancen der Engelsflügel auf einem anderen Foto, die mithilfe zugeschnittener Plexiglasstücke entstanden sind.

„Uns hat vor allem der Gegensatz von alt und neu gereizt“, sagt Steffi Thiel, die Lichtkugeln auf eine magische Reise durchs Kirchenschiff geschickt, Notenschlüssel gezaubert und mystische Stimmungen erzeugt hat.

So sind atemberaubende Szenerien entstanden, die Christian Thiel mit seiner Kamera eingefangen hat, und dafür hat es eben – anders als bei gewöhnlichen Fotos – mehr als nur den Bruchteil einer Sekunden gebraucht.

Information: Einige der Lightpaintings von Steffi und Christian Thiel sind seit Freitag im aktuell rund ums Dörnberger Gotteshaus laufenden Ausstellung „Garten der Hoffnung“ zu bewundern. Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der beiden unter „Christian Thiel Fotografie“.

Von Sascha Hoffmann

Besondere Herausforderung: Alles was auf dem Bild zu sehen ist, wurde mit Licht entsprechend ausgeleuchtet. Jeden einzelnen Lichtball hat Steffi Thiel mit großer Sorgfalt auf die Kirchenbänke gesetzt.
Passend zum Garten der Hoffnung: Mit dem Wörtchen „Hope“ wurde der Kern der Veranstaltung aufgegriffen, im Rahmen derer die Lichtmalereien zu sehen sind.
Lichtmaler: Steffi und Christian Thiel.

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