Kugeln von den Großeltern 

Auf Höhe des Essigbergs: Dörnberger schmückt Bäume am Wegesrand

Schmuck fürs Bäumchen am Straßenrand: Lothar Keßler richtet nach stürmischer Nacht die Dekoration der jungen Fichte zwischen Habichtswald und Kassel. Foto:  Norbert Müller

Habichtswald. An der Straße zwischen Kassel und Habichtswald auf Höhe des Essigbergs weihnachtet es. Verantwortlich dafür ist der 75-jährige Dörnberger Lothar Keßler.

Er hat eine kreative Ader, keine Frage: In seinem Haus in Dörnberg, im Garten - überall finden sich Dinge, die seine Hände geschaffen haben. Lothar Keßler ist ein Gestalter, der auch gerne andere an seinen Werken teilhaben lässt. Dazu zählt derzeit auch Weihnachtliches an der Straße zwischen Kassel und Habichtswald auf Höhe des Essigberges.

Links und rechts der Straße tragen junge Nadelbäume rote Zipfelmützen. Auf den Wipfeln platziert hat sie Lothar Keßler. Damit sie bei starkem Wind nicht wegfliegen, hat es leichte Gewichte eingebunden: Schrauben und Muttern - naheliegend bei einem gelernten Maschinenschlosser. Wer die Straße weiterfährt und sich noch über die behüteten Bäumchen wundert, wird wenig später staunen: Am Straßenrand steht ein geschmückter Christbaum. Goldene Lamettagirlanden, Kugeln und anderer Weihnachtsschmuck baumeln an den Ästen.

Vor vier Jahren hat Keßler zum ersten Mal Fichtennachwuchs am Hohen Gras verziert. Auf die Idee kam er während einer Wanderung bei Ippinghausen. Mitten im Gelände stand ein weihnachtlich aufgetakeltes Bäumchen. „So einen Blödsinn könnteste ja auch machen“, habe er sich gedacht.

Nach Schmuck musste er nicht lange suchen. „Ich hatte zu Hause viel Zeug von den Großeltern.“ Seitdem hat er seine Aktion jedes Jahr wiederholt. Nein, ein Weihnachtsbeseelter sei er nicht, „ich finde das lustig“, sagt der 75-Jährige zu seinem Motiv. Und es gefällt. „Vergangenes Jahr hingen zwei Dankesschreiben am Baum“, erzählt Keßler amüsiert. „Da haben mir Leute geschrieben, wie schön sie das finden.“

Immer, wenn er nach Kassel fahren muss, hält er kurz an und sieht nach, ob der Wind etwas von der Dekoration abgeräumt hat, um es schnell wieder zu platzieren.

Mehr hat er eigentlich mit Weihnachten auch nicht am Hut. Lothar Keßler hat andere Leidenschaften: Er ist der Chef in der Ehlener Museumsschmiede und schwingt auch auf mittelalterlichen Märkten den Hammer. Und wenn er nicht gerade mit seiner Mittelalter-Truppe unterwegs ist, könnte es sein, dass er als Centurio in glänzender Rüstung an Treffen irgendwelcher Römerfreunde teilnimmt. Dass er Brustschild, Schwert und Helm selbst in der Schmiede aufs Feinste gedengelt hat, versteht sich von selbst.

Nicht zuletzt wegen seines Einsatzes am Amboss ist Keßler in Habichtswald ein bekannter Mann. Darum, sagt er, habe er sein Urheberschaft für das Schmücken am Essigberg auch nicht dauerhaft geheimhalten können. Er wurde gesehen, erkannt, und dann machte die Kunde auch bald die Runde.

In seinem Haus wird es keinen geschmückten Weihnachtsbaum geben. Keßler wird Heiligabend nicht einmal im Lande sein. Er fliegt über die Feiertage nach Teneriffa. Im Frühjahr ist seine Frau gestorben. „Was soll ich dann Weihnachten hier?“ Keßlers Freilichtinstallation wird einige Tage ohne ihn auskommen müssen. „Wenn ich zurück bin von der Insel, räume ich das Zeug ab. Nächstes Jahr brauche ich es ja wieder.“

Von Norbert Müller

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