Mächtig Bammel im Baum: Ein Selbstversuch im Kletterwald

Kassel. Eine extrem wackelige und nervenaufreibende Angelegenheit war der Selbstversuch von Volontärin Viktoria Fischer, als sie im Kletterwald Habichtswald ihrer Höhenangst trotzen wollte.

Meine Knie zittern. Nach unten gucke ich nicht. Es sind zehn Meter bis zum Boden. Meine Hände sind feucht, die Haare kleben unterm Helm. Ich habe Höhenangst. Und stehe trotzdem in einem Baumwipfel, hoch über der Erde. Was ich hier mache? Ich will meine Höhenangst überwinden. Dafür habe ich mir den Kletterwald im Habichtswald ausgesucht.

Doch von vorn: Wer den Entschluss fasst, in luftiger Höhe auf wackligen Seilen oder Holzpaneelen zu balancieren oder mit einer Seilrutsche mit Karacho hinabzugleiten, der kommt um eine Sicherheitseinweisung nicht umhin. Diese dauert zwischen fünf und zehn Minuten und endet mit einem Probelauf auf dem Bodenparcours.

Benedikt Dittrich

Bei meinem Kollegen Benedikt Dittrich und mir übernimmt das die 20-jährige Vanessa Schiemann. Sie schließt mit den Worten: Und bitte im Sicherheitsgeschirr nicht rauchen, Kaugummi kauen oder „pinkeln“. Dann geht es nach oben - das wovor ich solche Angst habe. Wir dürfen uns einen Parcours aussuchen. Acht stehen zur Wahl. Wir wählen den Roten. Mittelschwer steht in seiner Beschreibung. Bis zu zehn Meter geht es hier hoch. Ich wäre schon mit dem Kinderparcours in „nur“ drei Metern Höhe zufrieden. Doch Kollege Dittrich verlangt nach Nervenkitzel. Kurz darauf stehe ich auf der „Mutterplattform“, wie die Startplattform im Kletterer-Jargon heißt.

Von dort gelangt man über ein Drahtseil zur ersten Station: Eine verdammt wackelige Angelegenheit. Über mir befindet sich ein Seil zum Festhalten. Und unter mir? Eine Tiefe, die die Knie eines jeden Höhenangst-Menschen zum Zittern bringt. Doch Pausen zum Bereuen sind nicht drin. Schließlich stehen schon andere Kletterer hinter mir. Und nur drei auf einmal dürfen auf eine Plattform.

Viel Platz: Auf 10.000 Quadratmetern kann man hier von Baum zu Baum klettern, rutschen oder sich hangeln. Foto:  Dittrich

Mit jeder Station weicht meine Angst ein bisschen, meine hysterische Panik-Lache wird weniger, obwohl es immer höher hinauf geht. Ich hab sogar Spaß - was für mich zuvor noch unvorstellbar war. Das „Sich-fallen-lassen“ bei den Seilrutschen kostet mich dann aber doch noch einmal Überwindung. Einen anderen Weg als im Sicherheitsgeschirr hängend zur nächsten Plattform zu gleiten gibt es jedoch nicht. Außer, man möchte partout nicht mehr weiter. Dann helfen die Mitarbeiter beim Abseilen.

Mein Kletterpartner rutscht schließlich als erster und bleibt auf dreiviertel der Strecke hängen - der Kletterer vor ihm muss ihn auf die Plattform ziehen. Ich lach mich schlapp und nehme ordentlich Anschwung, damit mir nicht das gleiche passiert. Und krache gegen einen Baum. In weiser Voraussicht haben die Betreiber des Kletterwalds den Stamm mit einer dicken Matte umspannt. Für solche Kandidaten wie mich, denk ich mir beim Aufrappeln.

Aufregender Kletterversuch

Nach zwei Stunden haben wir es geschafft. Mit einer letzten Seilrutsche geht es runter. Kollege Dittrich und ich landen dabei etwas unsanft auf dem Hintern. Die Erfahrenen wissen vorher abzubremsen. Mein Kletterpartner möchte weitermachen. Doch für mich ist hier erstmal Schluss. Zu aufregend war mein erster Kletterversuch, zu zittrig sind meine Knie. Doch eins hab ich gemerkt: Klettern macht Spaß. Noch ein bisschen Training, und ich wage mich bis in die höchsten Wipfel.

Sicherheitsgespräch beim Klettern:

„Beim Klettern ist man immer in einem Sicherheitsgespräch mit seinem Kletterpartner“, erklärt Vanessa Schiemann vom Kletterwald Habichtswald. Das heißt, die Karabinerhaken, es gibt zwei an der Zahl, die einen bei einem Absturz sichern, dürfen nicht ohne Zustimmung des anderen ausgeklinkt werden. Um die Kommunikation so einfach wie möglich zu halten, wurden an den Karabinern die Farben Weiß und Gelb angebracht. Sobald sich ein Kletterer losmachen will, um sich entweder vom Kletterelement auf der Plattform oder andersrum einzuklinken, muss er sein Gegenüber fragen „Darf ich Gelb ausklinken?“. Erst wenn der Kletterpartner die Frage mit Ja beantwortet, darf sich ausgehakt werden. Dann geht es weiter mit der Farbe weiß. „Durch die ständige Kommunikation soll verhindert werden, dass der Kletterer gedankenverloren gleich beide Karabiner ausklinkt und nicht mehr gesichert ist“, erklärt Schiemann.

Öffnungszeiten und Preise:

Der Kletterwald im Habichtswald hat noch bis Ende Oktober geöffnet. Da die Öffnungszeiten von Witterungs- und Lichtverhältnissen abhängig sind, können sie sich kurzfristig ändern. Die Preise belaufen sich von beispielsweise 8,50 Euro pro Stunde im Kinderparcours bis zu 23 Euro für eine dreistündige Klettertour beim Dämmerklettern (von Mai bis September bis 23 Uhr). Für jede weitere Stunde werden fünf Euro zusätzlich berechnet. Auch Aktionspreise für Familien (ab drei Personen kostet es für drei Stunden 16 Euro pro Person ) sowie die Neuheit „Happy Hour“ (drei bzw. zwei Stunden vor Parkschließung kostet der Eintritt 16 bzw. 12 Euro pro Person) hat der Kletterwald zu bieten.

Infos zum Kletterwald in Kassel:

www.kletterwald-kassel.de, Hohes Gras, Tel. 05251/871 94 71 (Zentrale in Paderborn) oder mail@kletterpark-gmbh.de.

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