Tantra mit bösen Folgen

Bei spirituellem Seminar: Paar soll nackt fotografiert worden sein

Tantra-Massage: Eine sinnliche Reise für den Körper, die mit Federn, Seidentüchern, Fellen, Duftölen und heißen Steinen, aber auch mit den Händen ausgeführt werden kann. Foto: dpa

Kassel. Als Opfer eines „seelischen Missbrauchs“ fühlt sich ein Mann aus dem Münsterland und klagt deshalb gegen die Veranstalter eines Tantra-Seminars aus Habichtswald.

Mit seiner Partnerin hatte der Westfale im März 2014 seine Sinne erwecken wollen. Als die Frau, nur mit Dessous bekleidet, am Boden lag und er ihr mit Federn über den nackten Rücken streichelte, habe er plötzlich in eine Kameralinse geschaut - und einen „seelischen Schock“ erlitten.

So schilderte der schlanke Mittfünfziger gestern vor dem Amtsgericht Kassel, was im März 2014 in dem Seminarhaus Ebersberg in dem Bad Zwestener Ortsteil Wenzigerode passierte. Weil sich das Wohlfühlseminar durch dieses Erlebnis für ihn ins Gegenteil verkehrt habe, will der Mann mit den weichen Gesichtszügen sein Geld zurück.

Auf einen Vergleich, den Richterin Schiborr in der Güteverhandlung vorschlug, ließ er sich nicht ein. Gut 900 Euro für Seminarteilnahme, Übernachtungskosten und Anwaltsgebühr fordert er von der Tantraschule.

Die wird geleitet von einer Psychotherapeutin, die auch in einer Kasseler Gemeinschaftspraxis praktiziert. Gemeinsam mit ihrem Ehemann bietet sie in ihrer in Habichtswald ansässigen Tantraschule spirituelle Selbstfindungsseminare an. In der hier verbreiteten Form dieser ursprünglich im Hinduismus beheimateten Form der Esoterik geht es oft um eine Steigerung der Orgasmusfähigkeit und ein Streben nach sexuell-spiritueller Wellness.

In der fraglichen Sequenz des dreitägigen Seminars habe er möglichst authentische Fotos machen wollen, berichtete der Ehemann der Psychologin, der damals Seminarleiter war. Deshalb habe er die Teilnehmer nicht im Vorfeld auf die Kamera aufmerksam gemacht. „Die Leute sollten möglichst natürlich sein.“ Von dem Kläger und seiner Partnerin habe er überhaupt keine Aufnahmen gemacht, als dieser „seiner Frau die sinnliche Erweckung geschenkt“ habe.

Das bezweifelte der Mann aus dem Münsterland ebenso wie Angaben, dass die Fotos gelöscht wurden. Er habe sich mit seiner Partnerin in einem geschützten Raum gefühlt, sein Vertrauen sei missbraucht worden.

Das Amtsgericht Kassel muss jetzt entscheiden, ob es sich bei dem Seminar um eine „Dienstleistung höherer Art“ handelt. Die würde eben das benannte Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter und Kunde voraussetzen. Dann hätte der Kläger Aussicht auf Rückzahlung wenigstens eines Teilbetrages. Nach einem Urteil des Landgerichts von 1999 wurde ein Meditationsseminar als eine solche Dienstleistung eingestuft. (and)

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