Gerät funktionierte danach immer noch nicht

1300 Euro für Reparatur von Spülmaschine - Mieterin fühlt sich betrogen

Habichtswald. Eine defekte Spülmaschine hat eine Mieterin aus Habichtswald 1300 Euro gekostet. Zu viel, findet ihr Vermieter, Gerrit Müllner, und vermutet unseriöse Geschäftsmethoden.

Tatsächlich gibt der Hintergrund des Unternehmens Rätsel auf.

Der Fall 

Da durch eine kaputte Spülmaschine Wasser in die Küche lief, habe die Mieterin im Internet nach einem Sanitär-Notdienst gesucht, erzählt Müllner. Über die Telefonnummer auf der Internetseite „sanitaernotdienst-kassel.de“ habe sie dann einen Handwerker gerufen. Dieser sei auch schnell erschienen und habe das Abflussrohr mit einer Kamera untersucht.

Laut Handwerker war eine Verstopfung die Ursache für das Problem, die er durch Reinigung des Rohrs vermeintlich behob. Der Kundin sei per Kamera ein sauberes Rohr präsentiert worden, ohne dass man ihr die Verstopfung selbst gezeigt habe. Nach Abschluss der Arbeiten habe der Handwerker die Mieterin bedrängt, die Rechnung von 1300 Euro sofort per EC-Karte zu bezahlen, berichtet Müllner.

Die verunsicherte Mieterin habe gezahlt und dann den Vermieter kontaktiert, da das Problem weiter bestanden habe. „Das kam mir alles ein bisschen zwielichtig vor“, sagt Müllner.

Die Internetfirma 

Versuche, die Vorwürfe mit dem Unternehmen in Kassel und dem Handwerker zu klären, seien gescheitert, sagt Müllner. Die Suche nach weiteren Ansprechpartnern führt in ein rätselhaftes Geflecht der Firma „1a Rohrservice“ und ihren zahlreichen Sub-Unternehmen.

Auf der Internetseite „sanitaernotdienst-kassel.de“ wird ein verantwortlicher in der Türkei benannt. Recherchen ergeben aber, dass die Seite auf einen Unternehmer in Niedersachsen registriert ist, der auch auf der Rechnung als Inhaber benannt wird. Dieser betreibt weitere Webseiten, die immer nach dem Muster „sanitaernotdienst-Name der Stadt.de“ aufgebaut sind, genau gleich aussehen und vorgeben, ein Dienst aus der Region zu sein.

Auf Anfrage der HNA verweist der betroffene Handwerker auf das Unternehmen in Kassel. Hier heißt es, man könne keine Auskünfte geben, da man nicht vor Ort gewesen sei. Der Unternehmer in Niedersachsen war für ein Gespräch nicht zu erreichen. 

Die Verbraucherzentrale 

Die Firma ist der Verbraucherzentrale Niedersachsen bereits bekannt, die in Oldenburg einen ähnlichen Fall bearbeitet hat. „Im Internet tummeln sich häufig schwarze Schafe“, sagt Jutta Heuer von der Verbraucherzentrale. Die Masche basiere darauf, den Preis durch den Einsatz von Spezialgeräten in die Höhe zu treiben, die meist gar nicht notwendig seien. „Man sollte sich aber nicht zum Bezahlen drängen lassen und notfalls die Polizei rufen“, rät Heuer.

Die Polizei 

„Das ist eine sehr schwierige Angelegenheit“, sagt Torsten Werner von der Polizei Nordhessen. Die Polizei könne nur ermitteln, wenn ein Betrug vorliege. „Hier wurde aber eine Leistung erbracht“, sagt Werner. Es sei schwierig zu bewerten, ob ein vorher vereinbarter Preis angemessen sei. Dies könne im Zweifel nur ein Gutachter tun.

Das Nachspiel 

Im Fall von Gerrit Müllners Mieterin konnte die Polizei keine Anzeige aufnehmen. Auf den Rechtsweg will der Vermieter verzichten. „Ich rechne nicht mit einem Erfolg und werde mir die Kosten daher sparen“, sagt Müllner.

• Tipps zum Schutz vor unseriösen Handwerkern gibt die Verbraucherzentrale unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de oder www.verbraucherzentrale-hessen.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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